Donald Trumps nächste Front? US-Generäle planen Attacken auf Kuba

KI-Stimme. InfoDer Reporter in Panama fragt ohne Umweg: Präsident Donald Trump habe gesagt, Kuba sei als Nächstes dran – gebe es dabei eine Rolle für das US‑Militär? Pete Hegseth steht bei einem Pressetermin am...

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Donald Trumps nächste Front? US-Generäle planen Attacken auf Kuba

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Der Reporter in Panama fragt ohne Umweg: Präsident Donald Trump habe gesagt, Kuba sei als Nächstes dran – gebe es dabei eine Rolle für das US‑Militär? Pete Hegseth steht bei einem Pressetermin am „Jungle Operations Training Course”. Seine Antwort ist knapp: „Alle Optionen liegen auf dem Tisch, einschließlich militärischer.“ Kuba solle auf Trumps Bereitschaft achten, amerikanische „strategische Vorrechte“ durchzusetzen. Militärisch sei die Insel „kein Gegner“.

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Was wie eine weitere martialische Ansage klingen könnte, hat einen handfesten Hintergrund. Hinter den Türen des Pentagons in Washington wird über Kuba nicht nur geredet. Es wird geplant.

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Nach Recherchen des Senders CBS haben US-Militärplaner mehrere Szenarien für ein mögliches Vorgehen gegen die Insel durchgerechnet. Eines sieht einen von der Army geführten luftgestützten Angriff mit mehreren Tausend Soldaten der 101. Luftlandedivision vor. Ende Juni gab es eine „Concept of Operations“-Besprechung. Solche CONOPS sind kein Angriffsbefehl. Doch sie gehen über lose Gedankenspiele hinaus: Missionsziele, Truppenbedarf, Ablauf, Logistik und Risiken werden konkretisiert. Bereits im Mai untersuchten Pentagon und Militärgeheimdienst DIA, wie Havanna auf einen US-Angriff reagieren könnte.

Kubas Präsident sagt, man werde sich wehren

Gerade diese Kombination macht die Sache relevant: Trump droht, Hegseth schließt Gewalt nicht aus, Geheimdienste modellieren die Reaktion – und Militärplaner rechnen Operationsvarianten durch. Aber: Eine bekannte Angriffsentscheidung und einen erkennbaren Aufmarsch für eine Invasion gibt es zur Stunde nicht. Insider mit Blick ins Pentagon sagen: Im Moment konzentriere man sich darauf, Kubas Einnahmequellen abzuschneiden und wirtschaftlichen Druck zu maximieren, statt eine maduroähnliche Militär- oder Spezialkräfteoperation wie in Venezuela vorzubereiten. 

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Die Demokraten wollen sich darauf nicht verlassen. Die Senatoren Tim Kaine, Adam Schiff und Ruben Gallego brachten eine „War Powers Resolution“ ein, die militärische Aktionen gegen Kuba ohne Zustimmung des Kongresses verhindern sollte. Kaine warf Trump vor, das Militär wie eine „Palastwache“ zu behandeln. Schiff sagte, so sehr er das kubanische Regime ablehne, gebe es „keinen Hinweis“, dass Kuba eine erhebliche Gefahr für die nationale Sicherheit darstelle.

Havanna behandelt die Pentagon-Pläne nicht als Routine. Außenminister Bruno Rodríguez spricht von „psychologischer Kriegsführung“. Mit den Durchstechereien an die Medien wolle Washington testen, wie die amerikanische Öffentlichkeit auf ein „militärisches Abenteuer“ reagiere, das ein „Blutbad“ auslösen könne. Kubas Präsident und KP-Chef Miguel Mario Díaz-Canel Bermúdez versichert, sein Land wolle keinen Krieg, werde sich aber verteidigen.

Wie wahrscheinlich ist eine vollständige Invasion?

Kubas Verteidigung würde kaum klassisch aussehen. Die Armee ist den USA technologisch hoffnungslos unterlegen; viel Gerät stammt aus sowjetischer Zeit. Die Doktrin vom „Krieg des ganzen Volkes“ setzt auf Milizen und irregulären Widerstand. Seit der US-Operation in Venezuela finden freitags „National Defense Days“ statt. US-Medien berichten von Schießübungen, alten Panzern und Drohnen – aber auch von einer Generationenkluft: Ältere Veteranen beschwören den Geist der Schweinebucht von 1961, viele Jüngere kämpfen eher mit Stromausfällen, Armut und Perspektivlosigkeit.

