Cai Qi – Xis engster Vertrauter mit unvergleichlicher Machtfülle

Xi Jinpings engster Vertrauter: Cai Qi, der Strippenzieher hinter den KulissenDerzeit entspannt sich Chinas Parteielite in dem mondänen Seebad Beidaihe. Auch dort dürfte Cai Qi kaum von der Seite seines Chefs w...

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Cai Qi – Xis engster Vertrauter mit unvergleichlicher Machtfülle

Xi Jinpings engster Vertrauter: Cai Qi, der Strippenzieher hinter den Kulissen

Derzeit entspannt sich Chinas Parteielite in dem mondänen Seebad Beidaihe. Auch dort dürfte Cai Qi kaum von der Seite seines Chefs weichen. Wer ist der Mann hinter Xi Jinping?

08.08.2026, 05.31 Uhr

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Cai Qi ist Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros und de facto Xis Stabschef. Damit ist er der wohl zweitmächtigste Mann Chinas.

Cai Qi ist Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros und de facto Xis Stabschef. Damit ist er der wohl zweitmächtigste Mann Chinas.

Alexander Kazakov / Imago

Am Montagnachmittag trat Cai Qi im Staatsgästehaus von Beidaihe vor rund sechzig führende Grundlagenforscher, Sozialwissenschafter und Philosophen Chinas – und gab ihnen Hausaufgaben auf.

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«Der kürzlich in Kraft getretene 15. Fünfjahresplan ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, China zu einer führenden Bildungs-, Wissenschafts- und Technologienation zu machen», rief Cai den angereisten Experten zu. Sie hätten daran mitzuarbeiten, sollte das wohl heissen.

Cais Auftritt war aber auch das Signal, dass die jährliche Sommer-Retraite der Spitzenkader der Kommunistischen Partei begonnen hatte. In einer Bungalowsiedlung unter Kiefern am Strand von Beidaihe erholen sich die Funktionäre jedes Jahr im August für rund zwei Wochen und beraten über die grossen politischen Linien der kommenden Monate.

Stets loyal gegenüber dem Chef

Cai Qi kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, denn der hünenhafte Mann mit den dünnen silbergrauen Haaren ist der engste Vertraute des Staats- und Parteichefs Xi Jinping. Keinem Funktionär in der Parteispitze vertraut Chinas starker Mann mehr als Cai, wohl auch, weil er sich gegenüber seinem Chef stets loyal zeigte.

Stets an der Seite seines Chefs: Im März 2025 trafen der Staats- und Parteichef Xi Jinping und Cai Qi in Peking zahlreiche CEO ausländischer Konzerne.

Stets an der Seite seines Chefs: Im März 2025 trafen der Staats- und Parteichef Xi Jinping und Cai Qi in Peking zahlreiche CEO ausländischer Konzerne.

Florence Lo / Reuters

Xi belohnte die Treue. Vor vier Jahren ernannte er Cai zum ersten Sekretär der Kommunistischen Partei, ein Jahr später wurde er Direktor des sogenannten Generalbüros der Partei. In diesem Jahr schliesslich hievte Xi seinen Vertrauten auf den Chefposten der Parteischule. Mit der Ämterfülle ist Cai Qi ein «grosser Sekretär», wie es im Parteijargon heisst.

«Cais Vorgänger hatten auch immer eine beträchtliche informelle Autorität», schreibt Wen-Hsuan Tsai, Politikwissenschafter an der Academia Sinica in Taiwan. Dazu gehörten die Organisation des Transports für den Chef, auch der Personenschutz sowie die Verantwortung für die medizinische Versorgung. Darüber hinaus führten «grosse Sekretäre» meist den Kalender ihres Chefs und entwürfen wichtige Dokumente, schreibt Tsai.

Formal ist der Ministerpräsident Li Qiang die Nummer zwei in der Parteihierarchie. Tatsächlich dürfte Cai Qi aber über weit mehr Macht und Einfluss verfügen. Der Spitzenkader sitzt seit 2022 im Ständigen Ausschuss des Politbüros. Dass ein Mitglied des Spitzengremiums gleichzeitig das Generalbüro der Partei leitet und damit der Stabschef Xis ist, gab es letztmals unter dem Staatsgründer Mao Zedong.

Doch Cai hat noch mehr Macht und Einfluss als Maos damaliger «grosser Sekretär» Wang Dongxing. Cai Qi ist der Hauptverantwortliche bei der Umsetzung politischer Leitlinien; als Chef der Parteischule muss er ausserdem dafür sorgen, dass Chinas Nachwuchskader ideologisch eingenordet werden.

Auf jeder Reise Xis dabei

«Cai Qi hat eine absolute Ausnahmestellung in der Geschichte der Kommunistischen Partei», schreibt der Politikwissenschafter Tsai. Manche Beobachter handeln Cai darum als einen möglichen Nachfolger von Xi.

