Wo Bill Ackman auf steigende Kurse setzt
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Stand: 14.08.2026, 18:58 Uhr
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Wer dem Star-Investor folgte und im ersten Quartal den Microsoft-Dip kaufte, hat viel Geld verdient. Jetzt sieht Ackman Netflix mit „erheblichem Abschlag“ handeln.
Der Gründer von Pershing Square Capital Management setzt traditionell auf wenige Positionen in seinem Portfolio. Umso interessanter ist der Blick hinein, muss Ackman ja entsprechend überzeugt von den ausgewählten Unternehmen sein, wenn er so ein großes Klumpenrisiko eingeht. Im zweiten Quartal hat Ackman nun gleich sechs neue Beteiligungen aufgebaut und damit den größten Portfolioumbau seit Jahren angestoßen.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit BÖRSE am Sonntag.
Im Zentrum: Netflix. Ackman hatte bereits 2022 auf den Streamingriesen gesetzt, damals aber nach einem dramatischen Kurseinbruch die Reißleine gezogen. Der Verlust: mehr als 400 Millionen Dollar. Jetzt ist er wieder an Bord – und offenbar überzeugter denn je, dass sich die Geschichte diesmal anders entwickeln wird.

Netflix fundamental unterbewertet?
Ende Juni hielt Pershing Square rund 3,15 Millionen Netflix-Aktien, die etwa 4,9 Prozent des Portfolios ausmachten. Ackmans Investmentthese: Netflix habe den jahrelangen Wettbewerb unter den Streamingdiensten letztlich für sich entschieden. Gleichzeitig sei das Unternehmen heute wesentlich profitabler und breiter aufgestellt als bei seinem ersten Investment.
Vor allem das Werbegeschäft, die weiterhin wachsende Abonnentenbasis und die Maßnahmen gegen das kostenlose Teilen von Zugängen haben Netflix neue Wachstumsquellen erschlossen. Hinzu kommt die zunehmende Profitabilität. Ackman erwartet, dass der Umsatz auch künftig zweistellig wachsen kann, während die Kosten für Inhalte langsamer steigen. Dadurch würde die operative Marge weiter zulegen. Ackman zufolge wird Netflix derzeit mit einem „erheblichen Abschlag“ auf seinen langfristig erwarteten Wert gehandelt. Für den Star-Investor ist die Aktie damit keine Streaming-Wette, sondern auf steigende Gewinne und einen wachsenden freien Cashflow. Die Netflix-Aktie hat nach ihrem Höhenflug zudem deutlich an Wert eingebüßt und liegt weit unter früheren Rekordständen. Das macht die Aktie aus Ackmans Sicht attraktiver als noch vor einigen Jahren.
Visa und Mastercard: Mautstellen der digitalen Wirtschaft
Neben Netflix setzt Ackman auf die Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard. Beide profitieren vom weltweiten Trend weg vom Bargeld und hin zu elektronischen Zahlungen. Ihr Geschäftsmodell ist dabei besonders attraktiv, weil sie nicht selbst das Kreditrisiko der Verbraucher tragen müssen. Sie stellen die Infrastruktur bereit, über die Zahlungen laufen – und kassieren bei jeder Transaktion mit.
Für Ackman passt das perfekt zu seinem Anlagestil, den der früher eher aktivistisch agierende Investor immer mehr an den Value-Stil von Warren Buffett anpasst: starke Marktposition, hohe Eintrittsbarrieren, wiederkehrende Einnahmen und langfristiges Wachstum. Gleichzeitig sind Visa und Mastercard weniger unmittelbar vom KI-Investitionszyklus abhängig als viele der derzeitigen Börsenstars.
S&P Global: Daten gegen die KI-Angst
Ein weiterer Neuzugang ist S&P Global. Der Finanzdaten- und Indexanbieter besitzt mit seinen Ratings, Marktinformationen und Indizes eine starke Stellung im globalen Finanzsystem. Das Geschäft mit Daten und Analysen wird von Investoren aber auch kritisch beäugt, da diese befürchten, Künstliche Intelligenz könnte traditionelle Informationsdienstleister unter Druck setzen.
Ackman sieht die andere Seite der Medaille. S&P Global verfügt über tief verankerte Kundenbeziehungen, enorme Datenbestände und Geschäftsbereiche, bei denen Vertrauen und regulatorische Anforderungen eine entscheidende Rolle spielen. Die KI könnte daher nicht nur Konkurrenz, sondern auch Produktivitätshebel sein.
