Für einen Sack voller Würmer: Warum Kunden hunderte Kilometer nach Kalkar fahren
Das Rattern der Trommel ist schon von Weitem zu hören. Erde rieselt durch Metallgitter, feiner Staub liegt in der Luft. Es riecht nach feuchtem Waldboden, nach Kompost, nach Natur. Mitten in diesem Gewusel ste...
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Das Rattern der Trommel ist schon von Weitem zu hören. Erde rieselt durch Metallgitter, feiner Staub liegt in der Luft. Es riecht nach feuchtem Waldboden, nach Kompost, nach Natur.
Mitten in diesem Gewusel steht Andreas van Weelden und schaut aufmerksam auf das, was andere vielleicht achtlos übersehen würden: Würmer. Millionen davon leben auf seiner Farm in Kalkar. Sie sind sein Beruf, seine Leidenschaft und die Grundlage eines Geschäfts, das am Niederrhein einzigartig ist.
Kleine Tiere, große Leistung
"Viele sehen nur einen Wurm. Ich sehe ein hoch spezialisiertes Nutztier." Andreas van Weelden, Wurmzüchter
Doch nicht nur die Tiere sind gefragt. Auch das feine Material, das sie hinterlassen. Der Wurmhumus wird in verschiedenen Körnungen gesiebt, gesammelt und als Dünger genutzt oder verkauft.
Denn Regenwürmer leisten Erstaunliches. Sie fressen abgestorbene Pflanzenreste, lockern den Boden auf, schaffen Luft- und Wasserwege und verwandeln organisches Material in nährstoffreichen Humus. Ohne sie würden viele Böden deutlich schlechter funktionieren.
Kraftfutter für die Bodenarbeiter im Verborgenen
Auf den langen Beeten streut Andreas Schulz Mineralien aus. "Die Würmer sollen optimale Bedingungen haben. Dann machen sie ihre Arbeit am besten." Die Tiere leben verborgen in der Erde. Lautlos. Unermüdlich. Tag und Nacht. Für Andreas sind sie mehr als Ware.
Dabei ist Wurm nicht gleich Wurm. Viele Menschen denken beim Thema sofort an den klassischen Regenwurm im Garten. Tatsächlich gibt es aber zahlreiche Arten mit unterschiedlichen Aufgaben. Unter der Oberfläche arbeitet eine Welt, die die meisten Menschen kaum wahrnehmen. Während über ihnen Blumen wachsen, Gemüse gedeiht und Felder Ertrag bringen, graben Würmer unermüdlich ihre Tunnel durch die Erde.
"Man muss lernen, die Signale der Würmer zu lesen." Andreas van Weelden, Wurmzüchter
Spezialisten im Untergrund: Jeder Wurm macht etwas anderes
Kompostwürmer verwandeln Pflanzenreste in Humus. Regenwürmer lockern den Boden auf und sorgen für bessere Durchlüftung. Zuchtwürmer wie der Dendrobena werden für Angler gezüchtet. Auf der Farm von Andreas Schulz hat jede Art ihre Aufgabe. Für ihn sind die Würmer keine Kriechtiere, sondern Spezialisten. "Jeder Wurm macht etwas anderes. Genau das macht sie so faszinierend", sagt er.
Allen gemeinsam ist ihre enorme Bedeutung für die Natur. Sie graben Gänge, lockern Böden auf, verbessern die Wasseraufnahme und helfen dabei, abgestorbenes Pflanzenmaterial wieder in wertvollen Humus zu verwandeln. Forschende bezeichnen Regenwürmer deshalb oft als die "Ingenieure des Bodens".
"Saftig, rosig, gut im Futter" - dafür kommen Kunden von weit her
Dass die Wurmfarm eine besondere Stellung hat, zeigt sich auch an den Kennzeichen HD für Heidelberg auf dem Hofparkplatz. Nach eigener Auskunft ist er der einzige professionelle Wurmzüchter am gesamten Niederrhein und im Ruhrgebiet. Nur von einem weiteren Betrieb in Dülmen weiß er.
Hobbyangler Thomas Schäfer reist extra aus der Nähe von Heidelberg an. Auf dem Weg in den Urlaub macht er Halt auf der Wurmfarm. "Die Tiere sind so gesund, so saftig, so rosig und echt gut im Futter: Für diese Qualität fahre ich gerne ein paar Kilometer mehr." Seine Würmer reisen anschließend mit in die Niederlande.
Die Helden unter unseren Füßen
Während die Nachmittagssonne über die Farm fällt, greift Andreas noch einmal in die Erde. Eine Handvoll Würmer windet sich zwischen seinen Fingern. Für viele Menschen nur kleine Kriechtiere. Für ihn sind sie Millionen fleißige Mitarbeiter und seine wirtschaftliche Grundlage. Und vielleicht die unscheinbaren Helden unter unseren Füßen.
"Würmer machen keinen Lärm, sie drängen sich nicht in den Vordergrund. Aber ohne sie würde unter unseren Füßen vieles nicht funktionieren." Andreas van Weelden, Wurmzüchter
Unsere Quellen:
- Interview mit Andreas van Weelden, Würmzüchter
- Interview mit Thomas Schäfer, Angler und Kunde
- Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters Marcus Böhm vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 25.08.2026, 19:30 Uhr