Eintracht Frankfurt und Markus Krösche: Fassade in Chef-Etage bröckelt
Öffentlich versucht der Frankfurter Fußballklub, eine Einheit zu bilden. Das Verhältnis zwischen Manager Markus Krösche und dem Aufsichtsrat aber ist belastet. Wie lange geht das noch gut?
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Der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht heißt auch nach der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch Markus Krösche. Das ist insofern bemerkenswert, als sowohl der 45 Jahre alte Fußball-Manager gute Gründe hat, die Zusammenarbeit zu beenden, als auch der hessische Traditionsverein. Die Eintracht, weil sie nicht mehr von ihrem Sportvorstand überzeugt ist, der in den vergangenen Monaten eine Reihe eklatanter Fehlentscheidungen getroffen hat, die dem Klub schadeten.
Krösche, weil er spüren muss, dass er die Vertrauensbasis weitgehend verspielt hat. Nach außen hin erweckten und erwecken Aktiengesellschaft und Vorstand den Eindruck, eine Einheit zu bilden. Aber das ist schon seit Monaten nicht mehr der Fall, und es gab Wochen, in denen es anstrengend war, die Fassade aufrechtzuerhalten.
Sitzung verläuft ohne Schärfe
Der Anstrich war so weit abgeblättert, dass manche Medien vermuteten, der Aufsichtsrat könnte den Sportvorstand auf der turnusmäßigen Sitzung an diesem Mittwoch zum Rücktritt auffordern oder zumindest so weit unter Druck setzen, dass Krösche seinen Rücktritt anbietet. Doch die Sitzung verlief ohne Schärfe; ihren Schwerpunkt bildete „die Analyse der Aktivitäten in der zurückliegenden Transferperiode“.
Der Hauptausschuss und die sechs weiteren Mitglieder des Rates akzeptierten die Ausführungen von Krösche, dessen Bilanz am letzten Tag der Transferperiode durch die Wechsel von Hugo Larsson und Jean-Mattéo Bahoya aufgehübscht wurde. Der Transferüberschuss wurde in der angestrebten Höhe zwar nicht erreicht, aber auch nicht dramatisch verfehlt, wie es sich zwischenzeitlich abgezeichnet hatte.

Die offizielle Verlautbarung des Aufsichtsratsvorsitzenden und Eintracht-Präsidenten Mathias Beck nach der Sitzung lässt in keiner Weise auf die angespannte Ausgangslage schließen: „Wir haben die sportliche und wirtschaftliche Situation sowie die Entscheidungen der zurückliegenden Transferperiode im Aufsichtsrat sehr ausführlich und konstruktiv erörtert.
Dabei bestand Einigkeit darüber, dass wir die vor uns liegenden Aufgaben weiter mit großer Geschlossenheit angehen wollen. Unser Fokus richtete sich in den letzten Wochen darauf, die bestmöglichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison zu schaffen. Das ist der sportlichen Führung gelungen.“
Die Einschätzungen, was der sportlichen Führung in der Transferperiode gelungen ist, gehen weit auseinander. Der „Kicker“ schrieb von „einem großen Erfolg für Krösche“, hessenschau.de titelte: „Eintracht setzt Transferphase in den Sand“. Das Onlineportal des Hessischen Rundfunks hatte zudem seine Leser aufgefordert, Krösches Arbeit nach Schulnoten zu bewerten. Über 55 Prozent gaben ihm eine Fünf oder Sechs, 8,5 Prozent eine Eins oder Zwei.
Ein fundiertes Urteil wird jedoch erst in einigen Wochen oder Monaten zu fällen sein, je nachdem wie sich der neu zusammengestellte Kader in der Bundesliga schlagen wird. Wie der Transfersommer verlaufen ist, gibt jedoch Anlass zur Kritik gegenüber Krösche.
Nachdem für Nathaniel Brown, Aurèle Amenda und Rasmus Kristensen rasch Ablösesummen in Gesamthöhe von über 70 Millionen Euro erzielt worden waren, investierte der Sportvorstand zunächst ausschließlich in Perspektivspieler: in den 18 Jahre alten A-Junioren-Stürmer Malik Pimpong, in den 20 Jahre alten defensiven Mittelfeldspieler Noël Aséko (Bayern München) und den 20 Jahre alten brasilianischen Innenverteidiger Otávio.
Bis auf den defensiven Mittelfeldspieler Raphael Onyedika von Club Brügge (25) wurde jedoch zunächst keine der wesentlichen Qualitätslücken im Kader (Abwehrzentrum, Sturm und Außenpositionen) durch gestandene Profis oder Talente von internationalem Rang geschlossen.
