Werders Sturmtalent Salim Musah über rasanten Aufstieg, Hilfe von Nick Woltemade und das perfekte Tor
StartseiteWerderStand: 03.08.2026, 20:53 UhrKommentareUns auf Google folgenSalim Musah spricht im DeichStube-Interview über seinen Weg zum Profi, seine Ziele für die Zukunft und die Kabine des SV Werder Bremen....
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Stand: 03.08.2026, 20:53 Uhr
Salim Musah spricht im DeichStube-Interview über seinen Weg zum Profi, seine Ziele für die Zukunft und die Kabine des SV Werder Bremen.
Bremen – Salim Musah ist eher ein Mann der ruhigen Worte – auch in seinem ersten großen Interview überhaupt geht es ganz entspannt und unaufgeregt zu. Der 20-jährige Stürmer des SV Werder Bremen lässt lieber Taten sprechen, dem Wirbel um seine Person begegnet er betont nüchtern und demütig. Im Gespräch mit der DeichStube blickt der gebürtige Oldenburger auf seinen kometenhaften Aufstieg, formuliert seine Ziele für die neue Saison und verrät, wie ihm Nick Woltemade hilft und welches Werder-Gesicht ihm künftig ganz besonders fehlen wird.

Salim Musah im Interview über seine Jugend und ersten Schritte beim SV Werder Bremen
Erinnern Sie sich noch an den 13. Mai 2017?
(überlegt) 2017 ist definitiv das Jahr, in dem ich zu Werder gekommen bin. Aber dieser genaue Tag sagt mir jetzt gerade nichts.
Es war der Tag, an dem Sie als Elfjähriger tatsächlich Ihr erstes Tor im Weserstadion erzielt haben – und nicht erst im vergangenen April.
Ah, der EWE-Cup. Richtig. Damals noch mit dem VfL Oldenburg. Als uns vorher gesagt wurde, dass das Finale im Weserstadion stattfinden würde, haben wir in der Vorrunde nochmal ein paar Prozente mehr gegeben. Wir konnten es dann alle einfach nicht glauben, dort wirklich zu spielen und dann auch noch zu gewinnen. Wir waren kleine Kinder, direkt nach uns war Werders Bundesligaspiel gegen Hoffenheim, es waren sogar schon ein paar Zuschauer da. Als wir getroffen haben, haben wir wie die Großen gejubelt, Knierutscher gemacht. Das war einfach toll.
Und neun Jahre später sind Sie nun Bundesligaprofi – wie klingt das für Sie?
Das war immer der Traum, darauf habe ich lange hingearbeitet. Dass es jetzt wirklich geklappt hat, ist unbeschreiblich.
Wie verrückt waren die vergangenen zwölf Monate für Sie? DFB-Pokalsieg mit der U19, erster Profivertrag, Debüt in der Bundesliga, die ersten beiden Einsätze für die deutsche U20 und dann kurz darauf auch noch der erste Bundesligatreffer. Haben Sie überhaupt schon realisiert, was alles passiert ist?
Es ging wirklich alles sehr schnell. In der Hinrunde hatte ich noch ein paar Rückschläge durch Verletzungen, da wurde ich etwas ausgebremst. Spätestens zur Rückrunde ging es dann aber richtig los, das waren aufregende Wochen. Richtig realisiert habe ich das alles erst nach der Saison. Ich habe viel mit der Familie gesprochen, mit Freunden, aber auch mit den Spielern bei uns, die ebenfalls am Anfang der Karriere stehen. Das hat sehr geholfen und sicherlich auch das Ankommen in der Mannschaft einfacher gemacht. Sonst hätte es vielleicht etwas länger gedauert.
Sie stammen aus Oldenburg – welcher Straßenzug, welcher Stadtteil gehörte Ihnen? Auf welchem Bolzplatz hätte man sie kicken sehen können?
Ich war damals viel in Bürgerfelde unterwegs, habe mit meinen Freunden gekickt. Auch in der Schule in den Pausen gab es für mich immer nur Fußball.
Hatten Sie keine anderen Hobbys?
Basketball habe ich auch noch sehr gerne gespielt, das tue ich auch heute noch in der Freizeit. Ich war früher immer bei den Schulturnieren dabei. Wahrscheinlich würde ich heute Basketball spielen, wenn ich nicht Fußballer geworden wäre.
Wie oft sind Sie noch in Oldenburg?
