Afghanistan-Einsatz: Ermittlungen gegen Bundeswehrsoldaten

Der Vorgang ist an höchster Stelle angekommen und wird im Verteidigungsministerium in Berlin und beim Heer sorgfältig beobachtet. Wie die Zeitung "Bild am Sonntag" (BAMS) berichtet, wurden Deutschlands Verteidi...

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Afghanistan-Einsatz: Ermittlungen gegen Bundeswehrsoldaten

Der Vorgang ist an höchster Stelle angekommen und wird im Verteidigungsministerium in Berlin und beim Heer sorgfältig beobachtet. Wie die Zeitung "Bild am Sonntag" (BAMS) berichtet, wurden Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius und der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, über das Ermittlungsverfahren informiert.

Die Staatsanwaltschaft Kempten ist für Soldaten im Auslandseinsatz zuständig. Die Behörde in der Stadt im Bundesland Bayern ermittelt inzwischen gegen fünf Angehörige der Bundeswehr wegen des Verdachts des Diebstahls während der Evakuierungsmission in Afghanistan im August 2021. Die Beschuldigten sollen sich "während der Evakuierungen Waren aus Läden am Flughafen Kabul rechtswidrig angeeignet haben".

Die Soldaten sollen bewaffnet gewesen sein

Die Ermittlungen dauern an. Wann und mit welchem Ergebnis das Verfahren abgeschlossen werde, lasse sich "nicht genau prognostizieren", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, der auf die Unschuldsvermutung verwies.

Dicht gedrängt sitzen Menschen, die aus Kabul ausgeflogen worden sind, auf dem Boden eines Airbus A400 M der Bundeswehr
Diese Menschen wurden Dank der Luftbrücke der Bundeswehr im August 2021 aus Kabul ausgeflogen Bild: Marc Tessensohn/Bundeswehr/dpa/picture alliance

Die Soldaten sollen dem Fallschirmjägerregiment 31 der Luftlandebrigade 1 angehören, wie die BAMS unter Berufung auf Bundeswehrkreise meldet. Die Elitekämpfer sollen demnach ihre Diebstähle im militärischen Teil des Flughafens in von Afghanen betriebenen Geschäften begangen haben. Dort gab es Läden, die unter anderem militärische Ausrüstung verkauften.

Die bewaffneten Soldaten sollen T-Shirts und Patches (Stoffabzeichen für die Uniform) gestohlen haben. Auch von Messern ist in Bundeswehrkreisen die Rede.

Generalbundesanwalt eingeschaltet

Die Ermittlungen gegen die fünf Soldaten begannen bereits im vergangenen Jahr, als gegen das Fallschirmjägerregiment 26 ermittelt wurde. In Befragungen innerhalb der Bundeswehr berichteten Soldaten von den Vorfällen in Kabul. "Die Wehrdisziplinaranwaltschaft hat nach Kenntnis eines möglichen Straftatbestands unverzüglich die Staatsanwaltschaft Kempten informiert und an diese abgegeben", sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums der "Bild am Sonntag". 

Fallschirmjäger steigen in Taschkent, Usbekistan, über die ausgeklappte Laderampe aus einem Airbus A400M (26.08.2021)
Luftbrücke beendet: Fallschirmjäger bei Zwischenlandung in Taschkent, Usbekistan (Ende August 2021)Bild: Marc Tessensohn/Bundeswehr/dpa/picture alliance

Die Staatsanwaltschaft schaltete über die Generalstaatsanwaltschaft München den Generalbundesanwalt ein, um das Vorliegen von Plünderungen zu untersuchen. "Der Sachverhalt wurde der Bundesanwaltschaft zur Prüfung möglicher Verstöße gegen das Völkerstrafgesetzbuch vorgelegt", teilte die Sprecherin des Generalbundesanwalts "Bild am Sonntag" mit. "Die hiesigen Ermittlungen haben einen solchen Verdacht ausgeräumt."

Ermittlungen liegen nun wieder in Kempten 

Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte der BAMS, dass "im Zuge der Ermittlungen auch Bildmaterial ausgewertet wurde". Es wurden jedoch "keine Handlungen identifiziert, die den Tatbestand der Plünderung erfüllen". 

Die Ermittlungen liegen nun wieder in Kempten. Der Straftatbestand Diebstahl mit Waffen könnte der Zeitung zufolge vorliegen, da die Soldaten bei dem Einsatz am Flughafen bewaffnet waren.

Deutsche Soldaten retteten im August 2021 in einer dramatischen Evakuierungsmission mehr als 5000 Menschen vor den Taliban in Afghanistan.

pg/AR (afp, BAMS)