Deutsche Bahn und ihre Kunden: Auf zur Paartherapie
Wir schicken die Deutsche Bahn und ihre Kunden zur Paartherapie. Am Willen zur Kommunikation scheitert es nicht. Nur an Taten. Ein Video im Netz macht der angespannten Beziehung Hoffnung.
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Mit Bahnfahrern und der Deutschen Bahn verhält es sich wie mit Ehepaaren, die seit Jahrzehnten zusammen sind. Man schimpft, liebt und bittet um Entschuldigung, droht mit Trennung, kommt nicht voneinander los. Die gute Laune, die einst das Leben versüßte, ist sauer wie ein Zitronenbonbon, an dem gelutscht wird, bis die Zähne knirschen. Paartherapeuten könnten ein Vermögen mit diesem Duo machen.
Stellen wir uns verschränkte Arme und bockige Gesichter vor. Der eine hat ein schlechtes Gewissen, der andere hat Schaum vorm Mund. Der Therapeut rät zu offener Kommunikation. Kein Problem: 50 Millionen kann der Konzern lockermachen bis Ende 2027. Mit schönen Worten will er den Bahnfahrer umschmeicheln: KI, eine neue App, mehr Anzeigetafeln. Misstrauisch schnaubt der Fahrgast nur. Sie müssten wieder einen emotionalen Zugang zueinander finden, mahnt der Therapeut.
Zugchef kauft Toilettenpapier
Kein Problem, denkt der Konzern. Fünf statt bisher sieben Agenturen werden zwischen das Paar geschaltet, um den Wandel oder zumindest den Willen dazu sichtbar zu machen. Das Credo lautet „Emotionen“. Nur so könnten während der Neustrukturierung Kunden gewonnen werden. Zufrieden lehnt sich der Konzern zurück. Alles richtig gemacht. Der Bahnfahrer ist entsetzt. Nun will der Partner auch noch fremdflirten. Alle Versuche, die Beziehung zu generalsanieren, haben nur dürftige Resultate erzielt.
Die Ankündigungen, jetzt werde alles besser, er arbeite an sich, verlaufen ins Leere. Der Bahnfahrer ist drauf und dran, ins Auto zu steigen. Dann fällt ihm dieses eine Video ins Auge. Ein ICE legt in Hamburg-Bergedorf einen Zwischenstopp ein, das Toilettenpapier ist ausgegangen. Der Zugchef sprintet heraus, kauft in einem nahe gelegenen Supermarkt drei Packungen und joggt zurück in den Zug. Die Reise kann weitergehen. Der Bahnfahrer in der Paartherapie setzt sich wieder hin. Vielleicht, ganz vielleicht, ist der Funke von früher doch noch da.