Wenn wir ein, zwei Tage frei haben, dann fahre ich regelmäßig rüber und versuche, meine Familie so viel zu sehen, wie es geht. Zum Glück ist die Distanz nicht so groß, da kann man das mal eben machen. Ich bin aber letztens auch umgezogen, deshalb muss ich mich jetzt auch ein bisschen hier um meine Wohnung kümmern. (lacht)
Verzicht für den Traum als Profi und seine ruhige Art: Werder Bremens Salim Musah im Interview
Als Jugendlicher, im Alter zwischen 14 und 17 Jahren, schaut man mitunter auch etwas anders aufs Leben. Gab es Momente, in denen Sie das Gefühl hatten, dass Fußball vielleicht doch nicht alles im Leben ist?
Der Fußball war bei mir eigentlich immer an erster Stelle, daneben habe ich ganz normal meine Schule gemacht. Das war genauso wichtig. Aber ansonsten war jetzt nichts, wo ich mir mal gedacht hätte, dass ich es dafür auch mal schleifen lassen kann.
Können Sie gut entbehren? Absagen, wenn die Kumpels Party machen oder irgendwas unternehmen wollen und Sie nicht mitmachen können, weil am nächsten Tag Training oder ein Spiel ansteht?
Das ist für mich gar kein Problem. Ich bin sowieso nicht der Typ, der sehr gerne rausgeht. Ich bin lieber zu Hause und dort dann mit meinen Freunden zusammen. Ab und zu war es natürlich schon so, dass ich dachte, dass ich jetzt auch ganz gern dabei gewesen wäre, wenn sie etwas unternommen haben. Aber es gibt da nichts zu bereuen. Manchmal war man leider nicht bei einem Geburtstag dabei, aber das habe ich nie als richtigen Verzicht gesehen.
Bei neun Jahren im Werder-Nachwuchs: Haben Sie irgendwann einmal gedacht: „Das wird vielleicht doch nichts mit dem Profi-Fußball“?
Nein, daran habe ich nie gedacht. Ich denke grundsätzlich positiv. Ich wusste immer, was ich kann, und ich habe immer daran geglaubt, dass ich es schaffe, wenn ich fit bleibe und mein Bestes gebe.
Clemens Fritz und Peter Niemeyer haben schon mehrmals erklärt, dass Sie nicht im Verdacht stehen, bei Erfolgserlebnissen abzuheben. Woher kommt diese Bodenständigkeit?
Das weiß ich gar nicht, ich habe das einfach in mir. Natürlich freue ich mich für mich und meine Mitspieler, wenn wir ein schönes Erfolgserlebnis haben – mehr aber auch nicht. Es hat vielleicht wirklich damit zu tun, dass ich grundsätzlich ein ruhiger Typ bin. Wenn ich mit den Jungs als Gruppe zusammen bin, dann bin ich garantiert nicht der Lauteste, sondern lieber im Hintergrund. Ich beobachte lieber und muss nicht immer zu allem etwas sagen.
Salim Musah im Interview über Konkurrenzkampf bei Werder Bremen und die eigene Rolle
Welchen Luxus haben Sie sich von Ihrem ersten Gehalt gegönnt?
Da muss ich wirklich überlegen. Vorher denkt man sich ja, dass man sich irgendwann dies und das holen kann, wenn man gut verdient. Aber bei mir ist im ersten Monat wahrscheinlich nur etwas mehr für ein gutes Essen oder das Auto draufgegangen. So richtig gegönnt habe ich mir dann etwas später ein neues Handy. Ansonsten gab es da keine großen Veränderungen.
Double-Legende Ailton hat bei uns im Interview über Sie gesagt: „Ich hoffe, er wird ein großer Werder-Stürmer.“ Was bedeuten Ihnen solche Worte?
Sie sind auf jeden Fall ein Ansporn. Ich weiß ja, was er hier bei Werder erreicht hat, seine Tore sieht man heute noch immer mal wieder. Wenn solch ein Spieler so etwas sagt, dann ehrt mich das enorm – und es treibt mich an.
Welche Rolle trauen Sie sich in der neuen Saison zu?
Ich möchte natürlich noch mehr spielen als letzte Saison. Jeder Spieler im Kader hat eine realistische Chance, wenn er Gas gibt und Leistung bringt. Und dann ist es auch egal, wer sonst noch da ist.
Werder will in diesem Sommer noch einen erfahrenen Stürmer holen, der im besten Fall Tore garantiert und somit gesetzt sein könnte. Wie groß ist Ihre Sorge, dass Sie womöglich doch nicht auf Ihre gewünschte Spielzeit kommen?
