Trumps AfD-Plan: Der Angriff auf Deutschlands Brandmauer
Donald Trump postet den AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt. Das hat System, denn zwischen der MAGA-Bewegung und Deutschlands Rechtsaußen-Partei ist ein Netzwerk entstanden, das die Brandmauer einreißen will.
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Trumps AfD-Plan
Der Angriff auf Deutschlands Brandmauer
Aktualisiert am 07.09.2026 - 22:32 UhrLesedauer: 8 Min.
Donald Trump postet den AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt. Das hat System, denn zwischen der MAGA-Bewegung und Deutschlands Rechtsaußen-Partei ist ein Netzwerk entstanden, das die Brandmauer einreißen will.
Bastian Brauns berichtet aus Washington
Der US-Präsident saß gerade zum Mittagessen in seinem Golfclub in Bedminster, als ihm die ersten Wahlergebnisse aus dem kleinen Bundesland Sachsen-Anhalt präsentiert wurden. Donald Trump verbringt die Wochenenden im Sommer für gewöhnlich nicht im heißen Mar-a-Lago in Florida, sondern im nördlicher gelegenen Bundesstaat New Jersey. Hier empfängt er auch Freunde aus Politik und Familie.
Und ausgerechnet ein Gast aus Deutschland soll den Präsidenten über den Wahlausgang zugunsten der AfD informiert haben. So legen es Screenshots des Instagram-Profils von Fabrice Amrosini nahe, die t-online vorliegen. Der 25 Jahre alte Deutsche stammt aus Bergisch-Gladbach, ist Mitglied der CDU und macht aus seinen Kontakten ins engere Trump-Umfeld kein Geheimnis. In seiner Partei gilt er als einer jener Vertreter, die die sogenannte Brandmauer der Union gegen die AfD einreißen wollen.
Ambrosini hält sich seit Längerem in den USA auf und trifft Donald Trump nach eigenen Aussagen regelmäßig. Auf Instagram kokettierte er am Sonntag mit den Worten: "Sogar US-Präsident @realdonaldtrump hat die deutschen Landtagswahlen im Blick ... Woher wusste er das nur?" Kurz zuvor hatte Donald Trump die Hochrechnung von 19.57 Uhr in deutscher Sprache mit den Siegeszahlen der AfD auf seiner Plattform "Truth Social" gepostet. Der US-Präsident verbreitete sie ohne weiteren Kommentar. Das ist auch nicht notwendig, denn der diplomatische Affront gegen die Partei des regierenden deutschen Bundeskanzlers war auch so schon offensichtlich.
Glückwünsche aus dem Trump-Universum
Nicht erst seit diesem Moment war klar, dass Donald Trump und die Vertreter seiner MAGA-Bewegung sich über diesen Wahlsieg der ideologisch verwandten AfD freuen. Es liegt im ausgesprochenen Interesse dieser US-Regierung, die Brandmauer gegen die in Teilen rechtsextreme Partei in Deutschland fallen zu sehen. Und diesem Ziel ist sie nach dem Erdrutsch-Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt und der Kritik um Bundeskanzler Friedrich Merz, der eine Zusammenarbeit kategorisch ablehnt, nähergekommen.
Die Freude über den AfD-Sieg zeigte sich schon in den ersten Stunden nach Bekanntwerden der Ergebnisse. Trumps früherer Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, heute Sondergesandter des Präsidenten, kommentierte einen Beitrag der AfD-Co-Vorsitzenden Alice Weidel mit den Worten: "Ein riesiger Sieg und ein neuer Tag in Deutschland. Während die von der Regierung gesponserten Medien in Deutschland (die meisten Fernsehsender) zusammenbrechen, sind die Menschen bereit für Veränderung, egal welche Namen ihr ihnen gebt."
In deutscher Sprache antwortete Elon Musk, der Trump nahestehende, einflussreiche Unternehmer und Besitzer der Nachrichtenplattform X, Alice Weidel: "Gut gemacht!". Woraufhin sich der Wahlsieger Ulrich Siegmund bei Musk auf Englisch für die "Unterstützung und für Ihre klare und äußerst wichtige Perspektive auf die politischen Entwicklungen unserer Zeit" bedankte. Er würde eine "Gelegenheit für eine starke und konstruktive Zusammenarbeit sehr begrüßen", so Siegmund und warb um Investitionen.
Musk hatte Ende 2024 in der Zeitung "Die Welt" einen Gastbeitrag veröffentlichen dürfen, der zur Wahl der AfD aufrief, indem er die Partei unter anderem als "den letzten Funken Hoffnung" für Deutschland beschrieb. Kurz nach Trumps Amtsantritt veranstaltete der Multimilliardär, der in der Regierung das neu geschaffene Kürzungs-Ministerium DOGE leitete, einen Online-Auftritt mit Alice Weidel. Auch bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung in Halle trat er per Videoschalte 2025 auf. Es ist nur eine von vielen Verbindungen, die Musk zu Deutschlands Rechten unterhält.
