Das ist das vielleicht entspannteste Familienreiseziel

11. Juli 2026, 14:23 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten TRAVELBOOK-Autorin Anna Chiodo (früher Wengel) war kürzlich drei Wochen mit ihrer knapp fünfjährigen Tochter und ihrem Mann in Norwegen unterwegs. Warum das...

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Das ist das vielleicht entspannteste Familienreiseziel
Anna Wengel

11. Juli 2026, 14:23 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

TRAVELBOOK-Autorin Anna Chiodo (früher Wengel) war kürzlich drei Wochen mit ihrer knapp fünfjährigen Tochter und ihrem Mann in Norwegen unterwegs. Warum das skandinavische Land für sie das vielleicht entspannteste Familienreiseziel ist, erfahren Sie hier.

Mein Kind ist das Reisen fast von Geburt an gewöhnt und ziemlich tiefenentspannt, wenn es lange im Auto sitzen oder fliegen soll. Ich bin auf der anderen Seite, was das Reisen angeht, zwar ebenfalls sehr entspannt – je nach aktuellem Stresslevel aber mitunter auch die Mama, die einmal zu oft auf mögliche Gefahren hinweist oder der ungewollt Schreckenslaute entfahren, obwohl eigentlich nichts wirklich Schlimmes passiert ist. Nicht so in Norwegen. Dort war sie plötzlich wieder, die Version von mir, die ich erst kürzlich während eines Solowochenendes in Amsterdam nach Jahren wiedergefunden hatte: mein entspannt gelassenes, die Welt genießendes, bis über beide Ohren strahlendes Reise-Selbst.

Die entspannteste Familienreise bisher

Norwegen stand schon lange auf meiner Liste der Länder, die ich gern sehen möchte. Und so entschieden mein Mann und ich uns kürzlich, das Land drei Wochen lang zu bereisen. Wir fuhren also in unserem mit allerlei Matratzen, Decken und anderem Zeug vollgepackten Minivan aus Deutschland los nach Dänemark und setzten dort mit der Fähre nach Norwegen über. Drei Wochen lang übernachteten wir im Auto – mal wild, mal auf dafür ausgelegten Plätzen – sowie in Fischerhütten, Apartments, Stadthäusern, Pensionen und Hotels. Ähnliche Reisen haben wir als Familie schon häufiger gemacht – etwa mit Baby auf dem Weg nach Portugal, durch Schottland, an der Ostküste der USA oder im Camper in Neuseeland. Doch keine war bisher so entspannt und erholsam wie diese Familienreise in Norwegen. Woran lag das also?

Ein Grund ist sicherlich der, dass wir als Familie bei jeder Reise weiter dazulernen und so die verschiedenen Bedürfnisse Stück für Stück besser unter einen Hut bekommen. Ein anderer, dass ich in meiner Reiseplanung weitaus entspannter war als bei den letzten Reisen. Statt meine Familie mit zig Zielen, die ich gern sehen möchte, zu überfrachten und alle Unterkünfte durchzuplanen, reisten wir in Norwegen, wie ich es früher – vor Mann und Kind – immer getan habe: spontan, dem jeweiligen Tagesbedürfnis entsprechend. Andere würden es vielleicht auch als vollkommen planlos bezeichnen.

Entspannung als Teil der Lebensrealität

Norwegen funktioniert – scheinbar mühelos und harmonisch. Stress und Hektik habe ich nicht einmal in der Hauptstadt Oslo gefunden. Stattdessen ruhige Besonnenheit, stetes Vorankommen in einer pragmatischen Entspanntheit, wie sie mir selten begegnet ist. Nur ein paar Mitglieder eines Ashrams in Indien fallen mir an dieser Stelle ein. Vielleicht noch der eine oder andere Yogalehrer auf Bali und in Kambodscha. Das war’s aber auch schon.

Als Beispiel kann an dieser Stelle unser Fischerhütten-Host bei Bergen dienen. Allein sein Anblick strahlte Ruhe aus: wettergegerbte Haut, ein weißblonder, auf seinen Rücken fallender Zopf. Dazu ein weißer Schnäuzer, der bedächtig gekämmt wurde, während er sich mit langsamen und zugleich steten Bewegungen über das seit 40 Jahren in Familienhand befindliche und mit Hingabe gestaltete Grundstück bewegte. Wir alle drei schalteten merklich ein paar Gänge zurück, sobald wir ihn sahen.

Unser Gastgeber war nicht der Einzige, dem ich nach dieser Reise Bedachtheit und entspannt-freundlichen Pragmatismus nachsage. Tatsächlich schreibe ich diese Attribute fast jedem Menschen zu, den wir in Norwegen kennengelernt und erlebt haben. Selbstverständlich aus der Distanz und ohne tiefer in ihn hineinschauen zu können. Und ohne mir anmaßen zu wollen, das Land nach nur drei Wochen auch nur im Ansatz wirklich zu verstehen. Wie immer ist das hier ein kleiner Einblick.

