Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin: Insolvenz von Hotelentwickler 12.18. verschärft Krise

Eigentlich wollte das Düsseldorfer Unternehmen 12.18. Investment Management Premium-Hotels in beliebten Ferienorten wie Ibiza, Sardinien oder Schottland bauen. Doch das Geschäft von Gründer Jörg Lindner und sei...

  • 3 min read
Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin: Insolvenz von Hotelentwickler 12.18. verschärft Krise

Eigentlich wollte das Düsseldorfer Unternehmen 12.18. Investment Management Premium-Hotels in beliebten Ferienorten wie Ibiza, Sardinien oder Schottland bauen. Doch das Geschäft von Gründer Jörg Lindner und seinem mittlerweile verstorbenen Geschäftspartner Kai Richter wollte in den vergangenen Jahren nicht so recht laufen. Nun hat die 12.18. Investment Management beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.

Diese Nachricht hat auch Auswirkungen auf das Versorgungswerk der Zahnärzte (VZB) in Berlin, das 2018 als Investor bei 12.18. eingestiegen war, und mittlerweile 60 Prozent der Anteile hält. Das VZB steckt selbst in einer schweren Krise.

VZB-Verantwortliche schwärmten von 12.18.

Die Schieflage der 12.18. dürfte die Probleme des VZB verschärfen, denn das Versorgungswerk hat den Hotelentwickler in den vergangenen Jahren immer wieder mit Krediten unterstützt. Geholfen hat das wenig. Die Geschäftsjahre von 12.18. endeten zuletzt regelmäßig mit Verlusten.

2023 erwirtschaftete das Unternehmen ein Minus von 47 Millionen Euro, ein Jahr später meldete die 12.18. einen Fehlbetrag von 21 Millionen Euro. Laut des zuletzt veröffentlichten Geschäftsberichts aus dem Jahr 2024 steht ein „nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag in Höhe von 65 Millionen Euro“ in den Büchern.

Daher freuen wir uns auf die vielen neuen Investments Ingo Bora Rellermeierdamaliger Vorsitzender des VZB-Verwaltungsausschusses im Jahr 2018

Dabei hatte das VZB nach dem Einstieg bei 12.18. ehrgeizige Ziele, um die Renditen der Zahnärzte zu erhöhen. „Der Tourismus ist der aktuell am stärksten wachsende Wirtschaftszweig weltweit. Daher lag eine Beteiligung an einem Projektentwickler nahe, der sich auf den Erwerb und Betrieb erstklassiger touristischer Destinationen spezialisiert hat“, ließ sich der damalige und mittlerweile gekündigte VZB-Direktor Ralf Wohltmann im Jahr 2018 in einer Pressemitteilung zitieren.

Und auch Ingo Bora Rellermeier, Zahnarzt und damaliger Vorsitzender des mächtigen VZB-Verwaltungsausschusses, schwärmte vom Einstieg beim Projektentwickler. Die Projekte seien einzigartig und an attraktiven Standorten, sagte er damals. „Daher freuen wir uns auf die vielen neuen Investments“, ergänzte er.

Viel Geld wollten 12.18. und das VZB mit Hotelprojekten verdienen, doch es kam immer wieder zu Problemen. Zum Beispiel beim 2017 gekauften Hotel La Chiripa auf Teneriffa. Längst hätte es saniert und verkauft werden sollen. Doch ist bis heute nur ein Rohbau zu sehen. „Auf der Baustelle tut sich seit Jahren nichts mehr“, sagte eine Anwohnerin im vergangenen Jahr gegenüber der WirtschaftsWoche.

Das Hotel La Chiripa auf Teneriffa, ein Projekt von 12.18., ist heute noch eine Baustelle. Foto: Privat

12.18.-Gründer Jörg Lindner bestätigte damals den Baustopp und verwies auf die Folgen der Corona-Pandemie. „Während dieser Zeit konnten wir das Bauvorhaben bis auf sichernde Maßnahmen nicht beginnen und mussten das Projekt anschließend wirtschaftlich komplett neu aufstellen. Wir sind derzeit in aussichtsreichen Verhandlungen und gehen davon aus, es zeitnah umsetzen zu können.“

Geschäftsbetrieb wird fortgeführt

Anstatt neuer Projekte steht für das VZB nun das Insolvenzverfahren der wichtigen Tochter auf der Tagesordnung. Das Amtsgericht Düsseldorf hat die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet und Rechtsanwalt Jens M. Schmidt zum vorläufigen Sachwalter bestellt. 12.18.-Geschäftsführer Uwe Drangmeister wird im Verfahren von der Kanzlei KebekusPartner unterstützt.

Ziel der Eigenverwaltung ist es, die wirtschaftlichen und finanziellen Strukturen der Gesellschaft zu überprüfen, neu zu ordnen und eine tragfähige Grundlage für die weitere Entwicklung zu schaffen. Der Geschäftsbetrieb werde wie gewohnt fortgeführt, bestehende Ansprechpartner und Abläufe blieben unverändert, heißt es aus Düsseldorf.

Überraschend kommt der Gang zum Amtsgericht für Branchenkenner nicht. Dass die Lage bei der VZB-Tochter angespannt ist, ließ sich bereits dem Geschäftsbericht 2024 entnehmen. Dort hieß es, dass die Liquidität bis Ende 2026 davon abhängig sei, „ob es dem Unternehmen gelingt, Immobilien oder weiteres Anlagevermögen zu verkaufen“. Dazu zählte auch das Projekt auf Teneriffa, das bis heute nicht verkauft wurde.

Darlehen in dreistelliger Millionenhöhe ausgereicht

Zudem brachten Darlehen des VZB in Höhe von 100 Millionen Euro die Tochter in Bedrängnis. „Für die Darlehen gegenüber den Gesellschaftern gibt es auf 18 Monate befristete Stillhalteerklärungen, die beinhalten, dass eine Fälligkeit dieser Forderungen ausgesetzt wird“, heißt es im Geschäftsbericht.