IT-Sicherheit: Viele kleinere NRW-Betriebe sind auf Cyberangriffe schlecht vorbereitet

NIS-2-Prozess aufwendig Philipp Nicolai vom Maschinenbauer MKW Digital Automation aus Wuppertal (80 Mitarbeitende, zehn Millionen Euro Umsatz) war schon vor NIS-2 gut aufgestellt: IT-Abteilung, Pflicht-Schulung...

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IT-Sicherheit: Viele kleinere NRW-Betriebe sind auf Cyberangriffe schlecht vorbereitet

NIS-2-Prozess aufwendig

Philipp Nicolai vom Maschinenbauer MKW Digital Automation aus Wuppertal (80 Mitarbeitende, zehn Millionen Euro Umsatz) war schon vor NIS-2 gut aufgestellt: IT-Abteilung, Pflicht-Schulungen mit Prüfung, Notstrom, dreifach redundante Internetanbindung.

Die Spezialmaschinen, die MKW für Fabriken baut, wartet die Firma aus der Ferne - ein mögliches Einfallstor. Deshalb läuft der Zugriff über ein abgeschottetes Netzwerk, jede Maschine ist vom Rest getrennt.

Investieren muss er trotzdem: ein neuer Penetrationstest für rund 10.000 Euro, Zertifizierungen sowie neue Melde- und Dokumentationspflichten. Unterm Strich: dauerhaft eine zusätzliche halbe bis dreiviertel IT-Stelle.

Aus der Branche kennt Nicolai die Klagen: Wer bei null anfange, empfinde den NIS-2-Prozess als "sehr schleppend und aufwendig". Nötig sei eine grundlegende Neuausrichtung der internen Abläufe, mit Investitionen teils in Millionenhöhe - ausgerechnet jetzt, wo die Industrie mit hohen Kosten und schlechter Konjunktur kämpft. IT-Kosten weitergeben könne MKW kaum: Seine Kunden stünden selbst im Preiskampf mit Herstellern aus Fernost, für die Cybersicherheit kaum eine Rolle spiele.

Bei Verstößen drohen hohe Geldbußen, durch NIS-2 können nun sogar "Geschäftsführer für mangelnde IT-Sicherheit haftbar gemacht werden", betont Kuhlenkamp. Kontrollieren kann das BSI die Vielzahl an Unternehmen kaum.

Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht

Doch Sicherheit liege ohnehin im Eigeninteresse jedes Betriebs, sagt Knuth. Es gehe darum, Angriffe zu erschweren und Schäden zu begrenzen. "Ein Angriff kostet immer viel, viel mehr als die Investitionen."

Bei der Wirtschaftsförderung haben sie daraus Konsequenzen gezogen und ihren Schutz systematisch ausgebaut: eine Cyberversicherung, regelmäßig geprobte Abläufe für den Ernstfall, zusätzliche Backups. Und den Notfallplan gibt es ausgedruckt im Schrank, samt aller wichtigen Nummern, falls wieder nichts mehr geht.

Und als NRW-Modellregion probt man mit den Betrieben im Bergischen Städtedreieck den Ernstfall - mit simulierten Angriffen auf die kritische Infrastruktur, gemeinsam mit estnischen NATO-Cyberexperten. Vogelskamp betont: "Die Frage ist: Wie werde ich resilient - was mache ich, wenn es passiert?"

Unsere Quellen:

  • Cybercrime-Lagebilder NRW 2021 bis 2024 des Landeskriminalamts NRW
  • Wirtschaftsschutz-Studie 2025 des Digitalverbands Bitkom (Befragung von rund 1.000 Unternehmen bundesweit)
  • Befragungen "Cybersicherheit in Zahlen" von G Data CyberDefense und Statista (2024 und 2025, jeweils über 1.100 Beschäftigte in NRW)
  • Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur NIS-2-Richtlinie
  • Gespräch mit dem Cybercrime-Kompetenzzentrum des LKA NRW
  • Gespräch mit der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft
  • Gespräch mit dem Maschinenbauer MKW Digital Automation
  • Gespräch mit der IT-Sicherheitsfirma Secunet
  • Gespräch mit dem Digitalverband Bitkom
  • Gespräch mit der NIS2-Anlaufstelle NRW
  • Hintergrundgespräche mit IT-Sicherheitsfirmen und -zusammenschlüssen
  • Berichterstattung von heise online zum ersten KI-basierten Ransomware-Angriff
  • Bericht der britischen National Crime Agency über die Gruppe Evil Corp und die Verbindung zum russischen Staat.

Sendung: WDR.de, Cyberangriffe: Viele Betriebe kaum geschützt, 24.07.2026, 16:49 Uhr.