"Manchmal staune ich selber, wie ich das alles schaffe"

Fast jeder kommt mal an der Tanke vorbei. Zwei rbb|24-Reporter sprechen Leute an der Zapfsäule in Brandenburg an und fragen, was sie umtreibt. Heute: eine Pflegerin, die ihren Beruf auch mit nach Hause nimmt - und seit 1998 nicht mehr im Urlaub war.

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"Manchmal staune ich selber, wie ich das alles schaffe"

An der Tanke in Brandenburg

“Manchmal staune ich selber, wie ich das alles schaffe”

Illustration: Pflegerin im Barnim "An der Tanke". (Quelle: rbb)
Illustration: Pflegerin im Barnim "An der Tanke". (Quelle: rbb)

Icon Kommentar

rbb|24 will mit den Gesprächsprotokollen, die "An der Tanke" entstanden sind, Einblicke in verschiedene Gedankenwelten geben und Sichtweisen dokumentieren, ohne diese zu bewerten oder einzuordnen. Sie geben die Meinungen der Gesprächspartner wieder.

Wer: Pflegeassistentin
Alter: 62 Jahre
Uhrzeit: 12:19 Uhr
Fahrzeug: dunkelblauer Hyundai
Getankt: 31 Liter für 66 Euro
Woher: von zu Hause
Wohin: zur Arbeit ins Pflegeheim
Tanke: eine kleine Tankstelle im Barnim

Ich fahre gleich zur Arbeit ins Panketal - ins Pflegeheim. Ich bin Pflegeassistentin. Seit 15 Jahren mache ich das. Es macht mir Spaß.

Ich hatte schon als Kind immer ein Herz für Omas und Opas. Ich wollte das immer schon machen. Woher das kommt, weiß ich nicht. Ich bin behutsam aufgewachsen, immer mit den Omas zusammen. Das war früher so, DDR-Zeit, tiefste DDR-Zeit.

Ich war immer auf dem Dorf. Ich komme aus der Gegend bei Rostock oben, Tessin. Früher wurde bei Oma und Opa viel geschlachtet. Der eine hat Wurst gerührt, wir Kinder waren immer dabei.

Hierher bin ich gekommen, weil ich meinen Mann kennengelernt habe. Der kam aus Pasewalk, ich habe in Rostock gearbeitet. Wir haben uns da kennengelernt. Dann war es meine große Liebe. Dann hat man geheiratet, Kinder gekriegt.

Ist er immer noch die große Liebe?

Mein Mann ist leider verstorben. Familie habe ich hier noch. In Bernau. Meine zwei Kinder sind auch in der Pflege tätig. Mein Mann war beim Rettungsdienst. Was ich mir wünsche? Ich möchte, soweit es geht, noch gesund bleiben. Ich sage mal: Ich habe mir die Knochen kaputt gearbeitet. Aber der Rest…

Sie überlegt kurz.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es ein bisschen besser wird. Das fängt ja schon mit der Rente an. Dass meine Kinder oder meine Enkelkinder vielleicht auch mal Rente kriegen. So wie es jetzt ausschaut, ist das nicht so gut. Ich werde 63. Aber ich weiß noch nicht, ob ich wirklich zu Hause sitzen möchte.

In der nächsten Zeit würde ich gerne auch mal wieder eine Reise machen. Ich habe ja meinen Papa zu Hause. Der ist 96, der wohnt bei mir zu Hause. Ich konnte die ganzen Jahre seit 1998 nicht mal so richtig Urlaub machen. Ich war immer nur für meinen Papa da. Er war ja für uns Kinder auch immer da. Meine Eltern haben immer ihr Letztes gegeben.

Ich möchte mal wieder nach Schweden. Ich bin so ein Schwedenfan. Ich war schon mal in Schweden, habe da Urlaub gemacht. Mit einem, den ich kennengelernt habe. Aber das ist eine andere Sache.

Sie grinst. Wir sprechen weiter über ihre Arbeit und ihren Vater. Pflege auf der Arbeit – Pflege zu Hause – wie schafft sie das alles?

Mein Papa ist noch recht fit. Es funktioniert. Muss. Ins Heim würde ich ihn nicht geben. Da hat er nicht so eine Pflege wie bei mir zu Hause. Ich will die Pflege nicht schlecht machen. Aber da kann man keine Eins-zu-eins-Betreuung geben. Zu Hause ist es doch anders.

Wie ich damit umgehe? Weiß ich selber nicht. Manchmal staune ich selber, wie ich das alles schaffe. Als Ausgleich habe ich einen kleinen Hund. Mit dem gehe ich viel im Wald spazieren. Ich wohne ja direkt am Wildpark.

Sie schaut auf die Zapfsäule. Sie zeigt 31 Liter für 66 Euro an.

Es ist teuer geworden. Aber ich tanke nur einmal. Ich fahre nicht oft durch die Gegend.

Sendung: rbb|24, 21.07.2026, 18:10 Uhr
Audio: rbb|24, 21.07.2026, Yasser Speck im Gespräch mit Jonas Wintermantel und Anna Bordel

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