Wissenschaftlerin Pia erträgt die Realität nicht mehr - „Lebensenergie“ holt sie aus Fantasy-Welt

Fantasy-Welten statt Krisen, Gaming statt Alltag. In dieser neuen ZDF-Reportage geht Moderator Eric Mayer der Frage nach, warum immer mehr Menschen der Realität entfliehen wollen - und welche Folgen das haben kann.

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Wissenschaftlerin Pia erträgt die Realität nicht mehr - „Lebensenergie“ holt sie aus Fantasy-Welt

Stand: 19.07.2026, 06:00 Uhr

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"Fantasiewelten: Gut für die Psyche?" - Pia nutzt "Live Action Role Playing", um sich eine Auszeit von der Realität zu nehmen. Im Gespräch mit Eric Mayer erklärt sie, dass es ihrer psychischen Gesundheit guttut.

"Fantasiewelten: Gut für die Psyche?" - Pia nutzt "Live Action Role Playing", um sich eine Auszeit von der Realität zu nehmen. Im Gespräch mit Eric Mayer erklärt sie, dass es ihrer psychischen Gesundheit guttut. © ZDF/Jan_Hinkes

Fantasy-Welten statt Krisen, Gaming statt Alltag. In dieser neuen ZDF-Reportage geht Moderator Eric Mayer der Frage nach, warum immer mehr Menschen der Realität entfliehen wollen - und welche Folgen das haben kann.

Schwertkämpfe, Ritter in Rüstungen und mystische Wesen. Was aussieht wie die Kulisse eines Fantasyfilms, ist für viele Menschen ein Zufluchtsort. Genau dort beginnt die neue ZDF-Reportage „Terra Xplore: Fantasiewelten: Gut für die Psyche?“, in der Wissenschaftsjournalist Eric Mayer einer spannenden Frage nachgeht: Wären wir glücklicher, wenn wir weniger Zeit in der Realität verbringen würden?

"Fantasiewelten: Gut für die Psyche?" - Viele Menschen erleben den Alltag als sehr belastend. Aus diesem Grund stürzen sich einige von ihnen bei einem Live-Rollenspiel in eine neue Welt.

„Fantasiewelten: Gut für die Psyche?“ - Viele Menschen erleben den Alltag als sehr belastend. Aus diesem Grund stürzen sich einige von ihnen bei einem Live-Rollenspiel in eine neue Welt. © ZDF/Jan_Hinkes

Eric trifft Pia, leidenschaftliche LARP Teilnehmerin. LARP steht für „Live Action Role Playing“ und ist ein interaktives Rollenspiel, bei dem die Teilnehmer in aufwendigen Kostümen in selbst erfundene Figuren schlüpfen und gemeinsam Geschichten in Echtzeit erleben. „Es ist ein bisschen so, als würdest du ein Computerspiel spielen, aber es findet in echt statt“, erklärt Pia.

Für mehrere Tage lässt sie dabei ihren Alltag hinter sich. Denn die Realität fällt ihr zunehmend schwer. Pia arbeitet als Wissenschaftlerin und beschäftigt sich mit dem Thema Ernährung. „In der Zukunft werden wir viel weniger Ackerfläche haben“, erklärt sie voller Sorge. Obwohl ihr die Arbeit Spaß mache, sei sie auch „sehr belastend“. „Hunger, Kriege, Artensterben - manchmal möchte ich einfach die Nachrichten ausschalten.“

Offline vor der US-Wahl

Vor der letzten Präsidentschaftswahl in Amerika habe sie deshalb sogar zwei Monate lang keine Nachrichten mehr konsumiert, weil ihr das alles „zu viel“ gewesen sei. Alles um sie herum „brenne“, beschreibt sie ihre Gefühlslage. Gleichzeitig könne sie daran „nichts ändern“. Im LARP finde sie genau den Ausgleich, den sie brauche. Dort verschwende sie ihre „Lebensenergie“ nicht an Dinge, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen. Stattdessen habe das Hobby sie sogar selbstbewusster und stärker gemacht, erzählt sie.

