Ausverkauf bei Anleihen setzt Börsen in Europa zu | cash

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Ausverkauf bei Anleihen setzt Börsen in Europa zu | cash

Märkte

Anziehende Energiepreise und der unter Druck stehende Anleihenmarkt haben zu Gewinnmitnahmen an den europäischen Aktienmärkten geführt.

01.09.2026   13:58

Der Handelsraum der Börse in Amsterdam (2025).

Der Handelsraum der Börse in Amsterdam (2025).

Quelle: imago/ANP

Der Swiss Market Index (SMI) ist am Mittwoch ebenso in die Verlustzone gefallen wie andere Aktienindizes: Der Dax rutschte am Dienstag in der Spitze um 1,3 Prozent auf 25.925 Punkte und damit ‌wieder unter die ⁠Marke von 26.000. Der EuroStoxx50 gab knapp ein Prozent auf bis zu 6360 Zähler nach. «Die Rekord-Rally im Dax wurde von einer weltweiten Verkaufswelle bei Staatsanleihen abrupt gestoppt», kommentierte Jochen Stanzl, Analyst der Consorsbank. ⁠Am Freitag war der Dax noch auf ein Rekordhoch von 26.618 Zählern geklettert.

«Steigen die Renditen ruckartig weiter, kann sich daraus schnell eine Situation entwickeln, in der sich die schlechte Stimmung vom Anleihemarkt auf Aktien überträgt», erläuterte Stanzl. In Deutschland ‌werde die Situation dadurch erschwert, dass der Anstieg der europäischen Gaspreise mit unterdurchschnittlich gefüllten Gasspeicher zusammentreffe. «Das Wiederauffüllen der Gasspeicher wird also teuer – die ‌Angst vor der nächsten Heizkostenabrechnung wächst.»

Öl- und Gaspreise steigen weiter

Die Wiederaufnahme der Kämpfe zwischen den USA ​und dem Iran schürte Sorgen vor Lieferunterbrechungen und trieb die Energiepreise. Der europäische Gas-Future zog gut zwei Prozent auf bis zu 71,50 Euro je Megawattstunde an und kletterte damit auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Für Nervosität am Markt sorgten auch die niedrigeren Füllstände der europäischen Gasspeicher. Diese sind nach Daten von Gas Infrastructure Europe derzeit zu rund 65 Prozent gefüllt. Das sei der niedrigste Stand für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011. Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich ebenfalls um gut zwei Prozent auf bis zu 92,55 Dollar je ‌Barrel.

«Mit dem Ölpreis steigen Inflationssorgen und Zinsen», konstatierte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. Für Staaten werde der Ausverkauf am Anleihenmarkt und die im Gegenzug steigenden Renditen zu einer immer grösseren Belastung. «Wir sehen jetzt Renditen, die teilweise über denen aus der Zeit der Euro-Krise liegen.» Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte auf 3,36 Prozent und damit ein 15-Jahres-Hoch. In Grossbritannien rentierten zehnjährige Anleihen mit über 5,24 Prozent und damit ​so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Die Rendite der japanischen Benchmark-Anleihe zog erstmals seit 30 Jahren auf die Drei-Prozent-Marke und trieb damit die Kreditkosten ​des hoch verschuldeten Staates in die Höhe.

Die höheren Energiekosten liessen die Inflation im Euro-Raum im August wie erwartet ​auf 3,3 Prozent steigen, nach 2,9 Prozent im Juli. Investoren rechneten damit, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) im September mit einer Zinserhöhung gegen den Preisauftrieb stemmen wird. «Eine Inflationsrate von über drei Prozent dürften die Währungshüter als Auftrag verstehen», sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt ‌der VP Bank. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent preisen Investoren auch eine anstehende Zinserhöhung der US-Notenbank Fed ein. «Ich gehe davon aus, dass die Fed im September die Zinsen anheben wird, und ich glaube, dass dies zumindest der Beginn eines Zyklus mit drei Zinserhöhungen ist», sagte Andrew Lilley, Zinsstratege bei Barrenjoey, einer Investmentbank in Sydney.

Merck und Symrise im Aufwind

Bei den Einzelwerten profitierten Merck-Aktien von einer Hochstufung. Die ​Titel des Pharma- ​und Technologiekonzerns zogen zeitweise gut drei Prozent an und waren damit stärkster Dax-Wert, nachdem Analysten von HSBC ⁠die Aktie auf «Buy» von zuvor «Hold» hochgestuft haben. Auch die Titel von Symrise profitierten von einer Hochstufung und verteurten sich in ​der Spitze gut zwei Prozent. Der Duftstoff- und ⁠Aromenhersteller verkauft zudem sein US-Geschäft mit Terpen-Inhaltsstoffen an den Münchener Finanzinvestor Mutares.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis verteuerte sich nach positiven Ergebnissen in entscheidenden Studien mit seinem Medikament Remibrutinib zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) um ‌rund fünf Prozent. Das Unternehmen plane nun, weltweit die Zulassung für das Mittel bei schubförmiger MS zu beantragen, teilte Novartis am Dienstag mit.

(Reuters)