Apple verklagt OpenAI: Es geht um das Wettrennen zweier Giganten
Apple verklagt OpenAI. Der Vorwurf: die ChatGPT-Firma klaue Geheimisse. Die Klage könnte weitreichende Folgen haben. Auch für den geplanten Börsengang. 11. Juli 2026, 18:56 ...
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Apple verklagt OpenAI. Der Vorwurf: die ChatGPT-Firma klaue Geheimisse. Die Klage könnte weitreichende Folgen haben. Auch für den geplanten Börsengang.
11. Juli 2026, 18:56 Uhr
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29 KommentareBeinahe berauscht von der eigenen Fantasie saßen Sam Altman und Jony Ive im Oktober vor Tausenden Zuschauern auf einer Bühne in San Francisco. »Wir haben ein unbehagliches Verhältnis zu unserer Technologie«, sagte Ive, der fast schon legendäre ehemalige Apple-Chefdesigner und einer der Köpfe hinter dem iPhone, zu Altman, dem Chef von OpenAI. Doch das sei die Vergangenheit. Die Geräte der Zukunft – angetrieben von der künstlichen Intelligenz (KI) des ChatGPT-Herstellers – sollen hingegen eine Art heilende Wirkung haben. Das Ziel, sagt Ive mit ruhiger Stimme und britischem Akzent: Geräte, die Menschen »glücklich, erfüllt, friedlicher, weniger ängstlich und weniger isoliert machen«.
Das Vorhaben der beiden neuen Freunde und Geschäftspartner dürfte nun massiv gestört sein – und das ausgerechnet durch Jony Ives ehemaligen Arbeitgeber Apple.
Am Freitag reichte der iPhone-Hersteller Klage gegen OpenAI ein. Das KI-Unternehmen, so der Vorwurf, soll »systematisch« versucht haben, Geschäftsgeheimnisse von Apple zu stehlen, um eigene Konkurrenzprodukte zu entwickeln. In der Klageschrift heißt es, dass OpenAI inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter angeworben habe. Und niemand Geringeres als Tang Tan, der heutige Hardwarechef von OpenAI, der zuvor 24 Jahre für Apple gearbeitet und unter anderem das Design des iPhones und der Apple Watch verantwortet hat, soll dabei im Zentrum stehen.
Die Klage könnte für OpenAI weitreichende Folgen haben. Was die Entwicklung seiner Hardwaregeräte angeht, aber auch in Bezug auf den geplanten Börsengang. Das Unternehmen liefert sich mit Konzernen wie Apple und Meta ein Wettrennen darum, wer als Erstes die Geräte erfindet und auf den Markt bringt, von denen das Silicon Valley erwartet, sie könnten das Smartphone ablösen – und mit denen man dementsprechend Milliarden Dollar verdienen könnte.
Milliarden für die Arbeit mit den ehemaligen Apple-Designern
OpenAI-Chef Altman plant schon lange, Geräte zu entwickeln, die die künstliche Intelligenz seines Unternehmens beheimaten. Sein Vorbild: der Hollywoodfilm Her, in dem eine hoch entwickelte und immer anwesende KI alle Vorlieben und Wünsche ihrer Nutzer kennt. Lange konzentrierte sich OpenAI mit ChatGPT auf Konsumenten. Heute erreicht das KI-Unternehmen fast eine Milliarde wöchentliche Nutzer mit seinem Chatbot. Für Altman schien es dabei naheliegend, nicht nur die KI-Technologie zu entwickeln, sondern auch Hardwaregeräte, um nicht Anbietern wie Apple oder Samsung den direkten Zugang zu den Konsumenten zu überlassen.
Vergangenes Jahr zahlte OpenAI 6,5 Milliarden Dollar für die Übernahme von IO, einem Designstudio, das von Jony Ive, dem nun angeklagten Tang Tan und anderen Apple-Veteranen nur ein Jahr zuvor gegründet worden war.