Es fällt auf, dass Cai Qi kaum von der Seite seines Chefs weicht. Bei jeder Reise Xis in China ist er dabei, bei Spitzentreffen der Partei sitzt er stets neben Xi Jinping. Anders als seine Vorgänger als Chef des Generalbüros der Partei spielt Cai aber auch bei Chinas internationaler Politik eine hervorgehobene Rolle. Bei Xis Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Südkorea im vergangenen Oktober sass er neben seinem Chef. Jüngst hat Cai sogar Staatsführer aus Indien, Ägypten und der Türkei allein empfangen.

In der Vergangenheit löste Cai Qi auch knifflige zwischenstaatliche Probleme. Als vor vier Jahren in Grossbritannien zwei Chinesen wegen angeblicher Spionagetätigkeiten angeklagt werden sollten, soll Cai eingegriffen haben.

Ein hochrangiger Vertreter der britischen Sicherheitsbehörden sagte damals aus, einer der Verdächtigen habe ein Mitglied des Spitzengremiums aus China getroffen. Dieser sei 2017 zum Parteichef von Peking ernannt worden und fünf Jahre später in den Ständigen Ausschuss des Politbüros aufgerückt. Die Beschreibung passt nur auf Cai Qi.

Cai hat «dem Genossen Xi Jinping» gedient

Cai Qi und Xi Jinping teilen gleiche Erfahrungen. Beide wurden während der Kulturrevolution im Teenageralter zur Arbeit aufs Land verschickt. Zum ersten Mal dürften sich die beiden Politiker Mitte der neunziger Jahre in der Ostprovinz Fujian, Cais Heimatprovinz, begegnet sein.

Xi wurde zum stellvertretenden Parteisekretär der Provinz ernannt, Cai bekam den Auftrag, er möge «dem Genossen Jinping dienen». Fortan arbeiteten die beiden Männer über fünfzehn Jahre in der Politik der Provinzen Fujian und Zhejiang. Das schweisst zusammen.

Frühe Weggefährten kennen Cai Qi noch als warmherzigen und sensiblen Menschen. Als er als Abgesandter der Provinz Zhejiang im Jahr 2012 Taiwan besuchte, traf er dort seinen hochbetagten Onkel. Anschliessend erzählte Cai, er sei beim Abschied in Tränen aufgelöst gewesen.

Zu jener Zeit war der heutige Spitzenkader noch ein aktiver Nutzer des chinesischen X-Pendants Weibo. Unter dem Namen «Onkel Cai» postete er auch einmal Persönliches. Doch Cai suchte vor allem die Nähe der einfachen Chinesen, um zu erfahren, wo sie der Schuh drückte. Zeitweise galt er als einer der zugänglichsten Politiker des Landes.

Schwierige Aufgaben in Peking

All das änderte sich im Jahr 2016. Xi Jinping war inzwischen Generalsekretär der Partei und Staatspräsident geworden und hievte seinen langjährigen Weggefährten auf den Bürgermeisterposten in Peking. Xi trug Cai Qi zwei schwierige Aufgaben auf: Er habe den Ansturm der Wanderarbeiter auf die Hauptstadt zu stoppen und die Umweltverschmutzung unter Kontrolle zu bringen.

Es muss ein Einschnitt für Xis Gefolgsmann gewesen sein. Cai Qi schloss seinen Weibo-Kanal und änderte auch seinen Duktus. Wanderarbeiter bezeichnete er als «Menschen am unteren Ende». Im Internet kursiert ausserdem ein Video, auf dem der Politiker zunächst mit den Fingern auf den Tisch tippt und dann loslegt: «Wenn man an der Basis arbeitet, muss man Gewalt anwenden, mit dem Bajonett kämpfen und sich trauen, die Probleme frontal anzugehen.»

Schaut man sich die Hauptstadt heute an, kann es keinen Zweifel geben: Cai Qi hat die Aufgaben, die Xi ihm auftrug, gelöst. Er gilt als ruchloser und eiskalter Umsetzer – ganz so wie sein Chef.

Ungewisse Zukunft

Fraglich ist, wohin es Cai Qi im kommenden Jahr verschlagen wird. Im Herbst 2027 soll in Peking der 21. Parteitag über die Bühne gehen. Zahlreiche Spitzenpositionen müssen neu besetzt werden.

Dass Cai seinem jetzigen Chef als Generalsekretär der Partei nachfolgt, ist unwahrscheinlich. Der Mann an der Seite Xis wird im kommenden Jahr 72. Damit ist er eigentlich zu alt, um das Amt anzutreten. Womöglich hat Xi seinen Vertrauten mit so viel Macht ausgestattet, damit er intern schon jetzt dafür sorgen kann, dass sein Chef im Herbst nächsten Jahres seine vierte Amtszeit als Parteichef bekommt.

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