Zu heiß, zu trocken: Rheingau-Winzer erwarten extrem frühe Weinlese
„Wir bräuchten dringend Wasser, aber nicht zu viel“, sagt der Mittelheimer Winzer Matthias Corvers. Zu heiß, zu trocken, lautet seine Bilanz des Weinjahres kurz vor Beginn der Ernte, und der Deutsche Wetterdien...
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„Wir bräuchten dringend Wasser, aber nicht zu viel“, sagt der Mittelheimer Winzer Matthias Corvers. Zu heiß, zu trocken, lautet seine Bilanz des Weinjahres kurz vor Beginn der Ernte, und der Deutsche Wetterdienst bestätigt die Einschätzung des Praktikers mit eindeutigen Zahlen: Der zurückliegende Juli reihte sich an der Wetterstation Geisenheim mit einer mittleren Lufttemperatur von 22,8 Grad Celsius zusammen mit 2018 auf Platz drei der wärmsten Juli-Monate seit Beginn der dortigen Zeitreihe im Jahr 1885 ein. Der Niederschlag war mit 4,9 Litern je Quadratmeter historisch niedrig. Nur 1949 fiel in einem Juli noch weniger Regen.
Bange ist Corvers dennoch nicht, und Sohn Philipp sagt: „2026 kann noch ein richtig guter Jahrgang werden.“ Voraussetzung ist nun aber gutes Wetter vor und während der Lese. Das sieht der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Klaus Schneider, ähnlich. Schneider und Corvers erwarten einen frühen Lesebeginn. Mit der Hauptlese für den spät reifenden Riesling rechnet Corvers aber erst Anfang September. Gut möglich, dass die Weinlese im Rheingau schon vor Oktoberbeginn weitgehend abgeschlossen ist.
Kritik an praxisfernen Auflagen
Ein guter Jahrgang wird die Stimmung im Deutschen Weinbauverband aber kaum aufhellen. Im Weingut Corvers-Kauter berichtete Präsident Schneider am Donnerstag von einem rückläufigen Markt, hohen Kosten, klimatischen Risiken, neuen Schädlingen und immer neuen regulatorischen und bürokratischen Anforderungen.
Auch beim Drohneneinsatz in Steilhängen sieht Schneider den Winzern immer wieder Hindernisse in den Weg gestellt: „Wir werden an allen Ecken und Enden ausgebremst.“ Der Gipfel sei, dass inzwischen sogar harmloses Backpulver als Pflanzenschutzmittel eingestuft und seine Verwendung den Ökowinzern deshalb untersagt sei. „Ich bin Winzer und kein Bürokrat“, formulierte Philipp Corvers seine Kritik an diesen praxisfernen Auflagen und Regelungen.
Ob und wie stark sich Konsumzurückhaltung und Überproduktion auf die deutsche Rebfläche auswirken werden, vermag der Weinbauverband derzeit nicht seriös abzuschätzen. „Das ist Kaffeesatzleserei“, sagte der Generalsekretär des Weinbauverbands, Christian Schwörer, im Rheingau. Der Verband setzt nach wie vor auf die Möglichkeit der sogenannten Rotationsbrache. Dabei werden Rebflächen gerodet und für die Dauer von bis zu acht Jahren im Sinne der Kulturlandschaft gepflegt, ohne dass die Pflanzrechte des Winzers für neue Rebstöcke deshalb verloren gehen.
Zur Entlastung des Weinmarktes fordert Schneider zudem einen deutschen Anbaustopp für neue Rebflächen, von dem es nur geringfügige Ausnahmen geben soll. Als kurzfristige Intervention unterstützt der Verband die Destillation überschüssiger Weinmengen in Rheinhessen und in Württemberg. Eine Erhöhung der Schaumweinsteuer lehnt der Verband entschieden ab. Sie würde seiner Ansicht nach die Erzeuger in einer schwierigen Situation besonders hart treffen. Dem Weinbau ergehe es ähnlich wie anderen Wirtschaftszweigen, die wegen ihrer hohen Produktionskosten gegenüber der ausländischen Konkurrenz nicht wettbewerbsfähig seien.
Erwartete Mehreinnahmen aus der Sektsteuer für den Bund werde es nicht geben, wenn die preissensiblen Kunden auf andere Produkte auswichen. Schneider plädierte entschieden dafür, den Winzern mehr Selbstverantwortung zuzugestehen. „Wir wollen nicht alles schlechtreden“, sagte Schneider zur aktuellen Lage. Es gebe unverändert Weingüter, „für die es ordentlich läuft“, und der Export sei ein Lichtblick. Dennoch seien sowohl kurzfristige Maßnahmen als auch strukturelle Lösungen für den Weinbau unerlässlich, so der Appell an die Politik. Der Weinsektor dürfe in Europa nicht unter die Räder kommen.