Wer folgt auf Jens Spahn? Nach Rücktritt werden in der Union jetzt vier Namen gehandelt
StartseitePolitikWer übernimmt die Unionsfraktion? Vier Politiker werden als Spahn-Nachfolger gehandeltStand: 18.07.2026, 17:51 UhrKommentareUns auf Google folgenDie Leihmutter-Affäre kostet Jens Spahn sein Amt...
- 3 min read
Wer übernimmt die Unionsfraktion? Vier Politiker werden als Spahn-Nachfolger gehandelt
Stand: 18.07.2026, 17:51 Uhr
Kommentare
Die Leihmutter-Affäre kostet Jens Spahn sein Amt. Nun beginnt das Rennen um die Nachfolge an der Fraktionsspitze.
Berlin – Nur 15 Monate währte die Amtszeit von Jens Spahn an der Spitze der Unionsfraktion. Dann holte ihn die Realität ein: Die Leihmutterschaft seines Mannes Daniel Funke in den USA wurde dem CDU-Politiker zum Verhängnis. Kanzler Friedrich Merz forderte seinen Parteifreund zum Rückzug auf – zweieinhalb Monate nach dessen Wiederwahl.

In einer Erklärung räumte Spahn ein, dass Familienglück und politisches Amt für ihn nicht mehr zusammenpassen. Ein bemerkenswertes Eingeständnis für einen Politiker, der jahrelang genau jene Leihmutterschaften bekämpft hatte, die ihn nun zum Vater machten.
Partei bleibt bei strikter Ablehnung der Leihmutterschaft
Die CDU hält an ihrer Position fest. Eine Parteisprecherin verwies gegenüber der dpa auf den Parteitagsbeschluss: „Die geltende Rechtslage in Deutschland soll aus Sicht der Partei bleiben, wie sie ist.“
Spahn selbst hatte diese Linie stets mitgetragen – und sie dann privat umgangen, indem sein Partner den Weg über die USA wählte. Die Kritik aus den eigenen Reihen fiel entsprechend heftig aus.
Wer wird jetzt Fraktionschef? Vier Kandidaten für die Nachfolge von Jens Spahn
Mit Spahns Abgang ist der Vorsitz der 208 Abgeordneten starken Fraktion vakant. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann führt die Geschäfte kommissarisch. Doch als Favorit auf die Spahn-Nachfolge gilt er nicht.
Stattdessen kursieren drei CDU-Namen: Thorsten Frei, derzeit Kanzleramtschef, den manche gerne aus der Regierungszentrale wegloben würden. Carsten Linnemann, der bei der Kabinettsbildung leer ausging und als Generalsekretär fungiert. Sowie Günter Krings, Fraktionsvize aus der einflussreichen NRW-Landesgruppe.

Auch Alexander Dobrindt wird genannt. Dass der CSU-Innenminister sein Ressort aufgibt, erscheint jedoch unwahrscheinlich. Traditionell stellt die größere CDU den Fraktionschef, die CSU nur einen herausgehobenen Stellvertreter. Zudem gilt Dobrindt im Kabinett als unverzichtbar für die Migrationspolitik.
Merz macht Spahn-Nachfolge zur Chefsache
Der Kanzler nannte Spahns Entscheidung auf X „richtig“ und „unvermeidlich“. Gleichzeitig kündigte er an, gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder einen Vorschlag für die Neubesetzung zu erarbeiten. Dass Merz mit Spahn als Fraktionschef unzufrieden war, galt in Berlin als offenes Geheimnis.
„Verfahren und Zeitplan werden jetzt mit den Gremien der Partei und der Fraktion abgestimmt“, schrieb Merz. Theoretisch könnte jeder der 208 Unionsabgeordneten kandidieren.
Spahns Karriere: Vom Hoffnungsträger zum Problemfall
Der 46-Jährige gehört seit über einem Jahrzehnt zur CDU-Führungsriege – und musste doch immer wieder Niederlagen einstecken. Bei der Wahl zum Parteivorsitz 2018 unterlag er Annegret Kramp-Karrenbauer und Merz deutlich. Als Gesundheitsminister unter Angela Merkel geriet er wegen der milliardenschweren Maskenaffäre in die Kritik. Diese ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt.
Ausgerechnet in seiner Ministerzeit hätte Spahn das Embryonenschutzgesetz ändern können. Stattdessen verteidigte er den Paragrafen, der Leihmutterschaft mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht.
Ob Spahn noch einmal einen verantwortungsvollen Posten in der Bundespolitik übernehmen wird, bleibt offen. In seinem Statement setzte er andere Prioritäten: „Meine Familie ist mir das Wichtigste.“ (Quellen: Statement von Jens Spahn, dpa, eigene Recherche, Embryonenschutzgesetz)