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Gelassenheit hat viele Gründe

Für die ruhigen Gemüter, die entspannte Haltung und die Abwesenheit fast jeglicher Hektik, für die Norweger bekannt sind, gibt es etliche Gründe. Norwegen ist eines der reichsten Länder der Erde, das Vertrauen in die norwegische Regierung seitens der Bevölkerung ist hoch, Work-Life-Balance wird großgeschrieben. Der Respekt vor Privatsphäre und Ruhe ist Teil der Kultur, und die Natur ist ein ständiger Begleiter. Um nur ein paar zu nennen.

Ohne die norwegische Regierung, den tatsächlichen Wohlstand jedes Einzelnen oder das Arbeitsleben einschätzen zu können, kann ich zumindest den Naturanteil in der Entspannung nach drei Wochen nachvollziehen. Natur ist in Norwegen omnipräsent, sogar in der Hauptstadt sind Wald und Wasser nie weit entfernt. Selbst dort liegen mancherorts Wald- und Meeresdüfte in der Luft. Dieses urbane und zugleich naturnahe Leben entschleunigt wie von selbst das Nervensystem – etwas, das wir schon nach wenigen Tagen am eigenen Körper erfahren durften. Ein besonderer Faktor neben der ständig sichtbaren Natur war für mich persönlich die Meeresluft, die an den meisten Tagen unsere Begleiterin war. Meer, egal wo auf der Welt, besitzt eine einzigartige Fähigkeit, mich in kürzester Zeit zu entspannen.

So fand ich mich plötzlich wieder: Umgeben von Grün und Blau, innerlich ruhig und mit Tränen in den Augen angesichts tief zwischen majestätischen Bergen glitzernder Fjorde, Wasserfälle, die wie aus dem Nichts aus höchsten Höhen zu uns hinuntersprudelten, reißender Flüsse, die in mir Wildwasserrafting-Fantasien erwachen ließen, und seicht in der Mitternachtssonne glitzernder Seen an wie Fliegenpilze gepunkteten Bergen mit hölzernen Häusern in Rot und Weiß.

Faktor Sicherheit

Ich habe für TRAVELBOOK kürzlich aufschreiben dürfen, wie sich mein Reisen durch das Mamawerden verändert hat. Neben anderen Faktoren sind es besonders mein Bedürfnis nach Sicherheit und mein Blick auf die Welt, die heute anders sind. Nicht so in Norwegen. Dort war die Erfahrung eine ganz andere, meiner Vor-Kind-Erfahrung deutlich näher. Statt meinen Automatismus, die Welt um mein Kind herum mit Sorge im Blick zu beäugen, abzuschütteln und mich bewusst auf die Schönheit um mich herum zu konzentrieren, war ich präsent. Ich fühlte mich und meine Tochter in Sicherheit, stellte nicht einmal Überlegungen zu irgendeiner möglichen Unsicherheit an.

Tatsächlich kann ich sagen: Nirgendwo anders auf der Welt habe ich mich bisher so sicher gefühlt wie in Norwegen. Ob in der Hauptstadt, nachts beim Wildcampen irgendwo am See, in der Natur – überall fühlten wir uns rundum sicher. Das wiederum zeigte sich für mich in erster Linie darin, dass ich meine Tochter zwar im Blick hatte, aber weit weniger intervenierte. Ich ließ sie den ganzen Urlaub über fast immer ihr Ding machen. Das wiederum hat für uns alle zu mehr Entspannung geführt. Entsprechend ist Sicherheit ein wichtiger Faktor in der Entspannung. Und ein Grund, weshalb Norwegen für mich das vielleicht entspannteste Familienreiseziel überhaupt ist.

Norwegens Gesellschaft am sichersten

Aktuelle Erhebungen stützen übrigens mein subjektives Empfinden: Laut dem Global Peace Index 2026 etwa steht Norwegen im Bereich der gesellschaftlichen Sicherheit weltweit sogar auf Platz eins. Im Ländervergleich schafft es das Land insgesamt zwar nicht in die Top 20 (TRAVELBOOK berichtete), sondern nur auf Platz 33. Das dürfte jedoch vorrangig auf seine hohen Militärausgaben angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine zurückzuführen sein.

Das Auswärtige Amt erklärt zudem, dass die Kriminalitätsrate in Norwegen vergleichsweise niedrig ist. Das wiederum stützt der Global Organized Crime Index. Demzufolge ist Norwegen eines der Länder mit der geringsten organisierten Kriminalität weltweit (Platz 161 von 193). Zugleich ist das Land demnach eines der widerstandsfähigsten gegen das organisierte Verbrechen. Das sind nur ein paar Zahlen und Quellen, aber sie alle bestätigen meinen Eindruck nach drei Wochen: Norwegen ist sicher, entspannt und ein traumhaftes Familienreiseziel für alle, die Natur, Gelassenheit und nordeuropäisches Leben lieben.