Lilian Brassier kommt für Verteidigung
Besonders als Erstes einen extrem jungen Südamerikaner mit wenig Erfahrung aus der ersten portugiesischen Liga als dringend benötigte Verstärkung für die Innenverteidigung zu verpflichten, barg ein unnötiges Risiko. Tatsächlich stand zum Saisonstart bei Union Berlin Jeremiaha Maluze aus dem Regionalliga-Kader als Innenverteidiger in der Startelf und nicht Otávio, weil ihm Hütter mehr zutraute als dem Neuzugang.
Mit dem 26 Jahre alten Franzosen Lilian Brassier von Stade Rennes wurde zwar nach dem ersten Bundesliga-Spieltag noch ein Innenverteidiger mit Berufserfahrung gefunden, aber der erhöhte Verhandlungs- und Handlungsdruck wirkte sich negativ auf die Stimmung und wahrscheinlich auch auf den Preis aus.
Für den Sturm ließ sich keine Verstärkung mehr finden, nachdem das Investitionskapital durch die Verpflichtung von Torwart Noah Atubolu auf ein geringes Maß geschrumpft war. Arnaud Kalimuendo wäre gerne ein zweites Mal an die Eintracht ausgeliehen worden, aber der Besitzer seines Klubs Nottingham Forest war nicht mehr daran interessiert.
Ohne Kalimuendo im Sturm die Vorrunde zu bestreiten, wird in Frankfurt jedoch als zu vernachlässigendes Übel angesehen gegenüber dem Vorteil, mit Atubolu eine zuverlässige Nummer eins im Tor zu wissen. Krösche gab zu, die Problematik zwischen den Pfosten zu spät erkannt zu haben. Erst Trainer Adi Hütter machte ihn unmissverständlich darauf aufmerksam, dass Kauã Santos kein Rückhalt für die Mannschaft sei. Dass mit dem Freiburger Atubolu spät ein Wunschkandidat gefunden wurde, war Eintracht-Glück.
Das Ansehen Krösches im Verein hat Dellen erhalten
Auch die angestrebte Verkleinerung des Kaders auf 21 Feldspieler erfolgte erst sehr spät. Bis Krösche für Arthur Theate Larsson, Jean-Mattéo Bahoya, Michael Zetterer und Niels Nkounkou neue Klubs gefunden hatte, war die Geduld des Aufsichtsrates strapaziert.
Das hohe Ansehen Krösches im Verein hatte schon zuvor Dellen erhalten. Die missratene Saison mit zwei unglücklichen Trainerwechseln war ihm verziehen worden, nachdem der Sportvorstand mit entwaffnender Ehrlichkeit und einem in der Branche unüblichen Ausmaß an Selbstkritik Abbitte geleistet hatte. Er sei von seinem eigenen Weg abgekommen und gelobte Besserung. Sein Umgang mit dem angeblichen Interesse des AC Mailand an ihm und die Nachricht, dass er mithilfe der Frau eines kroatischen Spielerberaters in Kroatien ein Grundstück erwarb, sorgten jedoch für neue Irritationen.
Wieder drang kein kritisches Wort aus der Führungsetage an die Öffentlichkeit; die Nachforschungen hätten ergeben, dass bei dem Immobilienkauf alles korrekt abgelaufen sei. Aber dass Krösche das Geschäft gegenüber der Eintracht verschwieg, das er dank der Kontakte zu einem in der Branche höchst umstrittenen Spielerberater abschloss, wurde im Aufsichtsrat schon argwöhnisch registriert.
Das Verhältnis zwischen Sportvorstand und Aufsichtsrat war also in diesem Jahr schon einigen Belastungen ausgesetzt. Wie vielen Erschütterungen es noch standhält, nachdem die Mitgliederversammlung am 19. Oktober stattgefunden hat, bei der der Aufsichtsratsvorsitzende Beck als Eintracht-Präsident wiedergewählt werden möchte, ist fraglich. Bis dahin ist mit einer Entscheidung, die polarisieren würde, nicht zu rechnen.
Was danach kommt, hängt davon ab, wie der von vielen Experten als „unrund“ bezeichnete Kader in der Bundesliga abschneiden wird. Dass sich die Zusammenarbeit der Eintracht mit Markus Krösche 2028 durch einen neuen Kontrakt noch einmal verlängern wird, erscheint im Moment so wahrscheinlich wie ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz zu diesem Zeitpunkt.