„Eine Katastrophe“: Dolomiten-Gipfel zeigt nach Sommerhitze extreme Veränderung
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Stand: 17.07.2026, 17:14 Uhr
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Hohe Temperaturen im Sommer setzen Gletschern in den Alpen immer stärker zu: Selbst auf dem höchsten Berg der Dolomiten verliert der Gletscher an Masse. Ein Experte sorgt sich um die Wasserversorgung.
Rocca Pietore/Marmolata – Braunes Geröll, schwarzes Eis und Steine, wo sich noch vor einigen Jahrzehnten meterhoch Eis und Schnee aufgetürmt haben – so sieht aktuell der Gipfel der Punta Penia auf 3.343 Metern Höhe aus. Nach zwei ungewöhnlich warmen Monaten auf dem höchsten Punkt der Dolomiten zieht sich der Gletscher dort – wie an anderen Orten auch – immer weiter zurück. Ein erfahrener Alpinist sieht Auswirkungen für die lokale Bevölkerung.

In diesem heißen Sommer mit wenig Schneefall sorgt sich Flavio Tolin um den Marmolata-Gletscher. Für den Rückgang der Gletscherfront macht der Wetter- und Bergexperte die hohen Temperaturen im Juni und Juli verantwortlich, wie es auf ildolomiti.it heißt. „Eine Katastrophe. Die Eiskappe von Punta Penia ist fast verschwunden. Immer mehr Systeme geraten aus dem Gleichgewicht.“
Ohne Gletscher: Wasserversorgung das Thema für die Zukunft
Ein weiteres Problem treibt Tolin um: „Wir müssen dringend Notfallpläne für die Wasserversorgung umsetzen. Denn als die Gletscher noch gesund waren, gab es Wasser im Überfluss. Jetzt müssen wir die Stauseen füllen und einen Balanceakt vollführen, um die Wasserversorgung zu sichern.“ Laut Bundesumweltministerium sind die Folgen der Gletscherschmelze in den Alpen dramatisch: Zunächst erhöhen sich die Flusspegel durch die schmelzenden Eismassen. Sobald das Gletschereis abgetaut ist, fehlen diese Wassermengen in den Flüssen.
Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung des Istituto di Scienze Marine könnte das Marmolata-Massiv, zu dem der Punta Penia gehört, bis spätestens 2050 komplett eisfrei sein, wie es auf sonnenseite.com heißt. Zu diesem Ergebnis kamen die beteiligten Wissenschaftler nach einem Abgleich von Daten des Gletschers zwischen den Jahren 2004 und 2015. Messungen vor Ort seien durch ein terrestrisches Ground Penetrating Radar (GPR) erfolgt. „In nur zehn Jahren hat der Marmolata-Gletscher 30 Prozent seines Volumens und 22 Prozent seiner Oberfläche verloren“, erklärt Projektleiter Renato Colucci.
Bis zum Jahr 2100 könnten nur wenige Gletscher weiter bestehen
Dieser Trend scheint sich fortzusetzen: Laut rainews.it zog sich der Gletscher zwischen 2024 und 2025 um sieben Meter zurück, im Jahr davor um sechs Meter. Eine erste Studie aus dem Jahr 2025 unter Leitung der ETH Zürich hat aufgezeigt, dass die Gletscherschmelze ein weltweites Phänomen ist. Es wurde berechnet, wie lange einzelne Gletscher bis zum Jahr 2100 noch bestehen und welche. Das Ergebnis: In den Alpen werden wohl nur drei Prozent der heute bestehenden Gletscher übrig bleiben. Entscheidend sind jedoch kurzfristige politische Maßnahmen, um die Schmelze einzudämmen.
Die Alpengletscher weisen dabei im weltweiten Vergleich gleich mehrere Nachteile auf: Sie sind relativ klein, liegen auf geringer Höhe und reagieren dadurch schneller auf Temperaturveränderungen. Der Höhepunkt des Gletscherverlusts in Zentraleuropa könnte deshalb bereits im Zeitraum zwischen 2033 und 2041 liegen.
Das Ausmaß des Gletscherverlusts hängt jedoch stark von dem Ausmaß der Erderwärmung ab: Bei 1,5 Grad Erwärmung bleiben in den Alpen zwölf Prozent der aktuell bestehenden Gletscher erhalten, bei 2,7 Grad drei Prozent und bei vier Grad würden etwa 20 Gletscher verbleiben – etwa ein Prozent der jetzt existierenden Gletscher. (Quellen: rainews.it, ethz.ch, nature.com, sonnenseite.com, bundesumweltministerium.de, ildolomiti.it) (jws)