Multicolored old american classic cars on street of Havana against historic buildings

Kubas Hauptstadt Havanna.© iStock | istock

Hier liegt nach Ansicht von Fachleuten das größte Missverständnis einer vermeintlich einfachen Operation. William LeoGrande, renommierter Kuba-Kenner und Professor an der American University, warnt zusammen mit Historiker Peter Kornbluh: Ein Schlag gegen einzelne Führungsfiguren würde das System kaum zusammenbrechen lassen. Anders als das Venezuela von Nicolás Maduro ist der kubanische Machtapparat über Partei, Militär, Geheimdienste und den Wirtschaftskonzern Gaesa tief institutionalisiert. Ein Luftkrieg wäre militärisch beherrschbar. Regimewechsel aus der Luft ist etwas anderes.

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Auch das Center for Strategic and International Studies in Washington hält eine vollständige Invasion für das unwahrscheinlichste Szenario. Wollten die USA nach einem Zusammenbruch tatsächlich Stabilität erzwingen, könnten rund 100.000 externe Sicherheitskräfte nötig werden. Ein solcher Aufmarsch würde Monate dauern und wäre vorher sichtbar. 

Benjamin Gedan, Lateinamerika-Direktor des Stimson Center, erkennt dennoch ein Muster wie vor dem Venezuela-Einsatz: wechselnde Begründungen, wachsender Druck, Geheimdienstaktivität und die Darstellung des Gegners als Sicherheitsproblem. Trump scheine überzeugt, Kuba werde leichter als der zähe Krieg gegen Iran. Mit Außenminister Marco Rubio, der seine Wurzeln auf der Insel hat, als treibender Kraft dürfte Kuba kaum von der Agenda verschwinden.

Kubas Präsident Miguel Diaz-Canel

Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel.© Ramon Espinosa/AP/dpa | Ramon Espinosa

Dabei läuft parallel das Gegenteil eines Kriegskurses: verhandeln. CIA-Direktor John Ratcliffe reiste im Mai nach Havanna und traf unter anderem Raúl Guillermo Rodríguez Castro, den 42-jährigen Enkel von Raúl Castro. „Raulito“, ohne öffentliches Spitzenamt, aber tief im Sicherheitsapparat verwurzelt, erklärte, er könne mit jedem US-Vertreter sprechen – „wenn sich die Gelegenheit bietet, natürlich auch mit Trump“.

Keine Beweise für bevorstehenden Angriff

In Washington wird deshalb auch über eine Konstruktion nach venezolanischem Muster nachgedacht: eine Figur aus oder nahe dem bestehenden System, die einen kontrollierten Übergang und wirtschaftliche Öffnung ermöglichen könnte. Gleichzeitig verschärft Washington den Druck. Erst vor wenigen Tagen trafen neue Sanktionen drei ICAP-Funktionäre und neun staatliche Einrichtungen. Rubio wirft dem Institut vor, Amerikaner zu „rekrutieren und zu radikalisieren“.

Der Widerspruch wird größer. Kuba hat Reformen angekündigt: mehr Raum für Privatunternehmen, direkte Im- und Exporte, Investitionen von Auslandskubanern, private Banken und ausländisches Kapital. UN-Botschafter Ernesto Soberón Guzmán fragte Rubio deshalb: „Wovor haben Sie Angst?“ LeoGrande hält den Kurs für widersprüchlich: Wer Öffnung verlange und Investoren zugleich mit Sanktionen abschrecke, erschwere genau diese Reformen. Und trotzdem reden beide Seiten weiter. Soberón bestätigte „sehr sensible Gespräche“. 

Für einen unmittelbar bevorstehenden Angriff gibt es bisher keinen belastbaren Hinweis. Die jüngste öffentlich verfügbare Flottenübersicht des U.S. Naval Institute zeigt im zentralen Karibischen Meer die „USS Billings“; Teile der 24th Marine Expeditionary Unit operieren weiter im Hoheitsbereich von „Southcom“. Einen kubaspezifischen Großaufmarsch gibt es nicht. Zugleich bindet Iran erhebliche US-Seemacht: Die „USS George Washington“ ist im Nahen Osten eingetroffen, um die „Abraham Lincoln“ abzulösen; auch die „George H.W. Bush“ und die „Boxer“-Gruppe sind dort gebunden.

Nichtsdestotrotz: Für Kuba existiert inzwischen eine militärische Schublade, und sie ist nicht leer. Trump muss sie nicht öffnen. Aber seine Regierung hat dafür gesorgt, dass sie sich öffnen ließe.