Gemeinsam arbeitet man nun an einer ganzen Familie von Geräten. Darunter soll eine Art KI-gestützter Puck sein, den man auf einen Tisch legen oder mitnehmen kann. Das Gerät soll seine Umgebung erfassen und von seinen Nutzern per Sprache gesteuert werden können.
Eigentlich waren auch Apple und OpenAI kurz davor, enge Partner zu werden. Vor zwei Jahren integrierte der iPhone-Hersteller die KI von OpenAI in sein Betriebssystem und den Sprachassistenten Siri. Doch nachdem bekannt wurde, dass OpenAI an eigenen Hardwaregeräten arbeitet, begann die viel beachtete Partnerschaft zu bröckeln. Im Januar kündigte Apple an, die KI-Modelle von Google in seinen Geräten einzusetzen.
»Dutzende vertrauliche, hardwarebezogene Dateien«
Apple wirft seinem ehemaligen Manager Tang Tan in der Klage nun vor, in seiner neuen Rolle bei OpenAI potenzielle Mitarbeiter dazu ermutigt zu haben, geheime Daten von Apple zu neuen Technologien und geplanten Produkten sowie Prototypen und Bauteile mitzubringen. Zudem soll Tan laut Klageschrift kommende Mitarbeiter geschult haben, wie sie Apples Sicherheitsmaßnahmen umgehen können.
Die Klage wirft außerdem einem weiteren ehemaligen iPhone-Ingenieur vor, sensible Daten gestohlen zu haben. Die Vorwürfe stützen sich auf Daten und Nachrichten, die Apple von Mitarbeitergeräten gesammelt haben soll. So stieß Apple nach eigenen Angaben auf den mutmaßlichen Datendiebstahl des Ingenieurs, der erst im Januar von Apple zu OpenAI wechselte und offenbar seinen Firmenlaptop nie zurückgegeben hatte. Der Ingenieur soll einem ehemaligen Kollegen geschrieben haben, er habe weiterhin Zugriff auf Apples interne Systeme. Laut Klage soll der Ingenieur über Wochen und während er schon bei OpenAI arbeitete »Dutzende vertrauliche, hardwarebezogene Dateien« von Apple heruntergeladen haben, darunter Informationen über noch unveröffentlichte Produkte und Technologien.
»Wir haben kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen«, teilte OpenAI in einem Statement an verschiedene Medien mit. Man konzentriere sich weiterhin darauf, innovative Technologie zu entwickeln, die Menschen befähigt.
Mögliche Folgen: Millionenstrafen, Entwicklungsstopp und Gefängnis
Die Klage erinnert an einen aufsehenerregenden Fall aus dem Jahr 2017. Damals hatte Google den Fahrdienstvermittler Uber mit dem Vorwurf verklagt, der ehemalige leitende Angestellte Anthony Levandowski habe vor seinem Abgang Tausende vertrauliche Dateien über Googles selbstfahrende Autos heruntergeladen. Bei Uber sollte er einen konkurrierenden fahrerlosen Dienst aufbauen. Uber erklärte sich bereit, 245 Millionen Dollar zu zahlen und die gestohlene Technologie nicht einzusetzen. Levandowski selbst wurde vom Justizministerium verklagt und zu anderthalb Jahren Gefängnis sowie zu einer Geldstrafe verurteilt.
Auch Apple verlangt mit seiner Klage Schadensersatz von OpenAI sowie eine einstweilige Verfügung, die dem KI-Unternehmen verbieten würde, die mutmaßlich gestohlenen Geschäftsgeheimnisse zu nutzen. Sollte ein Richter dem stattgeben, müsste OpenAI möglicherweise detailliert nachweisen, dass seine Hardwaregeräte ohne die Geschäftsgeheimnisse von Apple entwickelt wurden, bevor sie auf den Markt kommen können. Bisher heißt es, OpenAI plane, erste Geräte schon Anfang 2027 zu veröffentlichen. Die neuartigen Gadgets mit fast schon heilender Wirkung, die Jony Ive und Sam Altman bewerben, könnten im für OpenAI schlechtesten Fall erst Jahre später die Menschen erreichen.