Minenunglück in Zentralafrika: Wie gefährlich ist Kleinbergbau?

Nach dem schweren Einsturz einer Goldmine in Zamboye in der Zentralafrikanischen Republik mit Dutzenden Toten steht die dortige Goldgewinnung in der Kritik. Das Unglück wirft ein Schlaglicht auf die verheerende...

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Minenunglück in Zentralafrika: Wie gefährlich ist Kleinbergbau?

Nach dem schweren Einsturz einer Goldmine in Zamboye in der Zentralafrikanischen Republik mit Dutzenden Toten steht die dortige Goldgewinnung in der Kritik. Das Unglück wirft ein Schlaglicht auf die verheerenden Arbeitsbedingungen und die illegalen Handelswege des Edelmetalls. SRF-Afrika-Korrespondentin Sarah Fluck hat selbst eine vergleichbare Mine in Kongo-Kinshasa besucht und erklärt die Hintergründe des boomenden, aber hochgefährlichen Geschäfts.

Sarah Fluck

Afrika-Korrespondentin

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Sarah Fluck ist seit 2024 Afrika-Korrespondentin von Radio SRF und lebt in der ugandischen Hauptstadt Kampala. Vor ihrem Engagement bei SRF war Fluck als freie Journalistin in Ostafrika tätig. Sie hat Afrikapolitik an der School of Oriental and African Studies (Soas) in London studiert.

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Wie steht es um die Arbeitsbedingungen in den Minen?

Die Bedingungen sind sehr prekär. Viele Minenarbeiter arbeiten in tiefen, von Hand gegrabenen Schächten – oft bei extremer Hitze, mit kaum Schutzausrüstung und ohne verlässliche Abstützung der Wände. Wer legal arbeitet, müsste Sicherheitsvorschriften einhalten. In der Praxis ist die staatliche Kontrolle aber viel zu schwach. Beim am Dienstag eingestürzten Standort in Zamboye ist bis heute nicht einmal klar, ob er überhaupt lizenziert war und wer ihn konkret betrieben hat.

Bedeutet Kleinbergbau, dass dort nur wenig gefördert wird?

Der Begriff ist irreführend. Kleinbergbau bedeutet oft, dass das Gold mit einfachsten Mitteln von Hand abgebaut wird – also mit Hacken, Schaufeln und Eimern statt mit grossen Industriemaschinen.

Wie muss man sich eine solche Goldmine vorstellen?

Ich habe selbst eine Mine in Kongo-Kinshasa besucht. Mich hat die enorme Betriebsamkeit überrascht: An einer Stelle wurde Gold gewaschen, daneben Gestein zerschlagen, ein paar Meter weiter verschwinden Männer in engen Schächten. Auffällig war, dass viele Arbeiter aus dem Ausland kamen und oft an den gefährlichsten Orten weit unten in den Schächten arbeiteten. Im Schacht selbst war es irrsinnig heiss, eng, stickig und staubig. Auch viele Frauen arbeiten an der Oberfläche. Besonders erniedrigend fand ich die Kontrollen am Abend: Alle Arbeiter mussten sich komplett ausziehen und wurden untersucht, ob sie Gold versteckt hatten.

Viele Menschen arbeiten an einem schlammigen Hang mit Wasserbecken.
Legende:

Eine Goldmine in Iga-Barrière in Kongo-Kinshasa. (14.8.2026)

Symbolbild/Keystone/AP Photo/Dieudonne Dirole

Welche wirtschaftliche und politische Rolle spielt Gold für die Zentralafrikanische Republik?

Gold boomt: Die Preise sind hoch, Produktion und Exporte steigen. Spannend ist, wer bei den grössten industriellen Goldminen mitverdient. Das Abbaugebiet Ndassima wird von einer Firma aus dem russischen Umfeld mit Verbindungen zum früheren Wagner-Netzwerk betrieben. Hintergrund ist, dass die Regierung militärisch von Rebellen bedrängt wurde. Russland half mit Waffen und Kämpfern. Gleichzeitig erhielten russische Firmen Goldkonzessionen. Wie viel Geld beim Staat ankommt, ist sehr undurchsichtig.

Wohin wird das Gold aus der Zentralafrikanischen Republik exportiert?

Die Wege des Goldes sind unterschiedlich. Im Fall des Unglücksorts Zamboye wird das Gold laut UNO-Bericht oft auf Motorrädern über die Grenze nach Kamerun geschmuggelt. Dort wird es mit anderem Gold vermischt oder eingeschmolzen, wodurch die Herkunft verschleiert wird. Illegales Gold lässt sich so einfacher in den regulären Handel einschleusen. Viel Gold aus Kamerun landet in Dubai. Nach erneutem Einschmelzen verliert sich die Spur fast ganz. Von dort gelangt das Gold auf den Weltmarkt – und möglicherweise auch in die Schweiz.

Warum macht die aktuelle Regenzeit die Minen noch gefährlicher?

Der Regen dringt in die schlecht gesicherten Schächte ein. Das Wasser weicht den Untergrund so stark auf, bis die Wände der Tunnel schliesslich ihren Halt komplett verlieren. In der Folge brechen ganze Tunnelsysteme in sich zusammen oder Hänge rutschen ab.

Person an schlammigem Wasserbecken mit Sieb bei der Arbeit.
Legende:

Ein Mann wäscht in der Zentralafrikanischen Republik Gold. (9.5.2014)

Symbolbild/REUTERS/Siegfried Modola