Wenn sich die Rüben schlafen legen - Hitze beutelt Landwirte in NRW
Manche Flächen müssen hinten runterfallen Da sei gutes Management gefragt, sagt die Landwirtin - übersetzt könnte es heißen: eine Art Agrar-Triage - nicht alles kann gerettet werden. Sohn Bastian Buschhaus besc...
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Manche Flächen müssen hinten runterfallen
Da sei gutes Management gefragt, sagt die Landwirtin - übersetzt könnte es heißen: eine Art Agrar-Triage - nicht alles kann gerettet werden. Sohn Bastian Buschhaus beschreibt es so: "Man muss sich überlegen, was bewässert man und was nicht", erklärt der Nachwuchs-Landwirt. Neben den Kosten und der Arbeit komme es auch darauf an, dass die Fläche günstig an einem Brunnen liege. "Bei uns ist es so, dass es sich lohnt, die Kartoffeln zu beregnen. Den Mais auch." Aber die Rüben müssen durstig bleiben. "Und da müssen wir eben mit niedrigen Erträgen rechnen."
Unklar ist, was bei Verbrauchern ankommt
Selbst beim Mais macht es einen Meter Unterschied aus, wenn er nicht berregnet wird, zeigt Bauer Buschhaus und bricht eine Pflanze, um zu demonstrieren: "Da sieht man, dass der Kolben gar nicht ausgebildet ist." Die Lage auf den Feldern in NRW sei ernst, weiß auch Jan-Malte Wichern von der Landwirtschaftskammer NRW in Münster
"Die Feldfrüchte sind gestresst: Rüben legen sich schlafen und der Mais rollt sich ein". Jan-Malte Wichern, Landwirtschaftskammer NRW
Wichern rechnet für die meisten Regionen in NRW mit deutlichen Ertragseinbußen - gerade bei Rüben und Mais. Auf den etwas besseren Böden, etwa im Rheinland, da könne sich das Wasser etwas länger halten. Aber irgendwann brauche der beste Boden wieder Niederschlag. Wo das Verbraucher am Ende spüren, lasse sich noch nicht genau sagen, meint Wichern.
Auch wenn die Rüben in NRW derzeit unter der Trockenheit leiden, so sei auf dem europäischen Zuckermarkt noch wenig Bewegung. Problematisch sei es hingegen schon beim Mais für die Futterversorgung der Tiere. Es könne gut sein, dass manchen Landwirten im Herbst und Winter die Futterreserven fehlten und sie zukaufen müssten.
Lösungsansatz: Vorratshaltung und mehr hitzeresistente Arten
Familie Buschhaus hat vorgesorgt, erklärt Sohn Bastian - mit einer großen Fahr-Siloanlage. Darin kann das geerntete Futter bis zu zwei Jahre gespeichert werden ", so dass wir uns in Jahren, in denen wir eine sehr gute Ernte haben, viel Futter hinlegen oder auch von benachbarten Landwirten zukaufen können." Damit könnten sie dann in Jahren schlechter Ernte gut überbrücken. Viele Landwirte hätten in den letzten Jahren in solche Speicher investiert. Außerdem testen sie neue Pflanzensorten, die Hitze und Trockenheit besser aushalten. Maissorten etwa, die erst später Kolben und Fahnen ansetzen, wenn die Tage wieder kürzer und nicht mehr so heiß sind.
Länder beraten mit Bund über Finanzhilfe
Für wassersparende Anbaumethoden und spezielle Pflanzenzüchting setzt sich auch das NRW-Landwirtschaftsministerium ein - über die Landesgrenzen hinaus. Es gibt viele Testprogramme. Doch auch finanzielle Hilfen sollen nach diesem Extremsommer anlaufen, erklärt NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen. "Aktuell befinden sich die Bundesländer zusammen mit dem Bundesministerium im Austausch dazu, wie man die Landwirte unterstützen kann", sagte sie dem WDR. Und das betreffe sowohl dieses Jahr, als auch die Zukunft im Rahmen des Klimawandels.
Unbürokratische Hilfe übers Finanzamt
Im Dürrejahr 2018 hatte der Bund bis zu 170 Millionen Euro als Dürrehilfe für existenzgefährdete Betriebe zur Verfügung gestellt. Denkbar wäre laut NRW-Ministerium auch eine Ausweitung der Liquiditätsprogramme der Landwirtschaftlichen Rentenbank mit besseren Zinskonditionen und flexibleren Laufzeiten. Eine erste Hilfs-Option könnte sein, dass Betriebsleiter Anträge beim zuständigen Finanzamt stellen könnten, um die Einkommensteuer-Vorauszahlungen zügig und unbürokratisch an die aktuelle Ertragslage anzupassen.
Die gute Seite für Bauern: Steigende Kartoffelpreise
Schließlich habe die Trockenheit auch ihre gute Seite, räumt Jungbauer Buschhaus ein: Die Kartoffelpreise steigen. "Vergangenes Jahr hatten wir eine Rekordernte - die Läger waren voll, der Preis war leider desaströs", erklärt er.
Dieses Jahr sei dann weniger angebaut worden, und dazu kam das extreme Wetter. Selbst eine bewässerte Kartoffel bringe lange nicht den Ertrag, wenn sie zuviel Hitze ausgesetzt sei, erklärt Buschhaus. "Und das hat dazu geführt, dass eine Kartoffel, die vor vier Wochen noch fast gar nichts wert war, heute wieder preislich auf einem guten Niveau angekommen ist."
Unsere Quellen:
- Interview mit NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen
- Interview mit Bärbel Buschhaus, Vizepräsidentin Rheinischer Landfrauenverband
- Interview mit Landwirt Bastian Buschhaus
- Interview mit Jan-Malte Wichern, Landwirtschaftskammer NRW
- Eigene Recherchen