Gar nicht groß. Auch das wäre nochmal ein neuer Ansporn für mich. Von solch einem Stürmer könnte ich wieder ein bisschen mehr lernen. Das würde mich auf jeden Fall pushen, den Konkurrenzkampf würde ich definitiv annehmen und mein Bestes geben. Am Ende ist es dann eine Entscheidung des Trainers.
Welche Rolle spielt Daniel Thioune für Sie? Ist er mehr als nur ein Coach?
Teilweise schon. Er versucht, sich in den richtigen Momenten auf uns Spieler einzulassen, dafür zu sorgen, dass wir runterkommen, um dann in den passenden Situationen wieder den klassischen Trainer auszustrahlen. Er verbindet alles. Er fordert, dass du immer Qualität bringst, aber er lässt dir auch deinen Freiraum, damit du dich gut entwickeln kannst.
Welche Spielertypen brauchen Sie neben sich, damit Sie am besten funktionieren?
Ich habe schon sehr gerne einen Romano Schmid oder Patrice Covic um mich herum, die sehr kreativ sind und gute Bälle spielen können. Die können mir die schon echt schön servieren. (grinst) Chuki wahrscheinlich auch, aber mit ihm habe ich bislang im Training noch nicht so oft zusammengespielt. Was man sieht, ist jedoch überragend: dieser gute Schuss, die Technik, die Übersicht. Da ist er ein echter Topspieler.
Als junges Talent in einer Profi-Mannschaft: Werder Bremens Salim Musah gibt im Interview Einblicke
Sie haben die Werder-Geschichte der vergangenen Jahre mitbekommen: Ist das gerade der perfekte Zeitpunkt, um ein junger Spieler bei Werder zu sein?
Da gab es schon eine sehr große Veränderung. Früher war es nicht unbedingt so, dass viele Spieler aus der Jugend hochgekommen sind und dann auch ihre Einsätze hatten. Die jetzige Entwicklung ist ein echter Anreiz für viele andere Spieler in den Jugendmannschaften, denn sie sehen, dass sie es hier tatsächlich schaffen können, wenn sie täglich performen.
Ihre Rückennummer ist die 29 – haben Sie ein wenig darauf geschielt, dass im Vorfeld der neuen Saison vielleicht die 2 vorne wegfallen könnte?
Darüber habe ich nicht nachgedacht. Ich finde die 29 eigentlich auch top. Ich mag die Nummer und hatte jetzt auch keinen Grund, sie zu wechseln. Früher hatte ich immer die 11, doch bei den Profis ist mir dann die 29 zugeteilt worden – und die finde ich echt schön.
Werders Fußball-Chef Clemens Fritz hat sich ungewöhnlich früh festgelegt, dass Sie nicht verliehen werden, was für einen jungen Spieler nicht alltäglich ist. Was bedeutet Ihnen dieses Vertrauen?
Sehr viel. Das zeigt, wie sehr der Verein mit mir plant, man mir vertraut und man weiter auch auf mich setzen will.
Ist es schwierig, nicht zu ehrfürchtig als junger Spieler in einer Profikabine zu sein, wenn plötzlich altgediente Bundesligaspieler wie Leonardo Bittencourt oder Niklas Stark neben einem sitzen?
(grinst) Ja, während der ersten Wochen und Monate war ich da schon sehr angespannt und nervös, aber mit der Zeit verändert sich das. Dann wirst du lockerer, kannst entspannte Gespräche mit ihnen führen und sie sind deine Mannschaftskollegen, die dich unterstützen und dir auf dem Platz helfen.
Wie lange hat es denn gedauert, bis Sie das erste Mal gesagt haben: „Nee, das sehe ich anders“?
Das brauche ich nicht. Wenn sie mich verbessern wollen, dann nehme ich das erst einmal an. Man kann dann später nochmal darüber diskutieren, oder sie erklären mir dann genauer, warum ich das vielleicht so hätte machen sollen. Das ist sehr angenehm.
Gibt es trotzdem Momente, in denen Sie feststellen: Okay, das passiert jetzt nur, weil ich ein junger Spieler und nicht schon 25 Jahre alt bin.
(lacht) Ja, wenn wir Eckchen spielen. Wenn ein Ball gespielt wurde und es garantiert nicht dein Fehler war, dann kommt es schon vor, dass ein paar ältere Spieler sagen: „Ja, geh du mal in die Mitte.“ Aber ansonsten werden auch die jüngeren Spieler komplett respektiert.
Können Sie trotzdem noch mutiger, noch lauter werden?
Ja, ich denke schon. Jetzt kommt meine zweite Herrensaison, da kann auch ich von mir nochmal mehr erwarten.