Doch die Unterstützung der AfD durch die Trump-Regierung geht schon lange deutlich über solche öffentlichen Stellungnahmen hinaus.
Die Vance-Rede von München
Man muss dafür zurück nach München blicken, im Februar 2025. Es war der Moment, in dem die neue amerikanische Haltung gegenüber Europa erstmals unmissverständlich ausgesprochen wurde. Der US-Vizepräsident JD Vance stand damals auf der Bühne der Münchner Sicherheitskonferenz und sprach nicht etwa über Russland, China oder die militärische Verteidigung Europas.
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Er thematisierte die Migration, den angeblichen Zustand der europäischen Demokratien und was aus seiner Sicht mit ihnen nicht stimmt. "Across Europe, free speech, I fear, is in retreat", sagte Vance. Die Meinungsfreiheit, so seine Botschaft, befinde sich in Europa auf dem Rückzug. Vance traf Alice Weidel in seinem Münchner Hotel – abseits der offiziellen Sicherheitskonferenz, zu der die AfD nicht eingeladen war. Vance habe Sympathien für die AfD erkennen lassen, so Weidel später über das rund halbstündige Gespräch.
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Zwar nannte Trumps Vize die AfD in seiner Münchner Rede nicht ausdrücklich beim Namen. Aber jeder wusste, wer mit seiner Aussage über die deutsche "Brandmauer" gemeint war. "Die Demokratie beruht auf dem heiligen Grundsatz, dass die Stimme des Volkes zählt. Für Brandmauern ist kein Platz. Entweder man hält sich an diesen Grundsatz – oder man tut es nicht", sagte Vance. Das Signal war eindeutig: Diese US-Regierung will nicht vornehmlich mit der deutschen Regierung sprechen, sondern jene politische Kraft aufwerten, die von dieser bewusst auf Abstand gehalten wird.
Die Dauerstrategie der US-Regierung
Auch ein Jahr später beim Auftritt von US-Außenminister Marco Rubio wurde das deutlich, wenngleich rhetorisch geschmeidiger vorgetragen. Er sprach von Nationen, von Völkern und von deren Souveränität. Während er die EU mit keinem Wort erwähnte, passten Rubios Äußerungen vielmehr zum Modell eines "Europas der Vaterländer", wie es die europäischen Rechtsaußenparteien und auch die AfD propagieren.
- Rubios Auftritt in München: Das war gefährlicher Beifall
Die Trump-Regierung macht mit ihnen gemeinsame Sache. Der Plan für Europa ist überdeutlich: Weg von geteilter Souveränität, hin zu renationalisierter Macht. Es ist kein Zufall, dass Rubio damals von München direkt weiter in die Slowakei und nach Ungarn reiste. Dort unterstützte er in Trumps Auftrag mit Robert Fico und Viktor Orbán Nutznießer der EU, die zugleich ihre stärksten Feinde sind. Zumindest Orbán half das bei den Parlamentswahlen in diesem Frühjahr nicht, obwohl auch JD Vance noch kurz vor dem Wahltag eine Rede in Budapest hielt.
US-Kontakte für die AfD aus Sachsen-Anhalt
Nicht erst seit Trumps Amtsantritt baut die AfD derweil ihre eigenen Kontakte zur neuen amerikanischen Rechten aus, aber seitdem immer stärker. Besonders sichtbar wurde das auch im Dezember 2025 in New York. Rund 20 AfD-Abgeordnete aus Bundestag, Europaparlament und Sachsen-Anhalt reisten damals in die USA, um an einer Gala und anderen Veranstaltungen der New York Young Republicans teilzunehmen. t-online berichtete damals.
Zu den Gästen gehörten der AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier und der Europaabgeordnete René Aust. Aber auch sieben AfD-Abgeordneten aus Sachsen-Anhalt. Darunter waren Hans-Thomas Tillschneider, Gordon Köhler, Tobias Rausch, Christian Hecht, Jan Scharfenort, Matthias Büttner und Florian Schröder. Schon damals war das mehr als ein netter Besuch bei politischen Freunden.
Die Reise führte in das Zentrum einer jungen amerikanischen Rechten, die sich in den vergangenen Jahren besonders stark an Donald Trump und der MAGA-Bewegung orientierte und diese mit radikalisierte. Gerade die "New York Young Republicans" sind zu einem wichtigen Netzwerk für diese Bewegung geworden. 2023 hatte Trump auch selbst bei der Gala des Clubs gesprochen.
Für die AfD-Politiker war die Reise eine Gelegenheit, sich anzuschauen, wie die neue amerikanische Rechte Politik macht: wie sie soziale Medien nutzt, wie sie politische Gegner angreift, wie sie mit Begriffen wie Zensur, Meinungsfreiheit, Patriotismus und Elite arbeitet – und auch wie jegliche rhetorische Hemmungen fallen können. Ulrich Siegmund, schon damals Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, hatte die Reise gegenüber dem AfD-Bundesvorstand zur "möglichen Vorbereitung auf Regierungsgeschäfte in Sachsen-Anhalt" begründet.
