Rache im Job: So rächen sich Mitarbeiter

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Rache im Job: So rächen sich Mitarbeiter

Rache am Chef? Tut oft nur im ersten Moment gut. Foto: Getty Images

Mitarbeiter schlagen zurück: „Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird“

Die Expertin Susanne Reinker warnt Chefs: Beschäftigte üben häufiger Rache, als sie denken – mit teils fatalen Konsequenzen.

WirtschaftsWoche: Vom geklauten Stift bis zum absichtlich angeklickten Phishing-Link: Unterschätzen Chefs, wie viel Schaden Mitarbeiter mit Racheaktionen anrichten können?
Susanne Reinker: Chefs machen sich oft keine Vorstellung davon, welche Folgen das Gefühl von Ungerechtigkeit haben kann. Selbst für den kleinsten Mitarbeiter gibt es unendliche Möglichkeiten, den Ruf und damit die Finanzlage seiner Firma zu schädigen. Wenn jemand bei einem Möbelhändler immer eine Schraube zu wenig in die Packung tut, mag das an sich eine Kleinigkeit sein, hat aber große Folgen für die Kundenzufriedenheit. Bei Sabotage geht es noch brutaler zu.

Wie verbreitet ist Rache in deutschen Unternehmen?
Rache ist als Begriff stigmatisiert. Ich spreche lieber von Rebellion oder Akten ausgleichender Gerechtigkeit. Die Forschung zeigt ganz klar, dass das nicht einfach nur ein Reflex ist. Der Drang, aus der Opferrolle herauszukommen und sich zu wehren, wenn man unfair behandelt wird, ist quasi neurologisch begründet.

Rache ist gut für die Psyche?
Natürlich, Forscher sprechen da von Seelenhygiene. Wir brauchen Akte kleiner Rache, bevor wir eine Ungerechtigkeit vergeben können.

Wie sollte das zum Beispiel aussehen?
Eine Teamassistentin wird vom Vorgesetzten vor versammelter Mannschaft angebrüllt. Sie wird vermutlich beim nächsten wichtigen Anruf für ihren Boss die Nachricht erst verspätet weitergeben oder Fakten verdrehen. Selbst klitzekleine Anti-Aktionen stellen das mentale Gleichgewicht wieder her.

Allerdings kann ja auffallen, dass sie ihre Arbeit nicht anständig macht. Damit schadet sie sich.
Für einen Menschen, der aus einer Opferrolle raus will, sind die Konsequenzen ab einem gewissen Punkt egal – das zeigt die Forschung. Außerdem nehmen wir laut der Spieltheorie persönliche Nachteile in Kauf, um unfaires Verhalten zu sanktionieren. Unternehmen ignorieren aber das Pulverfass, auf dem wir alle sitzen.

Susanne Reinker Foto: Ari Hantke

Zur Person

Susanne Reinker ist Autorin und Diplom-Übersetzerin. Ihr Buch „Rache am Chef. Was passiert, wenn Mitarbeiter sich ungerecht behandelt fühlen” ist bei Econ erschienen.

Am Kopierer vermeintlich vergessene Kündigungslisten, private Wasserkocher, die einen Schwelbrand verursachen, oder laut im Restaurant ausgeplauderte Interna – davon berichten Sie in Ihrem Buch. Bringen Sie die Leser mit Ihren Beispielen für Racheaktionen womöglich erst auf Ideen?
Arbeitgeber und ihre Anwälte sprechen auch öffentlich darüber, wie sie Mitarbeiter mobben, bis diese die Kündigung einreichen. Meine Beispiele sind da nur ausgleichende Gerechtigkeit. Aber ich muss natürlich darauf hinweisen, dass alles legal bleiben sollte. Und: Auf den süßen Rausch kann schnell der Kater folgen. Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.

Sie raten deshalb, sich die Vergeltungsaktion genau zu überlegen. Was ist besonders wichtig?
Man sollte klären, ob man selbst vielleicht eine Teilverantwortung für den Konflikt hat. Außerdem muss man mit den Konsequenzen der Tat leben können. Wenn eine Sabotage den gesamten Betrieb lahmlegt, trifft das ja auch Kollegen. Im schlimmsten Fall ist die Firma so geschwächt, dass Leute entlassen werden. Darüber sollte man vorher nachdenken. Bitte nicht über das Ziel hinausschießen. Schuldgefühle sind schlimmer als Wut.

Sie schildern den Fall eines Mitarbeiters, dessen Chef sich mit seiner Arbeit geschmückt und den er sofort erfolgreich im Intranet bloßgestellt hat. Das war eine spontane Racheaktion.
Bei diesem Beispiel hat der Mann bereits seit gut einem Jahr die Zähne zusammengebissen – bis ein Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht hat. In den allermeisten Fällen gibt es eine unausgesprochene Vorgeschichte und es wurden immer wieder geistig Szenarien ausgleichender Gerechtigkeit durchgespielt. Spontan ist die Vergeltung deshalb meist nicht. Rachefantasien haben wir alle.

Warten viele Beschäftigte zu lange mit der Rache?
Wir sind mit der Norm erzogen worden, dass wir fair sein sollen. Da braucht es viel, um das hinter uns zu lassen und Vergeltung zu üben. Wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen, aktiviert das im Gehirn dieselben Zonen wie körperlicher Schmerz. Wenn ein Mitarbeiter sich lange Zeit ungerecht behandelt fühlt, hat Vergeltung sehr häufig nichts mit blindwütiger Rache zu tun. Sondern derjenige möchte andere schützen, damit sie nicht dieselbe Behandlung erfahren. Besonders mächtig wird dieses Gefühl in den sozialen Medien, wenn sich Mitarbeiter zusammenschließen und wehren.

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Sollte eine Führungskraft schneller Rache vermuten, wenn immer wieder Sachen schieflaufen?
Im Idealfall stellen sich Führungskräfte und Firmen unangenehm selbstkritische Fragen. Bei Sabotage kann eine anonyme Mitarbeiterbefragung bei der Aufklärung helfen. Auch Diebstahl und Betrug sind oft eine Form von Rache. Mitarbeiter, die das mitbekommen, melden den Täter oder die Täterin aber nicht, wenn sie sich selbst ungerecht behandelt oder bezahlt fühlen.

In der WiWo Summer School liefern wir Ihnen Inspiration, die Ihren Managementalltag verändert. Hier finden Sie alle Lektionen.

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