Jubel bei der AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - Was das Wahlergebnis für NRW bedeutet
NRW als letzte CDU-Bastion? In Nordrhein-Westfalen steht die CDU in Umfragen bei 32 Prozent. Das ist mit Abstand der beste Wert, den die Partei irgendwo in Deutschland hat. Doch auch hier ist die Lage nicht so ...
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NRW als letzte CDU-Bastion?
In Nordrhein-Westfalen steht die CDU in Umfragen bei 32 Prozent. Das ist mit Abstand der beste Wert, den die Partei irgendwo in Deutschland hat.
Doch auch hier ist die Lage nicht so ruhig, wie es die Zahl aussehen lässt. Bei der Kommunalwahl 2025 holte die CDU in NRW 33 Prozent. Sie blieb stärkste Kraft und fuhr trotzdem ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt ein. 2022 waren es bei der Landtagswahl noch 35,7 Prozent.
Die NRW-AfD schaut Richtung Osten
Bei der NRW-AfD dürfte man sich über den Wahlsieg der Parteikollegen im Osten freuen. Bei der Kommunalwahl 2025 kam sie in NRW auf rund 15 Prozent - dreimal so viel wie 2020. In aktuellen Umfragen liegt sie in NRW bei rund 17 Prozent.
Auch hier sind die Verhältnisse also anders als vor vier Jahren. Bei der Landtagswahl 2022 holte die AfD in NRW 5,4 Prozent, bei der nächsten NRW-Landtagswahl im April 2027 könnte sie nach aktuellen Umfragen dreimal so stark sein. Um die Macht geht es für den NRW-Parteivorsitzenden Martin Vincentz in sieben Monaten trotzdem nicht, dafür ist der Abstand aktuell zu groß.
Die SPD hält, was sie noch hat
9,1 Prozent holt die SPD in Sachsen-Anhalt, vor fünf Jahren waren es 8,4. Die Partei hat an diesem Abend also fast nichts verloren, sie hat aber auch kaum etwas gewonnen. In der NRW-SPD liest man das Ergebnis entsprechend.
"Unser großer Dank gilt den vielen engagierten SPD-Mitgliedern in Sachsen-Anhalt. Sie haben unter schwierigen Bedingungen gekämpft und das Ergebnis der SPD in einer für unsere Partei schwierigen Zeit stabil gehalten." Frederick Cordes, Generalsekretär NRW-SPD
"Stabil" ist die Lesart einer Partei, die sich daran gewöhnt hat, dass es schlimmer kommen kann. In NRW steht die SPD massiv unter Druck: Jochen Ott will im April Ministerpräsident werden, seine Partei steht in der Landesumfrage allerdings gleichauf mit der AfD bei 17 Prozent. Bei der Kommunalwahl 2025 hat sie mit 22 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt geholt. Und im Ruhrgebiet, früher SPD-Hochburg, wurde die AfD stärkste Kraft.
Die Grünen gewinnen - und das im Osten
Neben der AfD ist es nur eine Partei, die an diesem Abend deutlich zulegt: die Grünen. 8,7 Prozent in einem Land, in dem sie 2021 mit 5,9 gerade so in den Landtag kamen, aus den Landtagen in Brandenburg und Thüringen flogen sie zuletzt sogar raus.
In Nordrhein-Westfalen läuft die Kurve allerdings andersherum. Bei der Kommunalwahl stürzten die Grünen von 20 auf 13 Prozent, in aktuellen Umfragen in NRW stehen sie bei 15. Und das, obwohl sie gemeinsam mit der CDU weitgehend ohne politischen Streit in NRW regieren. Vize-Ministerpräsidentin Mona Neubaur betont die sachorientierte Zusammenarbeit:
"Wir in NRW tun dies jeden Tag. Ohne ständigen öffentlichen Streit und mit klarem Kompass. Mona Neubaur, stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin
Die FDP fliegt aus dem Landtag
2,4 Prozent holt die FDP, vor fünf Jahren waren es 6,4 - und sie saß in Magdeburg mit am Kabinettstisch. Jetzt ist sie aus dem Landtag verschwunden. Auch für den NRW-Parteivorsitzenden ist das "eine Zäsur und für die Freien Demokraten eine Enttäuschung."
"Ich danke Lydia Hüskens und den Wahlkämpfern für den großen Einsatz, ihr Ausscheiden tut mir leid. Wir kämpfen weiter um das Comeback der FDP, als nächstes in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern!" Henning Höne, Landesvorsitzender der FDP NRW und stellvertretender Bundesvorsitzender
Auch in Nordrhein-Westfalen, Stammland der Liberalen, dürfte es schwer werden. Bei der Kommunalwahl 2025 kamen sie auf 3,6 Prozent, in aktuellen Umfragen in NRW stehen sie bei 5 Prozent. Höne führt seine Partei im April also an genau der Hürde entlang, die sie in Sachsen-Anhalt gerade aus dem Parlament geworfen hat.
Diskussion über einen "Kanzlertausch"
Vier Bundesländer besucht der NRW-Ministerpräsident in diesen Tagen und ist damit im September das, was die CDU sonst von ihrem Kanzler erwarten würde: ein Zugpferd. Im Sommer gab es schon einmal die Debatte um Wüst als "Einwechselkanzler".