Zwischen den Zeilen: Studien, Sprichwörter und Schulanfänger

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Zwischen den Zeilen: Studien, Sprichwörter und Schulanfänger

Stand: 15.08.2026, 12:44 Uhr

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Jan-Christoph Eisenberg, Redakteur Hersfelder Zeitung

Jan-Christoph Eisenberg, Redakteur Hersfelder Zeitung © Eva Trolp-Göbel

Über Kläranlagen, einen außergewöhnlichen Heiratsantrag und Schulanfang schreibt HZ-Redakteur Jan-Christoph Eisenberg in der Wochenend-Kolumne „Zwischen den Zeilen“.

Seit rund zehn Jahren beschäftigt die Gemeinden Friedewald und Schenklengsfeld die Zukunft ihrer Kläranlagen – was meinen Kollegen und mir reichlich Gelegenheiten zu Wortspielen à la „Abwasserfrage ungeklärt“ in den Überschriften unserer Berichte beschert hat. Als Alternativen stehen seit geraumer Zeit ein Neubau beziehungsweise die Ertüchtigung der Klärnlage Malkomes oder aber eine Druckleitung zum Bad Hersfelder Klärwerk im Raum – jeweils bei Wegfall der bisherigen Friedewalder Tropfkörper-Kläranlage im Kothebachtal unterhalb der B62. Weil sich die vorangegangenen Untersuchungen und Berechnungen als nicht vergleichbar erwiesen hatten, war von den Parlamenten beider Kommunen im Dezember 2024 eine neue Kostenvergleichsstudie in Auftrag gegeben worden. Deren Ergebnisse wurden in dieser Woche nun in nicht öffentlicher Sitzung den Gemeindevertretern vorgestellt. Dem Vernehmen nach soll sich ein Anschluss an die Kreisstadt als die wirtschaftlichere Lösung abzeichnen. Die untere Wasserbehörde dringt in dieser Frage offenbar auf eine Entscheidung beider Kommunalparlamente bis spätestens Ende September. Denn ab 2027 gelten höhere Abwasser-Grenzwerte, sodass für die bestehenden Klärwerke für die voraussichtlich mehrjährige Planungs- und Bauphase Ausnahmegenehmigungen beantragt werden müssen.

Einem Sprichwort zufolge ist nichts so alt wie die Zeitung von gestern. Tatsächlich gibt es mit Radio, Fernsehen und Internet längst deutlich schnellere Formen der Nachrichtenübermittlung. Doch woher nehmen die überregionalen Medien ihre Themenideen? Nicht selten aus den Lokalzeitungen und ihren Internetportalen, die in der Regel deutlich dichter dran sind am Geschehen in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet. So war es jüngst auch beim außergewöhnlichen Heiratsantrag, den der Hohenrodaer Landwirt Sven Mares seiner Lebensgefährtin Sabrina Hübner in ein Maisfeld geschrieben hat. Nachdem unser Bericht über seine geglückte Überraschung mit der unbemerkt in die Höhe gewachsenen Frage aller Fragen erschienen war, haben auch weitere Publikationen das Thema aufgegriffen. Mehrere Fernsehteams waren in den darauffolgenden Tagen bei dem Paar im kleinen Soislien zu Gast, sodass das Labyrinth mit Liebesbotschaft bundesweit über die Bildschirme flackerte.

Wie sehr sich doch die Zeiten ändern, wird mir alljährlich zum Schulanfang nach den Sommerferien bewusst. Sicher – auch für mich hat der sprichwörtliche Ernst des Lebens vor 32 Jahren mit einem Einschulungsgottesdienst und anschließender Aufnahmefeier in der Schule begonnen, wo eine prall gefüllte Zuckertüte auf mich wartete. Danach ging die Familie dann allerdings auch wieder zum Alltag über. Mittlerweile ist es offenbar üblich, an diesem Tag oder am darauffolgenden Wochenende eine große Feier im Verwandten- und Freundeskreis auszurichten – mit riesiger Gästeschar, opulentem Essen, Geschenken und Programm, wie man es sonst nur von runden Geburtstagen kennt. Als ich am Dienstag auf dem Weg zu einem Außentermin an einer Grundschule vorbeifuhr, stand dort gar eine mit Luftballons geschmückte Ponykutsche als Überraschung für ein frisch gebackenes Schulkind bereit. Als bislang Kinderloser maße ich mir kein Urteil darüber an, was diesem Anlass angemessen und was möglicherweise übertrieben ist. Und vielleicht hätte derartiges seinerzeit auch bei mir dazu beigetragen, die Vorfreude zu wecken. Denn im Gegensatz zum Rest meines Kindergartenjahrgangs habe ich der Schule nicht entgegengefiebert – wusste ich doch durch meine beiden älteren Geschwister nur zu gut, dass dort Ungemach in Form von Hausaufgaben droht. Was mich letztlich aber nicht davon abgehalten hat, dort 13 Jahre bis zum Abitur zu verbringen und anschließend auch noch die Hochschulbank zu drücken.

In diesem Sinne: Allen ABC-Schützen einen guten Schulstart und Ihnen ein erholsames Wochenende!