Russlands „Schwarzer August“: Benzinmangel, Rubel-Absturz und ukrainische Angriffe – droht Putin die große Krise?

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Russlands „Schwarzer August“: Benzinmangel, Rubel-Absturz und ukrainische Angriffe – droht Putin die große Krise?

Dauerschläge auf die Wirtschaft: Russen fürchten „Schwarzen August“

Stand: 24.08.2026, 19:07 Uhr

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Der „Schwarze August“ hat in Russland eine lange Geschichte. Im Sommer 2026 werden Stimmen erneut laut – und diesmal trifft es Putin mitten im Krieg.

Moskau – In Russland gibt es einen Begriff, der alle Jahre wieder durch Redaktionen und über Küchentische geistert: „Schwarzer August“ oder „August-Fluch“ – die auffällige Häufung dramatischer Krisen, die das Land in den letzten Sommerwochen heimzusuchen scheinen. Ob Zufall oder kollektive Einbildung, die russische Geschichte liefert reichlich Belege für diese düstere Wahrnehmung. Im August 1991 scheiterte ein Putsch kommunistischer Hardliner gegen Michail Gorbatschow und beschleunigte den Zerfall der Sowjetunion.

Ein Wildberries-Lager steht in St. Petersburg in Flammen. Zuletzt häufen sich die ukrainischen Attacken auf Russlands Industrie. (Archivfoto)

Ein Wildberries-Lager steht in St. Petersburg in Flammen. Zuletzt häufen sich die ukrainischen Attacken auf Russlands Industrie. (Archivfoto) © Stringer/Imago

Sieben Jahre später kollabierte der Rubel und Russland erklärte den Staatsbankrott. Im August 1999 marschierten Milizionäre in Dagestan ein und lösten den Zweiten Tschetschenienkrieg aus – jenen Konflikt, der einen damals weitgehend unbekannten Ex-KGB-Offizier namens Wladimir Putin an die Macht katapultierte. Eben jener Putin beißt sich heute im Nachbarland die Zähne aus – und wird zunehmend mit ukrainischen Angriffen vor der eigenen Haustür konfrontiert.

Exil-Kommentator warnt vor Krise in Russland: „Gott weiß, was noch“

Nun, im Sommer 2026, verdichten sich die Zeichen auf den „August-Fluch“ erneut. Der exilierte russische Kommentator Ilja Warlamow, der auf YouTube bis zum Montag mehr als 34.000 Aufrufe mit einem Video über den „Schwarzen August 2026“ erzielte, bringt die Stimmung im Land auf den Punkt: „Viele Russen erwarten den August mit Beklemmung. Besonders jetzt, wo das Land wirklich in einer Krise ist. Die Kraftstoffkrise ist zurückgekehrt, die Preise steigen und haben keine Absicht aufzuhören, der Rubel fällt, Wahlen stehen bevor – und Gott weiß, was noch.“

Ukraine-Angriffe auf russisches Territorium nehmen weiter zu

Bereits Wochen zuvor hatte die Ukraine das russische Unternehmen Wildberries ins Visier genommen. Am 16. August zerstörten Drohnen das größte Wildberries-Lager in der Oblast Moskau mit einer Fläche von 250.000 Quadratmetern. Insgesamt sollen seit Beginn der Kampagne mehr als 20 Lagerhallen des Unternehmens in Flammen aufgegangen sein; ukrainische Streitkräfte erklärten, sieben der zehn größten Logistikzentren außer Betrieb gesetzt zu haben.

Wildberries fungiert als Marktplatz für Hunderttausende Kleinunternehmer – die wirtschaftlichen Folgen sind entsprechend weitreichend. Schätzungen zufolge könnten bereits Waren im hohen einstelligen Milliarden-Dollar-Bereich vernichtet worden sein, Versicherungen können die Schäden laut Experten nicht auffangen. Allein im August wurden laut der Washington Post knapp drei Milliarden Euro in bar abgehoben – ein Zeichen wachsender Verunsicherung in der Bevölkerung.

