Schwanzwedeln beim Hund: Was die Rute über die Stimmung verrät
Die Rute ist oben und schwingt hin und her – «alles gut, der freut sich», denkst du. Das stimmt aber nicht ganz. Hundetrainer Cyrill Matter erklärt in seiner Kolumne, warum Wedeln noch lange keine Freude bedeutet.
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Publiziert29. August 2026, 08:04
Verhalten bei Hunden«Aw, der freut sich» – Schwanzwedeln bedeutet nicht immer Gutes
Die Rute ist oben und schwingt hin und her – «alles gut, der freut sich», denkst du. Das stimmt aber nicht ganz. Hundetrainer Cyrill Matter erklärt in seiner Kolumne, warum Wedeln noch lange keine Freude bedeutet.


Klassiker: Ein Hund wedelt mit dem Schwanz, jemand streckt die Hand aus und denkt: «Dieser Hund ist mir wohlgesinnt.» Nur: Schwanzwedeln heisst nicht automatisch «Ich freue mich». Grundsätzlich kann man sagen, dass die Bewegung in erster Linie einen hohen Erregungszustand wiedergibt.
Was die Rute wirklich sagt
Die moderne Verhaltensbiologie liest Wedeln als Aktivierungssignal. Ob diese Aktivierung positiv oder negativ ist, verrät die Form:
- Hohe Rute, steif, kleine schnelle Bewegungen – Anspannung, oft Drohung, geht meist Hand in Hand mit aufgestellten Nackenhaaren und manchmal mit Knurren.
- Tief angelegte Rute fast zwischen den Beinen, zögerliches Wedeln – Unsicherheit.
- Mittelhoch und locker, ganzes Hinterteil schwingt mit? Das ist Freude.
Über Hundetrainer Cyrill Matter

Cyrill Matter (36) ist Hundetrainer und Gründer von Charly’s Dog Training. Gemeinsam mit seinen Hunden Charly und Nietzsche arbeitet er mit Menschen, die im Alltag an ihre Grenzen kommen, insbesondere mit reaktiven und herausfordernden Hunden. Sein Schwerpunkt liegt auf alltagstauglichem Training, instinktivem Lernen und nachhaltiger Verhaltensveränderung. Wichtig ist ihm dabei, nicht gegen den Hund zu arbeiten, sondern mit ihm und seiner Genetik. Sein Leitsatz: «Lernen nach Instinkt.»
Im Format «Hoi ihr Hünd» erklärt Matter auf 20 Minuten regelmässig Themen, die Hundehalterinnen und Hundehalter beschäftigen – und die auch für Menschen ohne Hund spannend sind.
Links und rechts wedeln
Es gibt eine These aus einer Studie, die besagt: Hunde wedeln bei positiven Reizen rechts betont, bei negativen links betont. Eine Folgestudie sechs Jahre später ergab, dass andere Hunde diesen Unterschied tatsächlich lesen können. Wedeln ist also ein weiterer Teil der Hundesprache, die wir Menschen lernen müssen.

Warum ist das wichtig?
Leider gibt es häufig Bissvorfälle, die darauf gründen, dass Menschen Stresssignale von Hunden missinterpretiert haben. Es ist deshalb ratsam, Kindern, aber auch dem Umfeld, zu erklären, dass Schwanzwedeln nicht automatisch Freude bedeutet.
Wie vorsichtig bist du beim Streicheln fremder Hunde?
Sehr vorsichtig. Ich frage immer erst und beobachte den Hund.
Eher vorsichtig. Ich nähere mich langsam und lasse dem Hund die Wahl.
Kommt auf den Hund an, manchmal unterschätze ich die Signale auch.
Eher nicht vorsichtig. Ich gehe meist davon aus, dass es passt.
Ich streichle fremde Hunde grundsätzlich nicht.
Die 3-Sekunden-Regel
Der Drei-Sekunden-Test zeigt, ob ein Hund überhaupt gestreichelt werden will. Man nähert sich seitlich statt frontal, geht in die Hocke und hält die Hand locker und offen hin, statt sie dem Hund entgegenzustrecken. Kommt er von sich aus näher und schnuppert, streichelt man ihn kurz an Brust oder Flanke – nie über den Kopf. Nach rund drei Sekunden nimmt man die Hand komplett weg und wartet ab: Zieht sich der Hund zurück oder erstarrt er, heisst das «Nein», und es folgt eine Pause. Sucht er stattdessen selbst den Kontakt, etwa indem er mit der Nase nachstupst, darf man weiterstreicheln – wieder nur kurz, bevor erneut pausiert wird. So bleibt die Entscheidung über die Berührung immer beim Hund, nicht beim Menschen.
Sind lieb. Ihr Hünd.
Cyrill
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Egal ob Hündeler oder nicht: Hast du eine Frage rund um Hunde, die dich schon lange beschäftigt? Schreibe sie in die Kommentare. Vielleicht widmet sich Hundecoach Cyrill Matter in der nächsten Story deinem Thema.

Cyrill Matter (cym) ist Hundetrainer und Inhaber von Charly's Dog Training. Seit 2026 schreibt er für 20 Minuten die Kolumne «Hoi ihr Hünd» und hilft Leserinnen und Lesern, die Vierbeiner besser zu verstehen.

Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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