YB gelingt der Saisonstart dank der Offensive – 3:3 im Spitzenspiel gegen Basel
Den Young Boys gelingt der Saisonstart dank ihrer wuchtigen Offensive. Aber ein altes Problem werden die Berner Fussballer einfach nicht losYB kehrt zu seiner Kernkompetenz zurück, offenbart beim spektakulären ...
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Den Young Boys gelingt der Saisonstart dank ihrer wuchtigen Offensive. Aber ein altes Problem werden die Berner Fussballer einfach nicht los
YB kehrt zu seiner Kernkompetenz zurück, offenbart beim spektakulären Spitzenkampf gegen den FC Basel (3:3) aber erneut defensive Mängel.
30.08.2026, 18.40 Uhr
4 Leseminuten

Steht sinnbildlich für den YB-Aufschwung in der neuen Saison: der Offensivspieler Alvyn Sanches.
Peter Klaunzer / Keystone
Sanches hier, Sanches dort, Sanches überall. Im Wankdorf ist am Samstagabend noch keine Viertelstunde gespielt, da führt YB gegen den FC Basel bereits 2:0. Und an jeder YB-Offensivaktion ist Alvyn Sanches beteiligt. Vor dem 1:0 durch Joël Monteiro klären die Basler seine Hereingabe ungenügend, vor dem 2:0 durch Samuel Essende erobert er den Ball und leitet das Goal ein. Sanches schwebt leichtfüssig über den Platz, mit und ohne Ball, ist wirblig, agil, kaum zu stoppen.
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Auch wegen seiner Galavorstellung verläuft der Spitzenkampf zwischen den beiden Schweizer Grossklubs zunächst einseitig. Die Berner Fussballer spielen sich zuweilen in einen Rausch, kreieren so viele Torchancen, dass sich die Basler auch über vier oder fünf Gegentore nicht hätten beklagen dürfen.
Die Basler finden erst ins Spiel, als der Coach Stephan Lichtsteiner reagiert und nach 33 Minuten Xherdan Shaqiri einwechselt. Kurz zuvor hatte der FCB durch Kazeem Olaigbe verkürzt. Vier Minuten nach Shaqiris Einwechslung steht es 2:2: Lupfer des Basler Captains in den Strafraum, Metinho legt ab, Asane Sow vollendet. Wie aus dem Nichts sind die Basler zurück in diesem Spiel, das nach einer halben Stunde bereits entschieden schien.
Aber YB lässt sich nicht beirren und spielt weiter konsequent nach vorn. Die letzte Chance vor der Pause verwertet Alvyn Sanches nach einem Doppelpass mit Essende zum 3:2. Und Sanches ist es dann auch, der direkt nach Wiederanpfiff die Vorentscheidung verpasst – sein Weitschuss klatscht an die Latte.
Sanches, Essende und Blum überzeugen
Alvyn Sanches wirkt wie verwandelt – und mit ihm die Young Boys. Noch in der letzten Rückrunde blieb der 23-Jährige aus Lausanne, wie das ganze YB-Team, blass. Was ihn die WM-Teilnahme mit der Schweiz kostete. Doch nun befindet er sich in einer beneidenswerten Form. Mit seiner Spielfreude, den Tempodribblings und Toren steht er sinnbildlich für den Aufschwung der Young Boys in diesem Spätsommer. Für die Wucht, die YB zurzeit entfaltet. 19 Tore nach fünf Partien sind ein Statement – und Startrekord in der Super League.
Wer nach den Gründen für den starken Saisonstart sucht, landet aber auch schnell bei Samuel Essende. Dem französischen Stürmer, den YB im letzten Winter verpflichtet hat. Der im ersten Halbjahr in Bern aber so harmlos wirkte, dass man rätselte, weshalb die YB-Klubchefs ihn dem Topskorer Chris Bedia vorzogen. Jetzt sieht man, warum. Er hat bereits fünf Ligatore erzielt.
