Als Dolly Parton als Vorband für Neil Youngs „Rust Never Sleeps“-Tour gebucht war

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Als Dolly Parton als Vorband für Neil Youngs „Rust Never Sleeps“-Tour gebucht war

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Auf den ersten Blick wirkt diese Anzeige für das Konzertprogramm in Cleveland, Ohio, vom September 1978 wie ein schlechter Witz oder eine KI-Halluzination. Da finden sich Ankündigungen für sehr bekannte, sehr reale Touren wie Black Sabbath/Van Halen, Thin Lizzy/AC/DC, Yes und Frank Zappa. Aber da steht auch eine Ankündigung für den 22. September: Neil Young and Crazy Horse mit Special Guest Dolly Parton im Richfield Coliseum.

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Dieses Doppelbill ergibt auf den ersten Blick keinen Sinn – Dolly befand sich 1978 auf dem Höhepunkt ihres Ruhms, landete Crossover-Hits wie „Two Doors Down“ und „Baby I’m Burnin’“ und zierte sogar das Cover des „Playboy“. Und das war Youngs legendäre „Rust Never Sleeps“-Tour mit Crazy Horse, auf der er aggressive neue Songs wie „Sedan Delivery“ und „Hey Hey, My My (Into the Black)“ debütierte und epische Versionen von „Like a Hurricane“ und „Tonight’s the Night“ spielte.

So verrückt es klingt – das ist keine Parallelwelt-Fantasie. Neil Young buchte Dolly Parton tatsächlich als Vorband für vier Termine seiner Herbsttournee 1978 durch Arenen und Amphitheater. „Wir machen uns nicht die geringsten Sorgen, wie sie bei Youngs Fans ankommen wird“, sagte Jim Morey, Partons Manager, dem „Billboard“ in der Ausgabe vom 23. September 1978. „Niemand kennt Youngs Fans besser als er selbst, und er hätte Dolly Parton nicht in seine Show geholt, wenn er nicht glauben würde, dass sie sein Publikum anspricht.“

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Ausverkaufte Shows, neues Publikum

Der Artikel hält fest, dass Parton, die am 25. August im Alter von 80 Jahren starb, erst zur Tour hinzugebucht wurde, nachdem die Shows bereits ausverkauft waren – das Publikum würde also „fast ausschließlich aus Neil-Young-Fans bestehen“. „Parton plant nicht, ihre Musik für die Young-Shows zu verändern, abgesehen davon, ihr Set etwas zu kürzen“, heißt es weiter. „[Morey] fügt hinzu, dass es über die Young-Termine hinaus keine Pläne gibt, Parton mit anderen Rockkünstlern auf Tour zu schicken.“

Ein wichtiger Kontext: Obwohl die Tour als „Rust Never Sleeps“-Tour in die Geschichte einging, erschien das gleichnamige Album erst 1979. Die elektrischen Songs wurden live während dieser Shows aufgenommen. Zum Zeitpunkt der Buchung war Youngs aktuelles Album „Comes a Time“ – die countrynächste Platte, die er bis dahin eingespielt hatte, mit Songs wie „Lotta Love“, „Look Out for My Love“ und „Comes a Time“, die einem Dolly-Parton-Publikum bestens gemundet hätten.

Trotzdem war die Branche von der Ankündigung dieses gemeinsamen Auftritts wie vor den Kopf gestoßen. „Sie tritt als Vorprogramm von Young auf“, schrieb Kolumnistin Shirley Eder am 17. September 1978 im „Buffalo News“. „Ich konnte es kaum glauben, als ich es hörte, aber es stimmt. Warum sollte Dolly Parton, die Platin-Alben stapelt und Country-Pop-Geschichte schreibt, in irgendjemandes Show die zweite Geige spielen? Wir haben nachgehakt und erfahren, dass Ms. Parton Neil Youngs Rockpublikum besser kennenlernen möchte. Wissen Sie was? Ich halte das für einen klugen Schachzug. Das Billing ist weniger wichtig als eine langfristige Karriere. Und womöglich verdient sie auf dieser Tour sogar mehr als Young.“

Der Rückzug kurz vor dem Start

Doch kurz bevor die Tour beginnen sollte, sickerte durch, dass Parton doch nicht dabei sein würde. „Dolly packte ihre Perücken und ihre High-Heel-Turnschuhe“, heißt es in einem Artikel vom 5. Oktober 1978 im „Salisbury Post“, „und zog von dannen, weil sie nur zweites Billing bekam und zu wenig Zeit zum Auftreten.“

Ganz so war es allerdings nicht. In Wirklichkeit hatte Young kurz vor Probenbeginn ein völlig anderes Konzept für die Tour entwickelt. Es umfasste komisch überdimensionierte Mikrofone und Lautsprecherboxen, Roadies in Jawa-Kostümen aus „Star Wars“ und ein ausgedehntes Set, das sich in einen elektrischen und einen akustischen Teil gliederte. „Comes a Time“ stand noch nicht mal in den Plattenläden, aber Young dachte bereits ans nächste Album und neuere Songs. Nichts an dieser Tour würde auch nur im Entferntesten nach Country klingen – und den Großteil des „Comes a Time“-Materials würde er gar nicht erst spielen.

„Die Neil-Young-Dolly-Parton-Tour, von der an dieser Stelle kürzlich die Rede war, ist inzwischen eine reine Neil-Young-Tour“, heißt es in einem Artikel vom 23. September 1978 im „Cashbox“. „Young hat offenbar entschieden, dass er keine Vorband möchte und lieber länger spielt – halb akustisch, halb elektrisch mit Crazy Horse. Dolly bereitet derweil eine Europatournee vor.“

Keine bösen Worte, nur eine Coverversion

Falls Dolly Parton dem Ganzen gegenüber irgendwelche Ressentiments hegte, ließ sie sich davon nie öffentlich etwas anmerken – und coverte 1999 sogar „After the Gold Rush“ gemeinsam mit Emmylou Harris und Linda Ronstadt. Gut möglich, dass sie irgendwann zu dem Schluss kam, das Platzen der Tour sei das Beste gewesen, was ihr passieren konnte – zumindest wenn man Susan Whitalls Kritik der Detroiter Show im „Creem“ liest.

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„Dolly Parton wurde von der Show ausgeladen, weil Neil ein längeres Set spielen wollte, halb akustisch, halb elektrisch mit Crazy Horse“, schrieb sie. „Und das war gut so: Der Gedanke an diese langen roten Fingernägel, die inmitten all dem hier auf dem Banjo zupfen, wäre schlicht nicht zu ertragen gewesen.“

Heute ist die gescheiterte Dolly/Neil-Tour kaum mehr als eine historische Fußnote, während Black Sabbath mit Van Halen und Thin Lizzy mit AC/DC aus demselben Monat als legendäre Beispiele dafür gelten, dass die Vorband den Headliner von der Bühne fegt. Dolly hätte es schwerer gehabt, die Rockfans im Publikum zu erobern als Van Halen oder AC/DC – aber wir wollen glauben, dass sie sich behauptet hätte. Dolly Parton besaß eine Magie, der sich kaum jemand entziehen konnte.