Zu großes Angebot erschwert Partnerwahl
Die Qual der Wahl haben weibliche Laubfrösche bei der Fortpflanzung: Ein Überschuss an Männchen kann dazu führen, dass sie Schwierigkeiten haben, den bestmöglichen Partner auszuwählen. Häufig treffen sie laut einer neuen Studie deshalb gar keine oder eine schlechte Entscheidung.
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Laubfroschweibchen
Die Qual der Wahl haben weibliche Laubfrösche bei der Fortpflanzung: Ein Überschuss an Männchen kann dazu führen, dass sie Schwierigkeiten haben, den bestmöglichen Partner auszuwählen. Häufig treffen sie laut einer neuen Studie deshalb gar keine oder eine schlechte Entscheidung.
Online seit heute, 7.58 Uhr
In der Paarungszeit zwischen Ende April und Anfang Mai geht es für männliche Copes Graue Laubfrösche (Hyla chrysoscelis) um alles: Damit potenzielle Partnerinnen auf sie aufmerksam werden, veranstalten die Männchen Balzkonzerte. Dabei suchen sie Laichgewässer auf und quaken lautstark, um die Weibchen mit ihren Rufen anzulocken.
Doch was passiert, wenn mehrere Verehrer gleichzeitig um die Gunst einer Froschdame buhlen? Dieser Frage ist ein Team um die beiden Biologinnen Claire Hemingway und Jessie Tanner von der University of Tennessee in einer neuen Studie nachgegangen. Die Ergebnisse erschienen diese Woche im Fachjournal „iScience“.
Partnerbörse mit Tücken
Für ihre Experimente baute das Forschungsteam ein zwei Meter großes Gehege in einem schallisolierten und temperaturgeregelten Raum auf – eine Art Partnerbörse für Frösche. Nacheinander setzten sie dann verschiedene Laubfroschweibchen in den abgegrenzten Bereich.
Dann begann das „Konzert“: Aus mehreren Lautsprechern, die im Gehege verteilt waren, ertönten künstliche Paarungsrufe von männlichen Laubfröschen. Die Weibchen hüpften daraufhin in Richtung der Lautsprecher, entschieden sich also für einen der Lockrufe.
Fitte Partner gesucht
Frühere Studien zeigten, dass sich weibliche Frösche eher zu Männchen hingezogen fühlten, die längere Balzlaute von sich gaben. „Weibchen suchen sich Partner, die gute Gene haben und ihrem Nachwuchs so Fitnessvorteile verschaffen“, ordnet Hemingway gegenüber ORF Wissen ein: „In diesem Fall gibt es tatsächlich empirische Beweise dafür, dass die Froschmännchen mit einem attraktiveren Balzruf Larven zeugen, die schneller wachsen und eine höhere Überlebensrate aufweisen.“
Auch das Team um Hemingway setzte daher bei ihrem Experiment auf längere und somit besonders attraktive Lockrufe. Hinzu kamen kürzere und damit weniger ansprechende Laute, die als Ablenkung gedacht waren. Das Ziel war es zu untersuchen, wie die weiblichen Frösche auf die unterschiedlichen Balzrufe reagieren würden.
Zu viel Auswahl überfordert
Das Ergebnis: Konnten die Froschweibchen zwischen zwei Lauten – einem langen und einem kurzen – aussuchen, wählten sie in 77 Prozent der Fälle den längeren. Bekamen sie jedoch sieben kurze Lockrufe und nur einen langen zu hören, fiel ihnen die Entscheidung deutlich schwerer. Ihre Wahl fiel so nur mehr zu 25 Prozent auf den langen Balzlaut.
Manchmal waren die weiblichen Frösche sogar so überfordert, dass sie sich gar nicht erst entscheiden konnten. Und selbst wenn sich die Tiere schließlich zu einer Entscheidung durchrangen, dauerte dies wesentlich länger. Ein klarer Nachteil in freier Natur, wie Hemingway betont: „Je länger die Weibchen für ihre Entscheidung brauchen und an ein und demselben Ort verweilen, desto länger sind sie auch den dortigen Raubtieren ausgesetzt.“
Phänomen verhindert natürliche Selektion
Das Experiment mit den Copes Grauen Laubfröschen zeigt: Zu viel Auswahlmöglichkeit kann die Entscheidungsfindung erschweren. Dieses Phänomen wird in der Wissenschaft „Choice Overload“ oder „Auswahlparadox“ genannt und betrifft nicht nur Tiere, sondern auch Menschen. Auch auf Dating-Apps könne ein Überangebot dazu führen, gar keine Entscheidung zu treffen, meint die US-Biologin Hemingway. Ähnlich sei es bei Streamingdiensten: „Viele Menschen scrollen minutenlang durch das Angebot, nur um sich dann erst recht nicht entscheiden zu können.“
Ähnlich sei es bei den Froschweibchen. Die große Auswahl an potenziellen Partnern sorgt dafür, dass sie sich aus Überforderung entgegen ihrer eigentlichen Präferenz für einen Frosch mit einem weniger attraktiven Lockruf entscheiden – oder eben gar nicht. Laut Hemingway könnte dieses Auswahlparadox auch erklären, warum unattraktivere Männchen im Genpool erhalten bleiben und nicht durch die natürliche Selektion verschwinden.