Jens Spahn und sein Mann haben nun ein Kind, doch Leihmutterschaft ist verboten

Der Chef der grössten Fraktion im deutschen Parlament ist im Babyglück. Eine Leihmutter aus den USA hat für ihn und seinen Mann ein Kind ausgetragen. Spahn umgeht somit die deutsche Rechtslage – und das ist keine Kleinigkeit.

  • 5 min read
Jens Spahn und sein Mann haben nun ein Kind, doch Leihmutterschaft ist verboten

Der andere Blick

von Susanne Gaschke, Berlin

Kind gegen Geld: Jens Spahn und sein Mann missachten das Verbot der Leihmutterschaft

Der Chef der grössten Fraktion im deutschen Parlament ist im Babyglück. Eine Leihmutter aus den USA hat für ihn und seinen Mann ein Kind ausgetragen. Spahn umgeht somit die deutsche Rechtslage – und das ist keine Kleinigkeit.

16.07.2026, 17.58 Uhr

3 Leseminuten


Jens Spahn mit seinem Mann Daniel Funke (links).

Jens Spahn mit seinem Mann Daniel Funke (links).

Thomas Lohnes / Imago

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Ist es eine Nachricht «voller Liebe und Glück», wie die «Bild»-Zeitung trällert? Oder doch eher eine Nachricht voller Frechheit? Jens Spahn, der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, und sein Ehemann, der Manager Daniel Funke, haben einen neugeborenen Sohn. Laut der «Bild»-Zeitung brachte ihn eine amerikanische Leihmutter zur Welt.

Spahn und Funke sind nicht das erste schwule Paar mit Bundestagsbezug, das auf diesem Weg an ein Kind kommt. Im vergangenen Frühjahr jubelte bereits Hendrik Streeck, CDU-Bundestagsabgeordneter und Drogenbeauftragter der Bundesregierung, ebenfalls in der «Bild»-Zeitung, über Familienzuwachs: Auch er und sein Partner, der Gesundheitsfunktionär Paul Zubeil, hatten die Dienste einer Amerikanerin in Anspruch genommen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Arlt und sein Ehemann erhielten schon 2023 ein Leihmutterkind aus Dänemark.

Schwangerschaft wird zur Dienstleistung

All diese Männer mögen so hingerissen und überwältigt, so «überglücklich und schockverliebt» sein wie Spahn und Funke: Das ändert nichts an der Tatsache, dass kommerzielle Leihmutterschaft zwar in den USA und in Dänemark erlaubt, in Deutschland und der Schweiz aber de facto verboten ist. Und dass die Vereinten Nationen ihre weltweite Ächtung anstreben, weil sie zu oft mit der Ausbeutung notleidender Frauen einhergeht.

Nichts anderes als ein Geschäft ist nämlich der vereinbarte Tausch von Kind gegen Geld: Er degradiert den körperlichen und seelischen Kraftakt einer Schwangerschaft und Geburt zur Dienstleistung. Das dürfte mit dem Menschenwürdebegriff des Grundgesetzes auch künftig kaum zu vereinbaren sein. Und dass deutsche Behörden die Eltern von Leihmutterkindern aus dem Ausland in der Regel unbehelligt lassen, stellt keine moralische Rechtfertigung dar, sondern offenbart eher einen zähneknirschenden Post-factum-Fatalismus im Interesse des weiteren Kindeswohls.

Deshalb wirkt es wie kaum verhohlene Verachtung, wenn sich deutsche Spitzenpolitiker in der Boulevardpresse dafür feiern lassen, dass sie die Rechtslage ihres eigenen Landes auf kostspielige Weise umgehen. Der normale, steinige Weg wäre es doch wohl, in den eigenen Parteien und in der demokratischen Öffentlichkeit für eine Änderung der einschlägigen Gesetze zu werben – so schwer das insbesondere Christlichdemokraten fallen mag.

Die kinderkitschige Begleitmusik, die Spahn und Funke zu ihrer Unverfrorenheit erklingen lassen – «willkommen auf der Welt, kleiner Mensch» –, ist erkennbar dazu bestimmt, mögliche Kritik an ihrer juristischen Abkürzung zu übertönen. Man könnte sich mühelos etwas leiser und in weniger Grossbuchstaben freuen. Denn es geht hier eben nicht nur um «stolze Papas», sondern um einen politischen Verantwortungsträger, der sich rechtlicher Einwände offenbar enthoben fühlt.

Es geht auch mitnichten darum, ob Homosexuelle gute Eltern sind – was die «Bild»-Zeitung unverzüglich von einer Expertin versichern liess. Es geht vielmehr darum, ob Leihmutterschaft als erträgliche, gar progressive Praxis oder als unerträgliche Ökonomisierung menschlichen Lebens zu betrachten ist.

Demut im Angesicht des Schicksals?

2015 hatte sich Jens Spahn, damals Parlamentarischer Staatssekretär in Angela Merkels Regierung, als «schwuler Mann und Christ» noch «schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs» anfreunden können. Er hatte die «Demut» beschworen, die man dem Schicksal manchmal entgegenbringen müsse. 2020, als Gesundheitsminister, wies er eine FDP-Forderung nach Legalisierung der Leihmutterschaft mit dem Hinweis auf zu erwartende Schwierigkeiten bei der «Selbstfindung des Kindes» und «negative Auswirkungen» auf dessen Entwicklung zurück. Derartige Bedenken dürfte die Mehrheit seiner christlichdemokratischen Parteifreunde immer noch teilen.

Doch Spahn scheint Demut und Skepsis inzwischen überwunden zu haben. Er schaffte es sogar, in seinen Glücksnachrichten an die Nation eine Botschaft für den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz unterzubringen: Nur seine Familie und den Bundeskanzler habe er vorab über die Geburt des Kindes informiert. Dass der Chef einer christlichen und einst auch konservativen Partei unter diesen Umständen nichts Kritisches sagen kann, versteht sich von selbst. Dafür ist das Thema zu kompliziert und die Sorge zu stark, rückständig oder gar schwulenfeindlich zu wirken.

Dabei stehen hier Frauenrechte zur Debatte, Selbstbestimmung und die Frage, wie sehr ein Politiker den Rechtsstaat respektiert, dem er eigentlich dienen sollte.

22 Kommentare

Roland Eichenberger

vor 21 Minuten

1 Empfehlung

Ein Heucheler wie Jens Span sollte zum Rücktritt gezwungen werden. Freiwillig wird er nie das Richtige tun. Es ist unglaublich was sich solche Figuren erlauben, ohne dass es die geringtste Konsequenz nach sich zieht. Ein Spitzenpolitiker foutiert sich ums Gesetz – bis vor Kurzem hat er selber einer Reform die Unterstützung verweigert.

Margit Büttner

vor 27 Minuten

5 Empfehlungen

Hier sind mindestens fünf Personen beteiligt: der Samenspender, die Eizellspenderin, die austragende Frau, der Lebenspartner, der nun Elternrolle übernimmt, und das Kind, das seine leibliche Mutter nie kennenlernen wird. Qua Vertrag ist sofortige Trennung vereinbart. Selbst Hundewelpen dürfen von der Mutter nicht vor einer gewissen Zeit getrennt werden. Nicht zu vergessen die Firma, die an dem ganzen Geschäft verdient. Und das alles soll okay sein, liebe Foristen?

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