Auch ZDF-Reporter Eric lässt sich auf das Abenteuer ein. Als Dorfbewohner Friedhelm wird er Teil der Fantasiewelt und erhält direkt einen Auftrag. Er soll einen Brief überbringen und ein Tagebuch austauschen. Was zunächst harmlos klingt, entwickelt sich schnell zu einem turbulenten Abenteuer. Immer wieder gerät er in Kämpfe und muss sich bewusst machen, dass niemand tatsächlich verletzt wird. Besonders kurios wird es, als ihm im Spiel sogar symbolisch die Hand an den Mund „genäht“ wird, weil er zu viel geredet hat.

Raus aus der Spielsucht

Doch die Flucht aus der Realität kann auch gefährlich werden. Das zeigt die Geschichte von Lars, dessen Name geändert wurde. Für ihn wurde das Eintauchen in eine andere Welt irgendwann zur Sucht. Tagelang verlor er sich im Gaming und vernachlässigte dabei seine Hygiene, soziale Kontakte und seine Verpflichtungen. Immer wieder wurde ihm bewusst, dass sein Spielverhalten nicht normal war. Doch statt Konsequenzen zu ziehen, startete er einfach das nächste Spiel.

Der Tiefpunkt folgte 2016. Damals hätte er „zum dritten Mal eine Prüfung hätte antreten sollen“, erzählt Lars in der ZDF-Reportage. Er erschien jedoch nicht. Sein Studium war damit beendet und er musste gezwungenermaßen einen neuen Bachelorstudiengang beginnen. Doch auch dort bestimmte die Spielsucht weiterhin seinen Alltag. Erst der Aufenthalt in einer Suchtklinik und ein Entzug halfen ihm dabei, aus dem Kreislauf auszubrechen.

Das steckt hinter dem Tagträumen

Neben diesem persönlichen Schicksal wirft die Reportage auch einen wissenschaftlichen Blick auf das Thema. Dafür begleitet Eric unter anderem den portugiesischen Neuropsychologen Professor Óscar Gonçalves, dessen Spezialgebiet das Tagträumen ist. Er erklärt, dass wir etwa die Hälfte unserer Zeit mit unseren Gedanken abschweifen. „Wir sind hier und achten auf unsere Umgebung, aber plötzlich versinken wir in Tagträumen und lassen unsere Gedanken wandern.“

Wenn der Mensch keine konkrete Aufgabe bearbeitet, wird besonders das sogenannte Default Mode Network aktiv, ein Netzwerk im Gehirn, das mit inneren Gedankenprozessen verbunden ist. Das Gedankenwandern spielt eine wichtige Rolle für das Gehirn, da es dabei helfen kann, neue Verbindungen zwischen verschiedenen Erinnerungen und Informationen herzustellen. Auf diese Weise werden neues Wissen und neue Erinnerungen gefestigt. Dies sei eine wichtige Grundlage, erklärt er.

Darüber hinaus werden dem Tagträumen weitere wichtige Prozesse zugeschrieben. Menschen bewegen sich dabei in einer mentalen Navigation zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dabei beschäftigen sie sich häufig mit zukünftigen Möglichkeiten, indem sie kommende Ereignisse planen oder gedanklich durchspielen. Eine weitere Funktion des Tagträumens liegt in der Förderung von Kreativität, da durch die Verbindung unterschiedlicher Gedanken neue Ideen entstehen können. All diese Prozesse spielen eine wichtige Rolle für die Entwicklung und Funktionsweise des Gehirns.

„Terra Xplore: Fantasiewelten: Gut für die Psyche?“ läuft am Sonntag, 26. Juli, um 17.15 Uhr im ZDF und ist bereits in der Mediathek streambar. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)