Frankreich: Größter Waldbrand seit dem Zweiten Weltkrieg zwingt 220'000 zur Flucht

Der grösste Waldbrand Frankreichs seit dem Zweiten Weltkrieg zwingt mehr als 220 000 Menschen zur FluchtDie Feuersbrunst nähert sich Bordeaux. Ganze Gemeinden werden geräumt, Tausende schlafen in Notunterkünfte...

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Frankreich: Größter Waldbrand seit dem Zweiten Weltkrieg zwingt 220'000 zur Flucht

Der grösste Waldbrand Frankreichs seit dem Zweiten Weltkrieg zwingt mehr als 220 000 Menschen zur Flucht

Die Feuersbrunst nähert sich Bordeaux. Ganze Gemeinden werden geräumt, Tausende schlafen in Notunterkünften. Die Schweiz schickt Feuerwehrleute zur Unterstützung.

26.07.2026, 17.49 Uhr

3 Leseminuten


Eine Fläche von etwa 60 000 Fussballfeldern ist im Département Gironde bereits zerstört – und das Feuer breitet sich weiter aus.

Eine Fläche von etwa 60 000 Fussballfeldern ist im Département Gironde bereits zerstört – und das Feuer breitet sich weiter aus.

Stéphane Mahé / Reuters

Thomas Cazenave sah blass und angespannt aus, als er sich am Sonntagmittag in der Messe von Bordeaux äusserte. «Die Evakuierung von Bordeaux steht nicht auf der Tagesordnung», sagte der Bürgermeister im Fernsehen. Das Feuer, das im Département Gironde wütet, war am Nachmittag bis auf 15 Kilometer an die westfranzösische Metropole herangerückt. Es habe den Stadtrand erreicht, breite sich aber nicht in Richtung der westlichen Stadtteile aus, ergänzte Cazenave.

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In den Messehallen brachte die Stadtverwaltung Tausende von Menschen unter, die vor den Flammen fliehen mussten. Insgesamt wurden in der Gironde 220 000 Menschen evakuiert – so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Rund 42 000 Hektaren Fläche sind verbrannt, das entspricht der Fläche von etwa 60 000 Fussballfeldern.

Thomas Cazenave, der Bürgermeister von Bordeaux, versucht die Bürgerinnen und Bürger seiner Metropole angesichts des näherkommenden Flammenmeers zu beruhigen.

Thomas Cazenave, der Bürgermeister von Bordeaux, versucht die Bürgerinnen und Bürger seiner Metropole angesichts des näherkommenden Flammenmeers zu beruhigen.

Manon Cruz / Reuters

Information per SMS

Besonders betroffen ist der Norden der Bucht von Arcachon zwischen Lacanau und dem beliebten Ferienort Cap Ferret. Die Bewohner der von den Flammen bedrohten Gemeinden erhielten von der Präfektur eine SMS mit der Anweisung, ihre Wohnungen zu verlassen. Wer sein Zuhause nicht verlassen wolle, riskiere sein Leben, meinte die Präfektin des Département Gironde, Sophie Brocas, warnend. «Dieses Feuer ist ein Monster.»

In den Messehallen gab es nicht genug Feldbetten, so dass die Menschen auf Stühlen oder unter freiem Himmel schlafen mussten. Für viele Evakuierte ist das Feuer exemplarisch für die Folgen des Klimawandels. «Wir sind Klimaflüchtlinge», sagte die 75-jährige Michèle der Zeitung «Tribune du Dimanche». Sie zeigte sich enttäuscht darüber, dass die französische Regierung in den vergangenen Jahren so wenig gegen die Erderwärmung unternommen habe.

Tausende von Evakuierten haben in den Messehallen von Bordeaux vorübergehend eine Notunterkunft gefunden.

Tausende von Evakuierten haben in den Messehallen von Bordeaux vorübergehend eine Notunterkunft gefunden.

Gonidec Margot/ Imago

«Die Situation ist sehr ungünstig», schrieb Innenminister Laurent Nuñez im Kurznachrichtendienst X. Das Feuer sei extrem und sein Verlauf sei unvorhersehbar. Die Bekämpfung werde noch lange dauern. In der Gironde kämpfen 2500 Feuerwehrleute sowie 1500 Soldatinnen und Soldaten gegen die Flammen. Präsident Emmanuel Macron hatte den Regierungschef Sébastien Lecornu am Freitag um «maximale Verstärkung» durch das Militär gebeten. Feuerwehrleute aus Rumänien und der Schweiz sowie Helikopter aus mehreren europäischen Ländern unterstützen die französischen Einsatzkräfte.

Die Feuerwehr nutzt auch Landwirtschaftsgeräte zur Eindämmung der Waldbrände.

Reuters

Im benachbarten Département Landes, wo ebenfalls ein Waldbrand 3500 Hektaren vernichtete, hat sich die Lage etwas beruhigt. Ein Teil der insgesamt 30 000 Evakuierten durfte am Samstagabend in seine Häuser zurückkehren.

«Die Grenzen unserer Fähigkeiten»

In der Gironde haben die Brandbekämpfer dagegen massive Schwierigkeiten, das Feuer einzudämmen. In den nächsten Tagen droht bereits die nächste Hitzewelle, die die Lage noch komplizierter machen dürfte. «Wir erreichen die Grenzen unserer Fähigkeiten und nähern uns einem Punkt, an dem Operationen unmöglich werden», warnte David Annotel von der Feuerwehrvereinigung im Radiosender France Inter. Die südliche Bucht von Arcachon war bereits 2022 durch ein Grossfeuer verwüstet worden, das auch die Kiefernwälder rund um die weltbekannte Düne von Pilat erfasst hatte.

Löschflugzeuge unterstützen die Bemühungen der Feuerwehr aus der Luft. Allerdings sind nicht alle entsprechend ausgerüsteten Maschinen in Frankreich auch tatsächlich einsatzfähig.

Löschflugzeuge unterstützen die Bemühungen der Feuerwehr aus der Luft. Allerdings sind nicht alle entsprechend ausgerüsteten Maschinen in Frankreich auch tatsächlich einsatzfähig.

Duprat Stéphane / Imago

In der Luft sind vier Löschflugzeuge vom Typ Canadair, zwei Löschflugzeuge vom Typ Dash, mehrere Helikopter sowie das militärische Transportflugzeug Airbus A400M im Einsatz. Die Gewerkschaft des zivilen Flugpersonals kritisierte, dass in den vergangenen Jahren vor allem die wichtigen Canadair-Flugzeuge nicht ausreichend gewartet worden seien. Von den zwölf vorhandenen Maschinen seien nur sieben im Einsatz, zwei davon in Korsika. «Wir stellen fest, dass die Politik gescheitert ist, die eine Bereitschaft der Flugzeuge sicherstellen sollte», sagte der Vizegewerkschaftschef Eric Durand der Zeitung «Le Monde». Der A400M, der seit Samstag eingesetzt wird, solle wohl die Kritik an der Zahl der verfügbaren Canadair-Flugzeuge zum Schweigen bringen. Doch er könne nur wenige Male am Tag löschen, da er viel Zeit brauche, um nachzuladen.

Nuñez will die Kritik an der Zahl der Löschflugzeuge nicht auf der Regierung sitzen lassen. «Wir haben unsere Flotte seit 2022 verdoppelt. Wir sind das einzige Land, das solche Fortschritte gemacht hat», betonte der französische Innenminister. «Das Feuer wird hauptsächlich am Boden bekämpft.» Dazu würden Gräben ausgehoben, die eine Verbreitung der Flammen verhindern sollten. «Die meiste Zeit funktioniert das.»

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