Leichtathletik-EM: Weißhaidinger hofft auf Finaleinzug

Die Vorbereitung auf die EM in Birmingham ist für Österreichs Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger wegen Verletzungsproblemen nicht nach Plan verlaufen. Der Oberösterreicher war im Vorfeld wegen eines Hexenschusses eingeschränkt, dementsprechend geht Weißhaidinger mit gedämpften Erwartungen in die EM. Für den Olympiabronzenen von Tokio steht im Alexander Stadium die Finalqualifikation im Vordergrund.

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Leichtathletik-EM: Weißhaidinger hofft auf Finaleinzug

Leichtathletik-EM

Die Vorbereitung auf die EM in Birmingham ist für Österreichs Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger wegen Verletzungsproblemen nicht nach Plan verlaufen. Der Oberösterreicher war im Vorfeld wegen eines Hexenschusses eingeschränkt, dementsprechend geht Weißhaidinger mit gedämpften Erwartungen in die EM. Für den Olympiabronzenen von Tokio steht im Alexander Stadium die Finalqualifikation im Vordergrund.

Online seit gestern, 22.49 Uhr

Anders als in der Vergangenheit ist Weißhaidinger diesmal kein rot-weiß-roter Alleinunterhalter im Wurfkreis. Mit Will Dibo kämpft am Dienstag ein zweiter Österreicher um den Finaleinzug. Auf dem Ramona-Wurffeld sicherte sich dieser das Ticket für die Kontinentaltitelkämpfe, Weißhaidinger schließt mittlerweile für sich ein Antreten bei dieser jährlichen Weitenjagd aus.

Österreichs Diskus-Aushängeschild Weißhaidinger gewann vor zwei Jahren in Rom EM-Silber. Eine Medaille bei diesen Titelkämpfen käme auch aufgrund der Verletzungssorgen im Vorfeld der EM überraschend. Weißhaidinger gibt sich dennoch zuversichtlich, der austherapierte Hexenschuss bereite ihm keine Probleme mehr.

„Wir haben den Rücken im Griff. Das heißt, es spannt noch, es zieht noch, aber wir können so gut therapieren, dass es für den Wettkampf dann eigentlich nicht relevant ist. Das stimmt mich sehr positiv auf alle Fälle. Ich freue mich morgen auf den Wettkampf, auf die Qualifikation“, so Weißhaidinger.

Selbstvertrauen fürs Finale sammeln

Seinen Plan für den Wettkampf am Dienstag hat sich Weißhaidinger zurechtgelegt: „Den Wettkampf werde ich auch sehr ambitioniert angehen, weil ich weiß, dass natürlich die Lockerheit jetzt nicht so da ist. Aber ich möchte natürlich gut werfen und gut durchkommen. Natürlich ist es egal, ob als Erster oder als Zwölfter. Aber so ein bisschen Selbstvertrauen für das Finale zu sammeln, das wäre natürlich der Traum.“

Der bisherige Saisonverlauf „nagte am Selbstvertrauen“, so der 34-jährige Oberösterreicher. Die Windbedingungen seien oft nicht ideal gewesen, er nicht so in den Flow hineingekommen. „Aber ich wusste immer, die Trainingswerte passen, es kann jederzeit ins Positive kippen.“

Trainingsleistungen machen Mut

Bei einem Großereignis könne so viel passieren. „In München bin ich in Topform hingekommen und bin als Neunter rausgegangen, obwohl ich 69 m eingeworfen habe. Aber ich bin auch schon zu einer WM gefahren und dachte mir, das wird schwierig, und habe eine Medaille gemacht. Es kann so oder so ausgehen.“ Lukas sei konkurrenzfähig, meinte Trainer Gregor Högler. „Die Saison verlief absolut okay, und die Trainingsleistungen sind sehr vielversprechend.“

Lukas Weißhaidinger (AUT) rutscht bei der WM 2025 in Tokio aus
Im dichten Regen von Tokio rutsche Weißhaidinger bei der WM im Vorjahr aus

Das Team Weißhaidinger hat vorgeplant, neben den Lieblingsdisken reisten auch Regenschuhe nach England mit. Bei der WM vor einem Jahr in Tokio agierte der Athlet bei der Schuhwahl unglücklich, setzte trotz Starkregens auf Laufschuhe, rutschte im Wurfkreis aus, kam zu Sturz und klassierte sich als Neunter.

