Weizen leidet unter Extremhitze: Bauern rechnen mit Ertragseinbußen
StartseiteLokalesWolfhagenWolfhagenStand: 14.07.2026, 06:00 UhrKommentareUns auf Google folgenSorgenkind der Landwirtschaft: Der Weizen hat unter der Extremhitze Ende Juni gelitten. © Ricken BeaDie hohen Temper...
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Stand: 14.07.2026, 06:00 Uhr
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Die hohen Temperaturen in diesem Sommer haben beim Weizen Spuren hinterlassen. Im Weizenfeld wurden bis zu 45 Grad gemessen.
Kreis Kassel – Die Extremhitze in diesem Sommer zeigt die Verletzlichkeit der heimischen Landwirtschaft: Während etwa der Forst angepasste Baumsorten pflanzen kann, sind die Strategien der Landwirte im Kampf gegen den Klimawandel begrenzt. Die Wurzeln der Bäume können tiefere Wasserschichten anzapfen, das Getreide gehört zu den Flachwurzlern. Neuere, robustere Feldfrüchte seien oft Nischenprodukte und weniger gefragt als das wichtigste Getreide, der Weizen. Das sagt Roland Luckhart aus Baunatal, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Kassel.
Viele Pflanzen blühen deutlich früher
Wie Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen, verschiebt sich durch den Temperaturanstieg das Anbauspektrum. Apfelbäume und Raps blühen 20 Tage früher als noch vor 50 Jahren. Vorteil: Eine verlängerte Vegetationsphase kann Gemüsebetrieben ermöglichen, mehrfach im Jahr zu ernten. Allerdings macht die frühere Blüte Obstbäume anfälliger gegenüber Spätfrösten, mildere Winter fördern Pilze, Viren und Insekten, mehr Hitze bedeutet mehr Stress für Kulturpflanzen.
Beim Weizen hätten die hohen Temperaturen Spuren hinterlassen, und auch der Hafer habe gelitten. „Da rechnen wir mit Ertragseinbußen“, so Luckhart. Lediglich bei der Gerste läuft es gut, da dieses Getreide früher angebaut worden war und durch die Sonnentage so schnell gereift ist, dass derzeit die Ernte in vollem Gange ist.
Allerdings sei Gerste als klassisches Tierfutter immer weniger gefragt, da die tierhaltenden Betriebe zurückgingen.
Laut Luckart zwinge der Klimawandel zu einem Umdenken in Richtung von Früchten, die aus südlichen Ländern stammen und für deren Anbau höhere Temperaturen nötig seien. Als Beispiel nennt der Kreisbauernsprecher Sojabohnen und Hirse. Er selbst baue zum Beispiel Sonnenblumen an und presse Öl.
Letztlich helfen den Landwirtinnen und Landwirten geänderte Fruchtfolgen und trockenresistenteres Saatgut. Die gute Nachricht: Immerhin stehen Mais und Zuckerrüben derzeit gut. Der Mais nutzt bei der Fotosynthese Wasser deutlich besser aus als viele andere Kulturpflanzen wie etwa der Weizen und profitiert stark von Wärme. Allerdings hofft Luckhart für das weitere Wachstum, dass es immer mal wieder regnet und eine neue Extremhitze ausbleibt.
Im nördlichen Teil des Landkreises Kassel sieht die Situation auf den Feldern ähnlich aus wie in den Altkreisen Kassel und Wolfhagen. Norbert Klapp, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes, rechnet auch hier mit Ertragseinbußen beim Weizen, dem wichtigsten Brotgetreide. Früher sei Weizen oft zweimal hintereinander angebaut worden. Inzwischen seien viele aufgrund der Trockenheit auf einen Anbau im Jahr umgestiegen und würden noch etwas anderes anbauen.
Wassersparende Bewirtschaftung sei ein weiterer Versuch, dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen. Denn in der Region hätten während der diesjährigen Extremhitze sogar wasserreiche Standorte gelitten. „Wir hatten bis zu 45 Grad im Weizenfeld“, so Klapp. Zumindest gebe es keinen Futtermangel für die Tiere. In den Jahren 2024 und 2025 habe man, was Grünfutter betrifft, für Vorräte sorgen können.