„Wir haben geliefert“: Schwesig setzt zum Wahlkampfauftakt auf Selbstlob
Die SPD Mecklenburg-Vorpommern hat für ihren Wahlkampf-Auftakt eine Kulisse gewählt, die für sich spricht: das Schweriner Schloss im Rücken, Wasser vor Augen und leuchtend grüner Rasen unter den Füßen. Anders a...
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Die SPD Mecklenburg-Vorpommern hat für ihren Wahlkampf-Auftakt eine Kulisse gewählt, die für sich spricht: das Schweriner Schloss im Rücken, Wasser vor Augen und leuchtend grüner Rasen unter den Füßen. Anders als die CDU im Land, die im Wahljahr 2026 lieber auf Bescheidenheit setzt, macht die SPD auf Größe, auf Staatsakt. Und sie bekommt, was sie will.
Die Sonne steht noch hoch über dem Schweriner See, als „Manu“ Schwesig die große Wahlkampf-Bühne mit UNESCO-Weltkulturerbe-Panorama betritt. Vor ihr haben sich ein paar Hundert Menschen auf einer schwimmenden Wiese versammelt, die im August mehr Backofen als Bühne ist. Kein Schatten, kein Wind, nur Hitze – und trotzdem kommen sie an diesem Freitag zahlreich. Für die Sozialdemokraten ist das ein erster Sieg. Die Marke Schwesig zieht.
Bevor Schwesig spricht, singt sie. Mit dem Rostocker Shanty-Chor Luf und Lee, der an diesem Abend den Takt vorgibt. Und Schwesig, in weißen Schuhen mit SPD-Schriftzug, mischt sich unters Volk, bevor sie den Wahlkampfmodus ganz offiziell einläutet. Selfies mit Manu stehen hoch im Kurs. Jeder will sie umarmen, kurz plaudern.
„Manu“ mischt sich unter das Volk. Sie kommt am Freitag nicht als Ministerpräsidentin, sie ist eine von ihnen.
© Danilo Vitense/Ostdeutsche Allgemeine
Hier ist sie nicht Ministerpräsidentin, hier ist sie Manu
Manuela Schwesig ist das Aushängeschild des SPD-Wahlkampfs, und das aus gutem Grund. Sie ist nicht nur sehr bekannt, sie gilt auch weiterhin als eine der populärsten Landespolitikerinnen - trotz schwieriger Umfragewerte für ihre Partei. Aber „Manu“ steht am Freitag nicht allein auf großer Bühne.
Neben ihr auf der Wiese haben sich die engsten Vertrauten der vergangenen fünf Jahre Regierungszeit eingereiht: Wissenschaftsministerin Bettina Martin, Gesundheitsministerin Steffi Drese, Staatskanzlei-Chef Patrick Dahlemann. Und Till Backhaus, der dienstälteste Minister, fährt mit einer roten Simson vor.
Der Norden hält zusammen
Aus Bremen ist Andreas Bovenschulte angereist, Bürgermeister der Freien Hansestadt, aktueller Bundesratspräsident und Adressat des Geburtstagsständchens. Seine Anwesenheit soll vor allem eines deutlich machen: Der Norden hält zusammen.
Der Bremer erzählt von Ministerpräsidentenkonferenzen, bei denen „16 Egos“ unter einen Hut müssen. „Und dann ist da Manu", sagt er. „Und wenn die sagt, wir müssen noch einen Punkt diskutieren, dann wissen die anderen 15, dass sich das Abendessen verschiebt."
Und dann landet das Oberhaupt des kleinsten Bundesland Deutschlands bei einem Satz, der die Menge aufhorchen lässt: „Die Söders kommen, die Söders gehen. Doch der Norden bleibt bestehen." Was folgt, ist langer und lauter Applaus.
Die SPD in Mecklenburg-Vorpommern setzt auf die Marke Manuela Schwesig. Ihre Popularität soll den Sozialdemokraten zum Sieg verhelfen.
