Ein Sexshop für den Frieden: Aachener Friedenspreis 2026 mit Dialog, Solidarität, Zivilcourage

Einer der Preisträger ist die Kölner Initiative "Palestinians and Jews for Peace“ (PJFP). Die Gruppe wurde im Jahr 2023 als Reaktion auf die eskalierende Gewalt im Nahen Osten nach dem 7. Oktober gegründet. Pal...

  • 3 min read
Ein Sexshop für den Frieden: Aachener Friedenspreis 2026 mit Dialog, Solidarität, Zivilcourage

Einer der Preisträger ist die Kölner Initiative "Palestinians and Jews for Peace“ (PJFP). Die Gruppe wurde im Jahr 2023 als Reaktion auf die eskalierende Gewalt im Nahen Osten nach dem 7. Oktober gegründet. Palästinensische, jüdische und solidarische Menschen arbeiten ehrenamtlich zusammen. Ihr Ziel ist, dass Menschen sich mit Respekt und Empathie begegnen – gerade dann, wenn sie aus verfeindeten Kontexten kommen.

PJFP will das gängige Bild vom Nahostkonflikt verändern. Statt "Juden vs. Palästinenser“ und der simplen Einteilung in Täter und Opfer, betonen sie die Vielfalt von Erfahrungen und Perspektiven. Mit Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit setzen sie sich für einen offenen Dialog und gegen stereotype Bilder ein. Der Aachener Friedenspreis würdigt damit eine Gruppe, die zeigen will, wie viel Kraft darin steckt, sich gegen Polarisierung zu stemmen und neue Wege im Umgang mit Konflikten zu suchen.

Gewaltfreier Widerstand und konkrete Nachbarschaftshilfe

Der zweite Teil des Preises geht in die USA, nach Minneapolis: Unidos MN und das Team des queeren Sexshops "The Smitten Kitten“ werden als gemeinsame Preisträgergruppe geehrt. Sie stehen für gewaltfreien Widerstand gegen eine massiv eskalierte Kampagne staatlicher Gewalt durch die US-Bundesbehörde ICE und die sogenannte "Operation Metro Surge“.

In dieser Situation wird Unidos MN zum organisatorischen Rückgrat des Widerstands. Die Organisation mobilisiert zu Aktionstagen für Menschenrechte, bildet Betroffene zu ihren Rechten fort und stellt sich offen gegen migrationsfeindliche Ressentiments.

Ungewöhnliche Nachbarschaftshilfe

The Smitten Kitten ergänzt das mit sehr konkreter Nachbarschaftshilfe: Das Team des queeren Sexshops sammelt Geldspenden, verteilt Grundnahrungsmittel und Windeln an Familien, die sich aus Angst vor Festnahmen kaum noch aus dem Haus trauen. "Praktische Solidarität baut hier Feindbilder ab und schafft Vertrauen - denn Frieden bedeutet auch, das Risiko der Repression auf sich zu nehmen, um Schwächere zu schützen“, so der Vorstand des Aachener Friedenspreises.

Die Laudatio auf beide Preisträgergruppen hält der frühere SPD-Politiker und Ex-Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz.

Der Aachener Friedenspreis

Die Verleihung ist öffentlich und beginnt am heutigen 1. September um 19 Uhr in der Aula Carolina in der Pontstraße in Aachen. Die Veranstaltung wird live auf der Website des Vereins gestreamt.

Oft ist die Aufmerksamkeit das Wichtigste

Der Aachener Friedenspreis e. V. zeichnet seit 1988 jedes Jahr Menschen und Gruppen aus, die "von unten“ für Frieden und Verständigung arbeiten – oft aus benachteiligten Positionen und unter schwierigen Bedingungen.

Die ausgezeichneten Projekte sind häufig bislang wenig bekannt. Mit dem Preis bekommen sie Öffentlichkeit, Unterstützung und er soll auch Schutz bieten: Denn wer im Licht der Öffentlichkeit steht, ist weniger gefährdet, unter Druck gesetzt oder mit Gewalt überzogen zu werden. "Das Preisgeld von jeweils 2.000 Euro ist hilfreich, aber oft ist die Aufmerksamkeit noch wichtiger“, so der Aachener Verein.

Wer den Preis bekommen soll, entscheidet die Mitgliederversammlung des Vereins. Vorschläge können alle interessierten Menschen einreichen, unabhängig von einer Mitgliedschaft oder davon, ob sie aus Aachen kommen.

Aus allen eingehenden Vorschlägen wählt der Vorstand fünf als besonders auszeichnungswürdig aus und legt sie der Mitgliedschaft zur Entscheidung vor. Die Mitgliederversammlung trifft dann die finale Wahl.