Harte Gegenspieler und eigener Anspruch: Salim Musah spricht im DeichStube-Interview über neue Saison mit Werder Bremen
Sie haben Ende der vergangenen Saison in der Liga gegen Nationalspieler wie Nico Schlotterbeck oder Waldemar Anton gespielt. Wie schwierig ist es, gegen solche Namen zu bestehen?
Das waren ohne Frage die bisher härtesten Gegenspieler für mich, die beiden waren nochmal ein riesiger Unterschied zu allem, was vorher war. Bei denen ist alles härter, intensiver, erfahrener. Nico Schlotterbeck hat mir auch einmal richtig seinen Körper gegeben, aber solche Spiele sind sehr gut, um daraus zu lernen.
Im Oktober geht es schon wieder gegen Dortmund. Warum treffen die BVB-Verteidiger dann auf einen komplett anderen Salim Musah als noch im Mai?
Ich habe nochmal einen großen Schritt gemacht, physisch und spielerisch. Daher denke ich, dass ich jetzt noch besser dagegenhalten kann.
In welchen Bereichen möchten Sie sich unbedingt noch verbessern?
In vielen. Als Mittelstürmer kann man immer an seinem Torabschluss arbeiten, hinzu kommen die einfachen Dinge wie Ball prallen lassen, Ball festmachen – vor allem dann, wenn das Zuspiel etwas schwieriger kommt. Da sind noch viele Potenziale. Aber wenn ich gut arbeite, sind diese Ziele auch gut zu erreichen. Da kann ich nochmal einen großen Sprung machen.
Gibt es eine Tormarke, die Sie sich für die neue Saison gesetzt haben?
Auf jeden Fall mehr als letzte Saison. (lacht) Ich würde es jetzt falsch finden, wenn ich mir direkt mit einer Marke Druck mache. Ich will einfach hart weiterarbeiten, und dann bin ich überzeugt, dass ich meine Spiele und meine Tore machen werde.
Herber Verlust und Tipps von Nick Woltemade: Salim Musah im DeichStube-Interview
Wie schwer wiegt für Sie ein Verlust wie von Werders Top-Talente-Manager Björn Schierenbeck, der zum VfL Wolfsburg gewechselt ist?
Es war schon sehr hart, als er gekommen ist und sich verabschiedet hat. Ich habe ein paar Sekunden gebraucht, um zu realisieren, dass er geht. Er war sehr wichtig für uns.
Was hat Ihr Miteinander ausgezeichnet?
Es hat alles auf derselben Ebene stattgefunden. Wenn wir privat irgendwas gehabt haben, konnten wir mit ihm sprechen. Auf dem Platz war er immer bei uns, wenn mal etwas nicht gelaufen ist. Und wenn etwas gut geklappt hat, hat er uns weiter motiviert. Wenn wir eine Aktion hatten und ein anderer Spieler hat zum Beispiel gesagt: „Das hätte ich aber anders gemacht“, dann hat Schiere uns motiviert und gemeint, dass er es so gut fand. Er hat viel Videoanalyse mit uns gemacht, war immer für uns da und hatte stets ein offenes Ohr. Er hat uns einfach ein gutes Gefühl gegeben. Schade, dass er nicht mehr da ist, ich wünsche ihm alles Gute.
Kann Werder überhaupt jemanden finden, der es ähnlich macht wie Björn Schierenbeck?
Menschlich ist das schon schwer. Ich kann mir das bis jetzt nicht vorstellen, aber mal schauen, ich bin gespannt.
Bei Ihrer Körpergröße von 1,98 Meter und der Spielweise gibt es nicht wenige Menschen, die sagen: „Salim Musah ist der neue Nick Woltemade“. Was macht das mit Ihnen?
Darüber mache ich mir wenige Gedanken. Natürlich gibt es eine gewisse Ähnlichkeit, aber ansonsten bin ich ein eigener, ganz individueller Spieler.
Nick Woltemade und Sie haben den gleichen Berater, kennen sich. Ist er jemand, von dem Sie sich Tipps holen?
Natürlich, das habe ich auch schon in der U19 gemacht. Er verfolgt unsere Spiele und sagt mir auch, was ich vielleicht hätte besser machen können oder was nicht. Wenn ich sonst Tipps brauche fürs Training oder wie ich mich in einem Bereich verbessern kann, dann ist er stets ansprechbar und hilft mir gern.
Zum Abschluss nur noch eine Frage: Wie sieht das perfekte Tor für Sie aus?
Da gibt es viele. Aber ich würde gerne mal eine Flanke von Patrice von außen bekommen und dann den Kopfball oben rechts in den Winkel hauen. (mbü)