© Danilo Vitense/Ostdeutsche Allgemeine
Ein Wahlversprechen in drei Akten
Dann kommt Schwesig auf die Bühne, bedankt sich zuvor aber noch herzlich bei „Bovi“ für seine Unterstützung. „Manu“ beginnt mit dem Naheliegenden: der Hitze an diesem Tag. „Wir werden hier gerade ganz schön gegrillt. Und irgendwie hat man Sehnsucht, am liebsten gleich ins Wasser zu springen", sagt sie.
Was folgt, ist keine Rede, sondern eine Art Versprechen in drei Akten. Der erste Akt umreißt die Wirtschaft. Schwesig nennt Zahlen: fünf Prozent Wachstum gegen den Bundestrend. Sie zählt Branchen auf: Tourismus, maritime Industrie, Gesundheitswirtschaft, Energie. Und sie nennt, was ihr wichtig ist: nicht irgendwelche Arbeitsplätze, sondern gute mit Tariflöhnen. Das Tariftreuegesetz, versprochen 2021, sei jetzt in Kraft. „Wir haben es versprochen, wir haben es eingeführt."
Sie spricht über Spritpreise und Mineralölkonzerne, über Preisdeckel und soziale Marktwirtschaft. Über Luxemburg, das es schafft, und Deutschland, das es lässt. Ihr Ton wird schärfer. Nicht zornig, aber klar. „Das darf so nicht bleiben."
Beim zweiten Akt kommen die Familien zum Zug. Die SPD, sagt Schwesig, sei eine Familienpartei. Und sie belegt es: beitragsfreie Kita seit 2020, Ferienbetreuung ohne Gebühren, Schulsanierungsprogramme, Rufbus-System, Azubi-Ticket, Seniorenticket. Versprechen von 2021, eingelöst 2026.
Als ehemalige Bundesfamilienministerin, sagt sie, habe sie sich lange zurückgehalten. Aber was die CDU-Bundesfamilienministerin gerade tue – Elterngeld kürzen, Kinderzuschlag streichen, Unterhaltsvorschuss beschneiden –, das sei nicht in Ordnung. „Liebe CDU im Land und im Bund. Ihr habt nicht zu bestimmen, ob es hier bei der beitragsfreien Kita bleibt. Das entscheiden wir im Land." Es folgt Applaus, noch lauter als zuvor.
Manuela Schwesig eröffnet den SPD-Wahlkampf vor historischer Kulisse: „Wir haben versprochen, wir haben geliefert.“
© Danilo Vitense/Ostdeutsche Allgemeine
Im Dritter Akt geht es um Zusammenhalt, das ist für Schwesig der Kern. Sie spricht über Generationen, die man nicht gegeneinander ausspielen darf. Über Renten und ihre Lebensleistung. Über 600.000 Ehrenamtliche im Land, die meisten zwischen 14 und 25. Über GEMA-Gebühren, die Vereine erdrücken. Und über den Plan, sie für drei Veranstaltungen im Jahr zu übernehmen. Klein, sagt sie selbst, aber real.
Dann wird die Rede zur Abrechnung
Die AfD liegt in Umfragen vor der SPD. Schwesig nennt drei Gründe, warum das so nicht bleiben darf. Erstens: Die AfD mache keine Politik für Arbeitnehmer. Sie lehnte das Investitionsprogramm ab, das Tariftreuegesetz, den Mindestlohn, den Preisdeckel. „Auf welcher Seite stehen Sie? Auf der Seite der Pendler oder der großen Konzerne?"
Zweitens: Der Politikstil. Hass und Hetze würden kein Land voranbringen. Sie wählte ein Bild, das sitzt: der eine auf dem Fest, der den ganzen Abend Sprüche klopft, bis die Stimmung kippt. „In unserem Land geht es nicht um eine Stimmung. Es geht um Werte."
Drittens: Es gehe nicht darum, ob man mit AfD-Wählern spricht. Das tut sie. Bürgerdialoge, offene Fragen, direkte Antworten. Es gehe darum, ob AfD-Funktionäre Regierungsverantwortung bekommen. Und da ist ihre Antwort eindeutig: „Wer sich nicht klar von Extremisten trennt, darf keine Verantwortung tragen."
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