Intercontinental Exchange: Börsenbetreiber mit Wachstumsfantasie
Auch Intercontinental Exchange, kurz ICE, gehört künftig zum Pershing-Square-Portfolio. Der Konzern betreibt unter anderem die New York Stock Exchange und zahlreiche weitere Handels- und Finanzplattformen. Hinzu kommen Daten- und Clearinggeschäfte. Das Unternehmen profitiert damit von einem simplen Börsenprinzip: Je mehr an den Finanzmärkten gehandelt, abgesichert und bewertet wird, desto mehr verdient der Betreiber der Infrastruktur. Besonders interessant ist für Ackman die Kombination aus etablierten Geschäftsbereichen und strukturellem Wachstum. Die ICE-Aktie hat sich zuletzt vergleichsweise solide entwickelt und bewegt sich in der Nähe historischer Höchststände. Ackman kauft also keineswegs ausschließlich gefallene Engel. Vielmehr setzt er auch auf Unternehmen, deren Geschäftsmodelle er für derart robust hält, dass eine hohe Bewertung langfristig gerechtfertigt sein kann.
Alcon: Augen statt KI
Der sechste Neuzugang ist Alcon. Das Schweizer Unternehmen ist auf Augenheilkunde spezialisiert und entwickelt Produkte für die chirurgische Augenmedizin sowie Kontaktlinsen und Lösungen zur Behandlung von Sehschwächen. Damit landet ein Unternehmen im Portfolio, das von der alternden Weltbevölkerung und der steigenden Nachfrage nach medizinischer Versorgung profitiert. Alcon passt damit in Ackmans Beuteschema: ein spezialisierter Marktführer mit hohen Eintrittsbarrieren und langfristig planbarer Nachfrage.
Microsoft zeigt, wie Ackman denkt
Den vielleicht wichtigsten Hinweis darauf, wie Ackman seine neuen Positionen ausgewählt hat, liefert ein Investment, das bereits einige Monate älter ist: Microsoft. Ackman begann Anfang 2026 damit, die Aktie zu kaufen, nachdem sie nach enttäuschenden Quartalszahlen unter Druck geraten war. Während viele Anleger damals vor allem auf die enormen Kosten des KI-Ausbaus blickten, konzentrierte sich Ackman auf das, was seiner Ansicht nach langfristig daraus entstehen kann. Seine Rechnung ging bislang auf. Microsoft erholte sich deutlich und legte insbesondere nach den jüngsten Geschäftszahlen kräftig zu. Mit rund 1,52 Millionen Aktien und einem Anteil von 12,4 Prozent ist Microsoft inzwischen die größte Position von Pershing Square. Dahinter folgt Uber mit einem Portfolioanteil von rund zwölf Prozent. Das Muster ist offensichtlich: Ackman kauft keine Unternehmen, nur weil deren Aktien gefallen sind. Er sucht Qualitätsunternehmen, bei denen der Markt seiner Ansicht nach das langfristige Gewinnpotenzial unterschätzt.
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Ein neuer Ackman – oder nur ein neuer Zyklus?
Ackmans Portfolio-Umbau kommt allerdings auch zu einem Zeitpunkt, an dem er selbst unter Druck steht. Bis Ende Juli lag Pershing Square USA im laufenden Jahr 3,5 Prozent im Minus. Die börsennotierte Pershing Square Holdings lag sogar rund 9,2 Prozent zurück, während der S&P 500 deutlich zulegte. Das erklärt möglicherweise auch die Breite der jüngsten Käufe. Ackman reduziert seine Abhängigkeit von einzelnen Wetten und baut gleichzeitig Positionen in Unternehmen auf, die unterschiedliche Wachstumsquellen besitzen: Streaming, digitale Zahlungen, Finanzdaten, Börseninfrastruktur und Medizintechnik.
Ob die Rechnung aufgeht, muss sich erst zeigen. Doch für Anleger ist Ackmans aktueller Kurswechsel interessant, weil er eine klare Botschaft enthält: Nach dem KI-getriebenen Börsenboom sucht einer der bekanntesten Investoren der Welt verstärkt nach Unternehmen, deren eigentliche Stärke nicht in einer großen Zukunftsvision, sondern in dauerhaft steigenden Gewinnen liegt.