Zugspitze: Wirt nimmt täglich gestrandete Wanderer auf – „Überall sind die Leut‘ schon gelegen“
tzMünchenRegionStand: 16.08.2026, 06:30 UhrKommentareUns auf Google folgenAuf der Zugspitze stranden täglich Bergsteiger, die die letzte Seilbahn verpassen. Wirt Anton Zwinger nimmt sie im Münchner Haus auf – o...
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Stand: 16.08.2026, 06:30 Uhr
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Auf der Zugspitze stranden täglich Bergsteiger, die die letzte Seilbahn verpassen. Wirt Anton Zwinger nimmt sie im Münchner Haus auf – obwohl es offiziell kein Notlager gibt.
Grainau – Offiziell existiert auf der Zugspitze im Münchner Haus kein Notlager. Wie Merkur-Reporterin Katharina Bromberger berichtet, sieht die Realität von Hüttenwirt Anton Zwinger allerdings ganz anders aus. Jeden Abend nimmt er erschöpfte Gipfelbesteiger auf, die es nicht rechtzeitig zur letzten Seilbahn geschafft haben. An manchen Abenden sind es bis zu 17 Personen – einige davon rufen stattdessen die Bergwacht an.
- Hüttenwirt Anton Zwinger versorgt täglich gestrandete Zugspitz-Besteiger mit Schlafplätzen im Münchner Haus.
- Offiziell gibt es laut der Alpenvereinssektion München kein Notlager auf dem Gipfel.
- Viele Bergsteiger kommen unvorbereitet, manche orientieren sich an Social-Media-Videos statt an seriöser Tourenplanung.
Zugspitze: Schutzbereich neben dem Münchner Haus steht rund um die Uhr offen
Bereits vor einiger Zeit hatten die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) und die Bergwacht Grainau auf das Problem aufmerksam gemacht. Immer wieder alarmierten Zuspätkommer nachts die Bergretter, um per Sonderfahrt ins Tal zu gelangen. Wer die mehrere tausend Euro teure Fahrt nicht zahlen wollte, blieb oben. Bereitschaftsleiter Anton Vogg und BZB-Sprecher Klaus Schanda hatten sich gewünscht, dass das Münchner Haus als Schutzhütte diene. Markus Block, Sprecher der Alpenvereinssektion München, hatte damals erklärt: „Notlager gibt es keine.“ Einen Rund-um-die-Uhr-Dienst könne niemand erwarten.

Diese Aussagen kann Zwinger nicht nachvollziehen. „Würde ich die Leut' nicht hereinlassen, hätte ich hier oben als Wirt nichts verloren“, sagt der 40-Jährige. Direkt neben dem Münchner Haus stehe eine Eisentür stets offen, dahinter befinde sich ein Vorraum, der jederzeit Schutz biete. „Hier oben erfriert niemand.“ Nachts bleibe immer ein Mitarbeiter am Berg. Sind die Betten im Keller belegt, legt Zwinger Liegepolster in die Gänge und verteilt Decken. „Überall sind die Leut' schon gelegen.“ Allerdings wollten manche Gestrandete gar nicht im Münchner Haus bleiben. Von einem Paar berichtet der Wirt, das sich weigerte, im Keller zu übernachten. Die junge Frau habe zu ihrem Partner gesagt: „Hier bleib' ich nicht, wir rufen die Bergwacht an.“
Grainau liegt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen in Oberbayern, direkt am Fuß der Zugspitze.
Social Media als Tourenplaner: Unvorbereitete Bergsteiger auf der Zugspitze
Seit einigen Sommern hat sich der Ansturm auf die Zugspitze laut Zwinger deutlich verändert. „Das sind oft keine Bergsteiger mehr“, sagt er über die Unvorbereiteten, die sich nur über soziale Medien informierten. Nach einem Instagram- und Tiktok-Beitrag von TV-Moderator Kai Pflaume, der den Aufstieg in 6,47 Stunden bewältigte, hätten Fans entsprechend geplant – und seien nach zwölf Stunden völlig erschöpft angekommen. Mittlerweile haben Zwinger und Bereitschaftsleiter Vogg private Handynummern ausgetauscht, um die Abstimmung zu verbessern. Auch die BZB wolle noch das Gespräch mit dem Hüttenwirt suchen, so Schanda. Für Zwinger ändert sich dadurch wenig – er wird weiterhin Gestrandete aufnehmen und hofft, dass sich die Lage wieder normalisiert.