Betroffen von den jüngsten ukrainischen Angriffen waren zudem Standorte des Versandhändlers Ozon in Krasnodar, in Nevinnomyssk im Stavropol-Gebiet sowie in der Republik Dagestan. Das Logistikzentrum in Dagestan, das als zentraler Knotenpunkt für internationale Lieferungen nach Aserbaidschan und in den Iran gilt, umfasst eine Fläche von rund 130.000 Quadratmetern; das Zentrum in Nevinnomyssk kommt auf 93.514 Quadratmeter. Ozon ist nach Wildberries der zweitgrößte Online-Marktplatz Russlands und gilt als unverzichtbarer Teil der Versorgungsinfrastruktur im Kriegsalltag.

Benzinmangel und ukrainische Angriffe in Russland: „Die Krise ist spürbar“

Parallel zur Zerstörung der Logistikinfrastruktur verschärft sich eine weitere Front: Ukrainische Angriffe auf Raffinerien haben in mindestens 30 russischen Regionen zu Benzinengpässen geführt. Besonders betroffen ist die Hauptstadt Moskau, wo die Tankstellenketten Gazprom Neft und Tatneft den Kraftstoffverkauf bereits eingeschränkt haben. „Man kann nicht sagen, dass es gar kein Benzin gibt. Aber die Krise ist spürbar. Sie ist nicht allein ein persönliches Problem – sie ist auch ein wirtschaftliches“, sagt Oleg Grigorenko vom russischen Internetportal 7x7.

Der Wirtschaftsexperte Wjatscheslaw Schirjajew sieht in den kombinierten Angriffen auf Logistik und Energieversorgung eine strategische Wirkung, die weit über einzelne Unternehmen hinausgeht: „Wenn es keinen Diesel gibt, stehen 6000 Kilometer Eisenbahnstrecke in Russland still. Zudem könnte dies Hunderte Betriebe lahmlegen. Ohne Diesel können Zehntausende Lkw nicht fahren, Lebensmittel nicht in die Geschäfte gelangen und Landwirte ihre Ernte nicht einbringen“, zitiert ihn die Deutsche Welle.

Putin spielt Krise herunter – Opposition wird mundtot gemacht

Wladimir Putin reagierte auf die Angriffe mit demonstrativer Gelassenheit. In Bemerkungen zu Infrastruktur- und Entwicklungsprojekten räumte er zwar Schäden ein, spielte deren Tragweite laut CNN jedoch herunter: „Es versteht sich von selbst, dass diese Angriffe keine kritischen Folgen haben und haben können.“ Gleichzeitig forderte er die Regierung auf, ein staatliches Programm zur Wiederherstellung der zerstörten Lager- und Logistikkapazitäten aufzulegen.

Ein russischer Ökonom, dessen Einschätzungen Warlamow in seinem Video zitierte, warnte unterdessen, Moskau stehe vor einer „sozialen Krise“. Man verliere sowohl den technologischen als auch den wirtschaftlichen Wettbewerb mit dem Westen – ein Krieg des langen Atems gegen eine von westlichen Partnern gestützte Ukraine sei nicht zu gewinnen.

Russlands Oberster Gerichtshof hat derweil der einzigen Anti-Kriegs-Partei des Landes die Teilnahme an den für September geplanten Parlamentswahlen untersagt. Einem entsprechenden Antrag zum Ausschluss der Jabloko-Partei werde stattgegeben, erklärte Richter Wjatscheslaw Kirillow am 10. August. Zur Urteilsverkündung versammelten sich rund einhundert Unterstützer, überwiegend junge Leute, vor dem Gerichtsgebäude und skandierten „Schande! Schande!“. (Quellen: YouTube, CNN, Deutsche Welle, Washington Post, 7x7, dpa, AFP) (nak)