Für die EM hat er das Ziel, den besten Wettkampf des Jahres zu zeigen. „Wenn du das Beste gibst und vielleicht noch etwas drauflegen kannst, hast du immer eine Chance auf eine Medaille. Für die Millisekunde, in der alles passt und du abliefern musst, musst du bereit sein.“

Medaille als Papa bleibt das Ziel

Die erste Medaille als Papa zu gewinnen steht über dem letzten Karriereabschnitt Weißhaidingers, der bis Olympia 2028 in Los Angeles reicht und davor als Großereignis auch noch die WM 2027 in Peking bringt. Lola ist 15 Monate. Bei allem, was Weißhaidinger tut, will er ihr ein Vorbild sein.

„Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich für die kleine Lola da sein, aber auch mit Verbissenheit dem Finale und der Medaille nachjagen kann. Natürlich habe ich schon viele Ziele abgehakt. Und Lola wird mich nicht mehr oder weniger mögen, ob ich noch eine Medaille mache oder nicht. Aber wenn ich ihr was beibringen kann, dann so lange zu kämpfen, wie es geht, wenn man für etwas brennt.“

Weitenjagd in Ramona kein Thema

Abgeschrieben hat er für sich mittlerweile ein Antreten auf dem windbegünstigten Feld in Ramona (Oklahoma/USA), wo jährlich haufenweise persönliche Bestleistungen und nationale Rekorde purzeln. Auch der Weltrekord von Mykolas Alekna mit 75,56 Metern wurde 2025 auf dem Millican Field geworfen – der Litauer ist freilich auch ohne Windvorteil ein absoluter Ausnahmekönner. Von den 21 in der Jahresweltbestenliste vor Weißhaidinger liegenden Athleten haben nur sieben ihre Saisonbestmarke nicht in Ramona erzielt.

„Ich mache den Sport schon sehr lange, Ramona ist extremer als alles bisher Dagewesene. Du kannst dort irrsinnig weit werfen. Ich werde dort nie starten, weil ich keinen Bock darauf habe, dass, wenn der österreichische Rekord fällt, daneben Ramona steht.“ Man werde dann wohl nie mehr die Möglichkeit haben, diesen anderswo zu toppen.

Er stellte auch bereits fest, dass sich die Freude der Athleten über die dort erbrachte Leistung in Grenzen halte. Weißhaidinger erhöhte die ÖLV-Bestmarke 2023 auf 70,68 m. Sie zu verbessern wird er bis zum letzten Wettkampf seiner Laufbahn versuchen – jedoch nicht in Ramona. „Aber junge Athleten wie Will Dibo haben wohl keine andere Möglichkeit, als auch hinzufahren, weil sie sich sonst schwertun würden, international wo dabei zu sein. Es ist für mich ein bisschen ein Teufelskreis.“

Lob für ÖLV-Kollegen Dibo

Der 24-jährige Dibo warf seinen persönlichen Rekord von 63,50 heuer in Ramona, davor waren es noch keine 58 m mit dem 2-kg-Gerät gewesen. Zum EM-Debüt kommen von Weißhaidinger Glückwünsche. „Richtig cool, er hat jahrelang gekämpft und durchgehalten. International dabei zu sein ist jetzt die Belohnung dafür. Er hat es sich absolut verdient.“

In der Europarangliste liegt Weißhaidinger mit der Saisonbestleistung von 67,00 m auf Platz zwölf. Alekna, der slowenische Europameister Kristjan Ceh und der schwedische Weltmeister Daniel Stahl sind als Dauerbrenner auch die Dauerkonkurrenten des ÖLV-Rekordlers.