Heftige Windböe in Beinwil: Dächer abgedeckt, Schulen geschlossen
Publiziert9. September 2026, 18:53Beinwil am See«Als das Dach wegflog, regnete es uns in Strömen ins Haus»Ein heftiger Sturm in Beinwil am See hinterliess grosse Verwüstung. Über 80 Dächer wurden beschädigt. Be...
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Publiziert9. September 2026, 18:53
Beinwil am See«Als das Dach wegflog, regnete es uns in Strömen ins Haus»
Ein heftiger Sturm in Beinwil am See hinterliess grosse Verwüstung. Über 80 Dächer wurden beschädigt. Beim Ehepaar Eichenberger flog das gesamte Dach weg.

Darum gehts
- Ein Unwetter hat am Dienstagabend in Beinwil am See AG kurz vor 22 Uhr eine Schneise der Verwüstung hinterlassen.
- Rund 80 Schadensmeldungen gingen beim lokalen Dachdecker-Betrieb ein.
- Auch das Dach des Primarschulhauses verlor Ziegel.
- Am härtesten traf es das Ehepaar Eichenberger: Der Wind riss ihr Dach komplett vom Haus, während es ihnen minutenlang direkt ins Innere regnete.
In Beinwil am See hinterliess eine heftige Windböe am Dienstagabend eine Schneise der Verwüstung. Ein heftiges Unwetter zog kurz vor 22 Uhr über das Dorf hinweg. «Wir haben bis nachts um 3 Uhr Dächer provisorisch abgedeckt und seit heute Morgen um 7 Uhr stehen von unserem Betrieb 14 Dachdecker im Einsatz, um die Dächer wenigstens provisorisch abzudecken», sagt Dachdecker Reto Grütter, Geschäftsführer aus Beinwil, zu 20 Minuten.
Rund 80 Schadensmeldungen aus Beinwil am See und dem Nachbardorf sind bei seinem Betrieb bereits eingegangen. Auch beim Primarschulhaus flogen die Ziegel davon – deswegen hatten die Erst- und Zweitklässler am Mittwoch alle frei.
Dach weg: «Ich blickte direkt in den Himmel»
Am heftigsten traf es das Ehepaar Eichenberger: Der Wind riss ihr Dach regelrecht vom Haus, während der Himmel seine Schleusen öffnete und es ihnen minutenlang direkt ins Haus regnete. «Ich wollte im Obergeschoss die Storen hochdrehen, da gab es einen Knall», erzählt Käthi Eichenberger (74). «Ich blickte direkt in den Himmel. Es regnete in Strömen – voll in unser Haus.» Ihr Mann René Eichenberger (78) ergänzt: «Das Regenwasser lief die Treppe hinunter und alles wurde nass.» Die persönlichen Sachen, die Möbel und auch seine Matratze seien komplett durchnässt.

Zehn Minuten später war der Spuk vorbei: Der Wind flaute ab, der Regen liess nach, das Unwetter zog weiter. «Aber wir wussten nicht, wo wir mit Aufräumen anfangen sollten», sagt die Ehefrau.
«Alle defekten Dächer liegen in einem Streifen»
Bald war der benachbarte Dachdecker zur Stelle. Seine Mitarbeiter konnten das Dach der Eichenbergers noch in der Nacht mit einer Blache abdecken. «Wir arbeiteten mit der Feuerwehr zusammen und standen die ganze Nacht lang mit sieben Mitarbeitern im Einsatz, um die Dächer wenigstens provisorisch zu flicken. Ich mietete gleich zusätzliche Kräne und Hebebühnen an, sodass wir am Mittwochmorgen mit allen Mitarbeitern gleich loslegen konnten, um die Schäden in Beinwil zu beheben.»

Der Wind – Grütter geht von einer Windhose aus – habe eine regelrechte Schneise ins Dorf geschlagen. «Alle defekten Dächer liegen in einem Streifen. Der Wind muss genau dort übers Dorf gezogen sein. Das war ein sehr lokales Wetterereignis», meint der Dachdecker.
Für René Eichenberger und seine Frau geht es nun ans Aufräumen. Zügelmänner haben schon einige Sachen in Kartons gepackt – auch die wertvollen Puppen der Ehefrau, die durch den Regen teilweise schwer beschädigt wurden. «Diese Nacht schliefen wir im Erdgeschoss auf dem Sofa und die kommenden Nächte vielleicht auch noch», so René Eichenberger.
Auszug wohl unumgänglich
«Aber wir müssen eigentlich ausziehen, damit die Renovationsarbeiten beginnen können.» Das Ehepaar hofft, bei Freunden ein paar Häuser weiter unterzukommen. «So wären wir in der Nähe», sagt der ehemalige Betriebsleiter. «Denn ins Hotel wollen wir nicht unbedingt. Und bis Ende Jahr können wir wahrscheinlich nicht mehr heimkehren.»
Das Ehepaar müsse nun das Obergeschoss komplett räumen, auch der Parkett kommt raus. «Dann muss ein Bauentlüfter die Feuchtigkeit raussaugen», schildert der Rentner.
«Wichtig ist, dass es niemandem ins Haus regnet.»

«Solche Grossereignisse sind eher selten, vor allem so lokal», sagt Reto Grütter. Zuletzt habe im Juni 2021 ein Hagelsturm über Luzern seinen Betrieb so beschäftigt. «Jetzt müssen alle anderen Baustellen erst einmal zurückstehen. Aber zum Glück haben alle Verständnis. Wichtig ist, dass es niemandem mehr ins Haus regnen kann.»

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Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.
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