Wichtige Treffen werten die AfD auf
Der neue Draht in die USA und auch in die Hauptstadt Washington funktioniert: AfD-Politiker werden längst regelmäßig in den Institutionen der US-Regierung empfangen. Vertreter der Oppositions-Partei trafen sich etwa mit hochrangigen Mitarbeitern des Außenministeriums, des Nationalen Sicherheitsrats und mit republikanischen Abgeordneten im Kongress. Auch mit solchen Möglichkeiten wertet die Trump-Regierung die Partei auf. Für Vertreter des grünen und liberalen Spektrums hingegen ist es nach t-online-Informationen deutlich schwieriger, einen direkten Zugang zu hochrangigen Regierungsvertretern in Washington zu bekommen.
Parallel dazu existiert im amerikanischen Außenministerium inzwischen ein Fördertopf, der auf den ersten Blick für klassische amerikanische Demokratieförderung gedacht zu sein scheint. Es ist der sogenannte "Democracy Fund" des State Department. Doch die Trump-Regierung hat die Prioritäten ihrer Außenpolitik und der Projekte, die sie im Ausland fördert, erheblich verschoben.
Unter anderem laut einem Bericht des Magazins "Foreign Policy" sollen die vorhandenen Mittel unter anderem für Projekte in Europa eingesetzt werden, die den politischen Kurs des Kontinents beeinflussen können. Es geht dabei ausdrücklich um Themen, die zum Kern von Trumps Europapolitik gehören: politische Freiheit, Meinungsfreiheit, Migration, der Umgang mit politischen Parteien und ein sogenanntes "zivilisatorisches Selbstvertrauen" Europas.
Die Größenordnung und die konkreten Empfänger der Gelder dieses Fonds sind nicht vollständig öffentlich. Das US-Außenministerium betont, dass keine politischen Parteien direkt finanziert werden sollen und dass US-Gelder auch gar nicht dazu verwendet werden dürften, Wahlen zu beeinflussen. Dabei ist klar: Unterstützt werden sollen Organisationen, Thinktanks, Forschungsprojekte oder zivilgesellschaftliche Akteure, die Themen voranbringen, die mit der politischen Agenda der Trump-Regierung übereinstimmen.
Europas Politik als Frage der nationalen Sicherheit für die USA
Diese Agenda ist schriftlich längst in der "Nationalen Sicherheitsstrategie" der Trump-Regierung vom November 2025 festgehalten. Sie lässt wenig Interpretationsspielraum. Darin werden Europas Probleme mit einem angeblichen Verlust politischer Freiheit und Souveränität beschrieben, mit Migration, der Unterdrückung politischer Opposition und mit einem Verlust nationaler Identität und Selbstvertrauen.
- Nationale Sicherheitsstrategie der USA: Warum Trump Europa zum Risiko erklärt
In einer Formulierung der Strategie heißt es sogar, die USA müssten in Europa Widerstand gegen den bisherigen politischen Kurs Europas fördern. Das klingt nicht mehr nach klassischer amerikanischen Demokratieförderung, wie sie Europa aus früheren Jahrzehnten kennt. Die Trump-Regierung sagt heute: Wir wollen, dass Europa politisch einen anderen Kurs einschlägt. Und sie benennt ziemlich genau, welchen.
Unter Druck aus Russland und den USA
Dem deutschen Bundeskanzler bereitet das nicht erst seit dem Wahlabend von Sachsen-Anhalt Sorgen. Schon in der sogenannten Elefantenrunde im Fernsehen nach der gewonnenen Bundestagswahl sagte Merz: "Für mich wird die absolute Priorität sein, Europa so schnell wie möglich zu stärken, um Schritt für Schritt eine echte Unabhängigkeit von den USA zu erreichen." Er hätte nie gedacht, so etwas mal in einer Fernsehsendung sagen zu müssen. "Aber aus den Äußerungen Donald Trumps in der vergangenen Woche geht klar hervor, dass der amerikanischen Regierung das Schicksal Europas weitgehend gleichgültig ist", so Merz.
"Ich mache mir keinerlei Illusionen darüber, was in Amerika passiert", sagte Merz schon damals und hob ab auf die Einflussnahme von Elon Musk in den deutschen Wahlkampf ab: "Das ist ein einmaliges Ereignis. Die Interventionen aus Washington waren nicht weniger dramatisch und drastisch und letztlich empörend als die Interventionen, die wir aus Moskau erlebt haben." Deutschland und Europa stünden darum von "zwei Seiten so massiv unter Druck", dass seine absolute Priorität jetzt darin bestehe, die Einheit Europas zu erreichen, sagte Merz.
Als der Bundeskanzler an diesem Montag zur Niederlage von Sachsen-Anhalt in Berlin Stellung bezog, drückte er sich zwar weniger direkt aus. Aber es war klar, wen er meinte: "Wenn man allein sieht, wer gestern gratuliert hat, dann zeigt das, welche Beachtung dieses Wahlergebnis auch international findet." Die Glückwünsche an die AfD kamen nicht nur aus den USA, sondern auch aus Russland.