Riesige Marienstatue in Polen: Sind 55 Meter nicht etwas überdimensioniert?
Auch in einer Kleinstadt kann Großes entstehen: Am vergangenen Samstag wurde im polnischen Konotopie, einem Ortsteil von Kikół, 6500 Einwohner, eine riesige Statue eingeweiht – die angeblich größte Marienfigur ...
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Auch in einer Kleinstadt kann Großes entstehen: Am vergangenen Samstag wurde im polnischen Konotopie, einem Ortsteil von Kikół, 6500 Einwohner, eine riesige Statue eingeweiht – die angeblich größte Marienfigur in Europa. Sie misst inklusive Sockel mehr als 55 Meter und wurde von einem der reichsten Männer Polens gestiftet, Roman Karkosik, einem Unternehmer aus der Autozuliefererbranche. Die Baukosten werden auf 23 Millionen Euro geschätzt. Kritiker lästern, die Figur sei ein „King Kong auf dem Feld“. Doch die Bürgermeisterin hält dagegen.
SZ: Frau Gołębiewska, Ihr Ort ist jetzt weltberühmt. Wie fühlen Sie sich?
Renata Gołębiewska: Wir sind überrascht vom Ausmaß des Ruhms, darauf waren wir noch nicht vorbereitet. So richtig werden wir es aber erst in den kommenden Wochen spüren. Im Moment sind wir noch ganz gefangen vom Glanz der Eröffnungsfeier.
Wie gefällt Ihnen denn persönlich die Muttergottes?
Mir als gläubiger Person gefällt sie gut. Und auch wenn sie aus Beton ist, wirkt sie dennoch subtil und zart. Trotz ihrer mehr als 55 Meter wirkt sie nicht erdrückend, oder? Für mich persönlich ist es ein Ort der Besinnung. Wir haben schon Blumen dort und Rasen und Sitzbänke, und es kommt noch mehr Begrünung dazu. Darum kümmert sich der Investor. Es wird wirklich ein schöner Ort werden. Wir werden oft gefragt, warum ausgerechnet bei uns, warum Konotopie.
Also: warum Konotopie?
Zum einen wohnt der Herr Investor Roman Karkosik hier, also in Kikół. Und zweitens gibt es in Konotopie bereits ein Sanktuarium der schmerzensreichen Mutter. Man bittet sie um Heilung und Gesundheit. Dort pilgern jedes Jahr im September Gläubige hin. Ich kann mich daran erinnern, wie ich als Kind mit Mama und Papa dort war und die Marienfigur etwas schüchtern oder fast ängstlich betrachtet habe.

Renata Gołębiewska, 45, ist parteilos und seit zwei Jahren Bürgermeisterin von Kikół in Kujawien-Pommern. Die Kleinstadt mit 6500 Einwohnern liegt etwa 200 Kilometer nordwestlich von Warschau.
Konotopie war also früher schon ein bisschen bekannt.
Ja, hier in der Gegend schon, zumindest bei den Gläubigen. Der Marienkult ist in unserer Region sehr verankert. Es gibt hier eigentlich keine Gemeinde, in der wir nicht eine kleine Wegkapelle mit der Muttergottes oder ein Kreuz hätten. Auch wenn sich der Bezug zur Religion verändert: Hier bei uns treffen sich die Menschen an diesen Figuren. Sie kümmern sich darum, pflegen sie, pflanzen Blumen, mähen das Gras.
Was dachten Sie, als Sie das erste Mal von dem XXL-Vorhaben hörten?
Na, wir waren alle sehr überrascht. Vor allem von der Größe dieser Investition. Wir haben uns vorgestellt, wie das in unsere Landschaft passt, in die Natur. Sie ragt ja nun sehr deutlich heraus.

Natürlich gibt es dazu auch negative Kommentare, vor allem in den sozialen Netzwerken. Ich verstehe ja, dass man zu dieser Figur eine andere Meinung haben kann. Allerdings sollte man niemanden beleidigen, verspotten oder hassen. Wir fragen uns, ob diese Beiträge von Menschen stammen oder ob es sich einfach um solche Internet-Bots handelt. Denn es fällt uns schwer zu glauben, dass Menschen so viel Hass im Herzen tragen können.
Von den Einwohnern gibt es keine Kritik?
Nein. Die Leute sind stolz, dass diese Figur hier entstanden ist. Wir lachen oft darüber, wie wir früher immer erklären mussten, woher wir kommen. Und jetzt sagen wir, dass wir aus der Gemeinde Kikół bei Konotopie kommen.
Und Sie finden die Maria nicht zu groß?
Zu groß? Nein, sie ist nicht zu groß. Ehrlich gesagt, ich hätte sie noch größer gemacht. Früher hat man diese Wegfiguren aufgestellt, zum Beispiel um sich zu bedanken, dass man gesund geworden ist. Und mit dieser Figur wollte sich der Investor bedanken, dass er wieder gesund geworden ist. Er hatte diese Idee und hat sie einfach umgesetzt.
Das hat sicher lange gedauert.
Es verlief alles sehr reibungslos. Die Figur wurde in 13 Monaten fertiggestellt, also in Rekordzeit. Ich war auf der Baustelle und habe mehrfach mit den Bauunternehmern gesprochen und muss sagen, dass dort wirklich Ordnung herrschte. Alles war geplant, jeder Bautag, jede Phase Punkt für Punkt. Es gab keine unvorhergesehenen Ereignisse.

Jetzt ist es mit der Ruhe vorbei. Haben Sie keine Angst vor zu vielen Touristen?
Nein, wir bereiten uns vor. Das Potenzial ist groß. Wenn Konotopie wirklich ein Ort wird, wo regelmäßig viele Menschen hinkommen, dann werden hier viele profitieren, die einen Laden oder ein Restaurant haben oder Zimmer vermieten. Das entwickelt die ganze Region. Schon während der Bauzeit kamen so viele Besucher, dass die Wirte Rekorde gebrochen haben. Aber ich möchte nicht, dass die Pilger und Touristen nur die Statue ansehen, wie haben ja hier noch andere schöne Orte. Eine schöne Landschaft mit Seen, die ist auch einen Besuch wert.
Es ist aber etwas abgelegen.
Naja, im Zentrum von Kikół haben wir einen Busbahnhof, es gibt schon öffentliche Verkehrsmittel. An der Figur ist ein großer Parkplatz, gebührenfrei. Und es wird kein Eintritt für das Anschauen der Statue verlangt.
Aber ein bisschen in die Infrastruktur investieren müssen Sie schon noch?
Ja, das tun wir. Wir wollen auch einen Fuß- und Radweg anlegen, damit wollen wir im Herbst noch anfangen, weil viele mit dem Fahrrad kommen. Da müssen wir schauen, dass die sicher zur Statue gelangen, denn sie steht an einer viel befahrenen Straße.
Wie viele Menschen kamen denn am ersten Wochenende?
Das ging in die Tausende, pro Tag werden es wohl 5000 gewesen sein.
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