Das Wort Urlaub zeigt, wie es um die Arbeitseinstellung der Deutschen steht
StartseiteDeutschlandStand: 26.07.2026, 06:35 UhrKommentareUns auf Google folgenAb in den Urlaub! Doch woher kommt das Wort eigentlich? Ein Sprachhistoriker erklärt, was „urloup“ ursprünglich bedeutet hat.Frank...
- 3 min read
Stand: 26.07.2026, 06:35 Uhr
Kommentare
Ab in den Urlaub! Doch woher kommt das Wort eigentlich? Ein Sprachhistoriker erklärt, was „urloup“ ursprünglich bedeutet hat.
Frankfurt – Wer „Urlaub“ hört, denkt vielleicht ans Wandern. Oder an Wellness. An Nichtstun, Mallorca-Strände und Sonnenbrand. Doch was wir heute mit dem Begriff verbinden, war nicht immer seine Bedeutung. Das Wort „Urlaub“ stammt vom mittelhochdeutschen „urloup“ ab, was ursprünglich „Erlaubnis“ bedeutete. Diese Wortherkunft sagt viel über die Einstellung der Deutschen. Wer tiefer blickt, erkennt den mittelalterlichen Kern von Urlaub auch heute noch in der deutschen Arbeitskultur.

Sprachhistoriker: „Alte Bedeutung von Urlaub hat nichts mit Freizeit zu tun“
Der Germanist und Sprachhistoriker Hans Ulrich Schmid erklärt, dass das Wort „Urlaub“ aus zwei Bestandteilen besteht: „Ur“ sei eine Vorsilbe mit der Bedeutung „aus oder heraus“. „Loup“ gehört etymologisch zu „erlauben“ und „glauben“. „Urlaub“ habe ursprünglich also bedeutet, etwas zu genehmigen, eine Ausnahme zu machen oder eine Lizenz zu erteilen. „Urlaub ist die Lizenz, etwas zu tun“, sagt Schmid der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Die alte Bedeutung von Urlaub hat nichts mit Freizeit zu tun.“
„In sehr alten Schriften kann man lesen, dass jemand den urloup hat, ein Schwert zu tragen“, sagt Schmid, der das Projekt althochdeutsches Wörterbuch an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig betreut. Erst im Mittelhochdeutschen des 12. und 13. Jahrhunderts habe das Wort allmählich die Bedeutung „eine Lizenz zum Weggehen“ bekommen. Er spricht von einer „Bedeutungsverengung“ auf die spezifische, vom Dienstherrn gewährte Befreiung von der Pflicht.
In der Neuzeit, etwa im 18. und 19. Jahrhundert, als sich ein Gefälle zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer entwickelte, verlagerte sich der Begriff in die Industrie. „Arbeiter mussten darum bitten, weggehen zu dürfen, und einen Antrag stellen. So verengte sich die allgemeine Bedeutung von Erlaubnis auf die ‚exklusive Lizenz‘, von der Arbeit wegzubleiben“, sagt Schmid, der kürzlich den historischen Roman „Die Legende vom Bastard“ veröffentlicht hat. Diese Bedeutung von Urlaub scheint bis heute tief verwurzelt, wie aktuelle politische Debatten zur Arbeitszeit zeigen.
Wortherkunft von Urlaub zeigt sich in der Politik von Friedrich Merz
Die schwarz-rote Regierung unter Friedrich Merz (CDU) führt die mittelalterliche Idee von „urloup“ konsequent fort: Freizeit wird zunehmend wieder als eine Art „Belohnung“ oder „ökonomische Ausnahme“ dargestellt. Wer aus Work-Life-Balance-Gründen weniger arbeitet, gerät unter Rechtfertigungsdruck. Gleichzeitig will Merz den Acht-Stunden-Tag am liebsten abschaffen und das Arbeitszeitgesetz aufweichen. Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft, ein ärztliches Attest ab dem ersten Krankheitstag wird Pflicht. DGB-Vorständin Anja Piel spricht von einer „Misstrauenserklärung an Millionen Beschäftigte“.
Eine repräsentative Umfrage von HolidayCheck unter 1.000 Berufstätigen zeigt, wie wichtig Erholung und Urlaubstage für die Deutschen sind. Obwohl 64 Prozent der Befragten über 26 bis 30 Urlaubstage pro Jahr verfügen, empfinden viele ihre Freizeit als zu begrenzt. Knapp 70 Prozent stufen ihre Urlaubstage als „sehr wichtig“ ein. Der Wunsch nach mehr freier Zeit ist so stark, dass ein Drittel der Befragten bereit wäre, für zusätzliche Urlaubstage auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten.
Doch während die Deutschen von mehr Urlaub träumen, geht die Politik in die entgegengesetzte Richtung. „Die Menschen müssten wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten“, sagte Merz. Es würde nicht verwundern, wenn bald auch die gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubstage auf dem Prüfstand stehen. Die „Lizenz zum Ausruhen“ ist nicht garantiert, sondern folgt den Bedürfnissen der Wirtschaft. Damit würde Urlaub wieder zu dem, was er früher war: einer befristeten, zweckgebundenen Genehmigung des Dienstherrn. (Quellen: HolidayCheck, eigene Recherche, dpa)