Ausnahmegenehmigung: Amazon-Firma Zoox darf Robotaxis ohne Lenkrad auf US-Straßen betreiben
Eine zu Amazon gehörende Firma hat einen Durchbruch beim autonomen Fahren erzielt. Ihre elektrischen Minibusse dürfen künftig zahlende Fahrgäste transportieren, obwohl sie gegen einige US-Verkehrsvorschriften verstoßen.
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Die zum Amazon-Konzern gehörende Firma Zoox hat am Mittwoch die US-Zulassung für den begrenzten kommerziellen Einsatz ihrer neuartigen Robotaxis ohne Lenkräder und Pedale erhalten. Dies sei eine Premiere für die Branche der autonomen Fahrzeuge, teilte die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA am Donnerstag mit.
Die Behörde erteilte eine Ausnahmegenehmigung von acht Vorschriften, die Kontrollmöglichkeiten für Menschen an Bord oder auch Frostschutzmittel für die Windschutzscheibe verlangen. Dies ist ein Durchbruch für Unternehmen wie Zoox, die ihre Fahrzeuge von Grund auf fürs computergesteuerte Fahren entwickeln – während andere wie der Robotaxi-Vorreiter Waymo herkömmliche Autos umrüsten und allmählich erproben, mit welchen Situationen die Software ohne Sicherheitsfahrer umgehen kann. Auch Tesla hat inzwischen eine Kleinserie des lenkradlosen Modells Cybercab hergestellt und zuletzt häufiger Exemplare auf US-Straßen gestellt – aber ohne die Lizenz zum Fahren. Ebenso fehlt Tesla bislang ein veröffentlichter Plan, eine solche Erlaubnis zu erlangen, die meist von jahrelang dokumentierten Tests abhängt.
Zoox-Fahrzeug auf dem Firmengelände in Foster City, Kalifornien
Foto: Jessica Christian / ddp / San Francisco Chronicle / Polaris
Die elektrisch angetriebenen Fahrzeuge von Zoox haben das Format von Minibussen. Passagiere können hinter breiten Schiebetüren auf zwei Sitzreihen Platz nehmen, die nach innen gerichtet sind, also einander gegenüberliegen. Die Robotaxis sind für eine Höchstgeschwindigkeit von 75 Meilen pro Stunde (gut 120 Kilometer pro Stunde) ausgelegt.
Kontrollierte Freigabe
NHTSA-Direktor Jonathan Morrison sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Genehmigung sei an einen begrenzten Betrieb geknüpft. Zoox dürfe in den kommenden zwei Jahren jeweils bis zu 2500 Fahrzeuge kommerziell betreiben.
»Wir können mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die im Zoox verbauten Systeme die entsprechenden Leistungsanforderungen eines mit den Vorschriften konformen Fahrzeugs übertreffen«, sagte Morrison. »Wir wollen aber dennoch sicherstellen, dass das automatisierte Fahrsystem ordnungsgemäß funktioniert.« Zoox darf keines der Fahrzeuge an die Öffentlichkeit verkaufen.
Als Bedingung der Ausnahmeregelung legt die NHTSA Zoox zusätzliche Meldepflichten für Vorfälle wie Unfälle oder unsachgemäßes Anhalten auf Straßen auf. Je nach Verhalten der Fahrzeuge kann die Aufsichtsbehörde die Bedingungen anpassen. »Wir haben die Möglichkeit, die Ausnahmeregelung zurückzuziehen, wenn wir größere Sicherheitsprobleme feststellen«, sagte Morrison. Laut NHTSA müssen alle Mitarbeiter der Kontrollzentren, die im Notfall die Fahrzeuge fernsteuern können, in den Vereinigten Staaten ansässig sein. Zoox muss Karten der Einsatzgebiete der Fahrzeuge veröffentlichen.
Start in Las Vegas
Zoox befördert derzeit im Rahmen von Testfahrten Fahrgäste in Teilen von Las Vegas und San Francisco, seit Mitte 2025 mit Ausnahmegenehmigung der NHTSA. Die neue Regelung ermöglicht es Zoox, den Dienst gegen Geld anzubieten, falls die Bundesstaaten und Kommunen den Betrieb vor Ort genehmigen. Gegenüber »TechCrunch« erklärte Zoox, »bald« Fahrten gegen Gebühr in Las Vegas anzubieten und den Betrieb anschließend auf weitere Orte auszuweiten. Am Firmensitz in Kalifornien steht die Zustimmung verschiedener staatlicher Behörden noch aus.
Morrison zufolge geht die NHTSA davon aus, bundesweite Sicherheitsstandards für automatisierte Fahrsysteme bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Trump 2028 zu entwickeln. Einige bestehende, für menschliche Fahrer konzipierte Regeln wolle sie überarbeiten, beispielsweise die Pflicht zum Einsatz von Bremspedalen und Rückspiegeln.
Zunächst Softwaremängel beheben
Zunächst müssen die Betreiber autonomer Fahrzeuge jedoch einige Mängel beheben, um Sicherheitsbedenken auszuräumen – darunter auch Zoox. In diesem Monat veröffentlichte Morrison einen Brief, dem zufolge die NHTSA »ein klares Muster« beobachtet habe, dass fahrerlose Fahrzeuge »die Arbeit von Strafverfolgungsbehörden und anderen Ersthelfern behindern«. Die Entwickler müssten sich »unverzüglich« darauf konzentrieren, dieses Verhalten abzustellen.
Zuletzt hatten einige Firmen mit Softwareupdates offenbar Verstöße gegen Verkehrsregeln zugelassen, was Sorgen in der Öffentlichkeit und formelle Rückrufaktionen zum Aufspielen neuer Programme auslöste. So überholten Robotaxis von Waymo verbotswidrig haltende Schulbusse. Fahrerlose Autos fuhren in gesperrte Baustellen, blieben auf überfluteten Straßen oder auf stark befahrenen Kreuzungen stehen. »Sollten weiterhin Probleme auftreten, werden wir nicht zögern, unsere Durchsetzungsbefugnisse in vollem Umfang auszuschöpfen«, sagte Morrison.
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Im Anschluss an den Brief rief Zoox seine bestehende Flotte von 105 autonomen Testfahrzeugen zurück, um die Software zu aktualisieren. Begründet wurde dies damit, dass die Fahrzeuge möglicherweise starken Rauch, insbesondere in akuten Notfällen, nicht erkennen könnten.