Oder bei Lewin Blum. Die Young Boys hatten den 25-Jährigen jüngst nach Charleroi verliehen, der «Berner Giu» schien im Klub keine Zukunft zu haben, zumal YB zu viele Aussenverteidiger auf der Lohnliste hat. Doch nach seiner Rückkehr aus Belgien überzeugte der Publikumsliebling sofort, gegen Basel sammelte er den fünften Skorerpunkt. Nun ist er hinten rechts gesetzt statt dem Neuzugang Isaac Schmidt, für den YB 1,3 Millionen Euro bezahlte.
Noch vor kurzem wollte YB sein Eigengewächs abgeben; jetzt liegt Blum eine Vertragsverlängerung vor, die Unterschrift erfolgt demnächst. Der Technische Direktor Mathieu Beda erklärt die Kehrtwende so: «Wir haben gemerkt, dass Lewin die Mentalität mitbringt, die wir suchen.»
Der Punch und die Hartnäckigkeit von Blum haben YB jüngst gefehlt. In der letzten Saison beschäftigte der Klub zwar viele talentierte Einzelspieler, doch wie ein widerstandsfähiges Team wirkte die Equipe von Gerardo Seoane kaum je. Da war viel Potenzial, aber keine funktionierende Einheit. Und eine üppige Gehaltsliste mit vielen unzufriedenen Spielern.
Über den Sommer hat YB sein Kader erfolgreich verkleinert – und dabei Millionenerträge erzielt. Unter anderem, weil der Transfermarkt immer seltsamere Blüten treibt. So löste der Klub für Jaouen Hadjam 13 Millionen Euro, obwohl der Verteidiger eine verkorkste Spielzeit hinter sich hat. Und selbst mit dem Verkauf von Ergänzungsspielern wie Lukasz Lakomy und Emmanuel Tsimba erzielte YB Millionenbeträge.
Seoane setzt auf die Offensivstärke
Die Transferpolitik der Berner scheint geglückt: YB hat die Identifikation gestärkt, ist diverse Überzählige losgeworden und hat nun ein besser zusammengestelltes Team. «So, wie wir spielen, kreieren wir viele Chancen und macht es für jeden Spass», sagte Blum nach dem 3:3 gegen Basel.
Der Rechtsverteidiger spricht damit auch die veränderte Spielphilosophie an. Galt bisher das Motto «defense first», so setzt Gerardo Seoane jetzt wieder auf die Strategie, mit der er und YB zwischen 2018 und 2021 drei Mal Schweizer Meister wurden: «Wir wollen dominant nach vorne spielen und in dieser Saison mit vielen Spielern in die Standardsituationen gehen.»
Doch der neue Spielstil birgt auch mehr Risiken. Das verdeutlichte am Samstag der Fehler des weit aufgerückten Stefan Bukinac nach einem YB-Eckball, der zum 1:2 führte. Zudem fehlt den Bernern weiterhin die Balance zwischen offensivem Risiko und defensiver Stabilität, wie die Indisponiertheit Edimilson Fernandes’ offenbarte. Der Sechser war bei allen drei Toren der Basler unaufmerksam – vor dem 3:3 des Basler Innenverteidigers Akpe Victory liess er den Nigerianer unbehelligt durchs Mittelfeld spazieren (71.).
Nach der missratenen vorletzten Saison wollten die YB-Klubchefs unbedingt die Defensive stärken. Für mehr Stabilität verpflichteten sie Fernandes und Gregory Wüthrich. Doch die letzte Saison missriet abermals. In dieser Transferperiode rüstete der Klub nach und investierte mit Cédric Zesiger erneut in Leadership. Aber wie sich Wüthrich letzten Sommer verletzt hatte, verletzte sich Zesiger kurz nach seiner Ankunft und fällt länger aus.
Auch deshalb bleibt die Problemzone der Berner weiterhin die Defensive. Aber diesmal deutet nichts auf einen Absturz hin. Weil YB gerade seine Kernkompetenz wiederentdeckt. Und die liegt in der Offensive.
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