Wegen politischer Äußerung: „Dieses Pissfestival“ – Campino reagiert auf Alphaville-Ausladung

Alphaville sollte am Freitag auf dem Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring spielen. Wegen politischer Äußerungen kam es zum Streit mit den Veranstaltern. Das kann Toten-Hosen-Frontmann Campino nicht verstehen. Auch von anderen gibt es Kritik.

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Wegen politischer Äußerung: „Dieses Pissfestival“ – Campino reagiert auf Alphaville-Ausladung

Wegen politischer Äußerung „Dieses Pissfestival“ – Campino reagiert auf Alphaville-Ausladung

03.09.2026 · 14:24 Uhr

Der Sänger Marian Gold von Alphaville.

Der Sänger Marian Gold von Alphaville.

Foto: Jens Kalaene/dpa/Jens Kalaene

Update | Hockenheim · Alphaville sollte am Freitag auf dem Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring spielen. Wegen politischer Äußerungen kam es zum Streit mit den Veranstaltern. Das kann Toten-Hosen-Frontmann Campino nicht verstehen. Auch von anderen gibt es Kritik.

Wegen politischer Äußerungen darf die Band Alphaville („Forever Young“) um Sänger Marian Gold nicht beim Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring auftreten. Der 72-Jährige verwies in einem Beitrag auf Facebook auf die Absage, wonach die Veranstalter keine politischen Themen oder Äußerungen jeglicher Art auf der Bühne dulden. Die Veranstalter teilten der Deutschen Presse-Agentur mit: „Unsere Bühne ist keine Plattform für politische Äußerungen. Das GLÜCKSGEFÜHLE Festival ist komplett unpolitisch - und das gilt unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äußerung geht: für rechts, für links oder für jede andere politische Richtung.“

So hatte sich auch Markus Krampe, der das Event seit 2023 mit Ex-Fußballnationalspieler Lukas Podolski organisiert, zuvor in der „Bild“ geäußert.

„Diese Begründung gleicht aus unserer Sicht einem Maulkorberlass - uns allen bestens bekannt aus Diktaturen“, schreibt Gold in dem Beitrag. „Das eine derartige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit nun auf einem der größten Popfestivals Deutschlands angekommen zu sein scheint, empfinden wir als absolut untragbar und erschütternd.“

Überraschung bei Toten-Hosen-Konzert in Münster – Campino positioniert sich klar

Toten-Hosen-Frontmann Campino äußerte sich bei einem Konzert am Mittwochabend in der Halle Münsterland sehr eindeutig dazu: „Wir finden das schon extrem fragwürdig und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD äußert oder gegen Trump, jemand der stabil ist für die Demokratie. Da ist eine neue Grenze überschritten und eingerissen.“ Dann holt Campino den Frontmann von Alphaville, Marian Gold, zu ihm auf die Bühne. Eine zweite dicke Überraschung für alle Fans, denn zuvor war auch Ingo Knollman von den Donots neben Campino zu sehen. Die Band postete den Ausschnitt von Campinos Wutrede zur Ausladung von Alphaville auf ihrem Tiktok-Account.

Auch Sänger Mateo von der Band Culcha Candela, die am Samstag beim Glücksgefühle-Festival auftreten soll, bewertete die Entscheidung der Organisatoren als ein kompliziertes Verhältnis zur Demokratie, „Level AfD-Hauptsponsor“. „Leben wir schon in Russland oder ist es noch Deutschland, die BRD, Demokratie?“, fragte er. „Also gestern waren wir noch Demokratie und Meinungsfreiheit.“

Culcha Candela sage bei jedem Auftritt, was sie von der AfD halte: „Fuck Nazis!“, erklärte der Musiker. „Und das werden wir, falls wir bis dahin nicht ausgeladen werden, auch auf dieser Bühne sagen. Und zwar lauter denn je.“

SPD-Landeschef ruft zu Protest auf

Der Co-Vorsitzende der baden-württembergischen SPD, Robin Mesarosch, sagte in einem Video auf Instagram: „Du kannst nicht nicht-politisch sein, so sehr du dir das wünschst.“ Er verwies auf Sänger Andreas Gabalier, der auf dem Festival auftreten soll und dessen Lieder auch politisch seien, wenn es etwa um Kameradschaft und Eiserne Kreuze gehe. „Es ist vor allem Murks, wenn ein Veranstalter den einen Musiker auftreten lässt, den anderen aber nicht, und dann auch noch behauptet, das wär unpolitisch“, sagte Mesarosch.

„Es ist nicht die Aufgabe von dem Festival-Veranstalter, ganz allein die AfD aufzuhalten“, sagte der Sozialdemokrat. Aber es könne auch niemand so tun, „als wäre man in einem unpolitischen Fantasieraum und das hätte alles nichts mit einem zu tun“. Mesarosch rief Menschen auf, den Veranstaltern zu schreiben, was sie von der Entscheidung halten. „Und die Bitte richte ich auch an die Bands, die in den nächsten Tagen auf dem Glücksgefühle-Festival auftreten.“

Veranstalter: „Verhalten inakzeptabel“

Die Veranstalter erklärten: „Das Verhalten von Alphaville und Marian Gold ist inakzeptabel. Wir lassen uns nicht in irgendeine politische Ecke drängen und werden uns hier mit allen Mitteln wehren.“ Eigentlich hätte die Band am Freitag bei dem Festival auftreten sollen.

„Wir hatten Alphaville in diesem Jahr bereits bei zwei anderen Veranstaltungen zu Gast. Bei der ersten Veranstaltung kam es vonseiten der Band zu zahlreichen politischen Äußerungen von der Bühne. Deshalb haben wir im Vorfeld des zweiten Auftritts sehr deutlich kommuniziert, dass wir dies bei unseren Veranstaltungen nicht möchten“, hieß es zur Erklärung. „Bei diesem zweiten Auftritt wurde diese Vorgabe dann auch eingehalten. Vor dem GLÜCKSGEFÜHLE Festival haben wir deshalb noch einmal ausdrücklich daran erinnert und unseren Standpunkt klar kommuniziert.“

Weiter heißt es: „Uns geht es dabei ausdrücklich nicht um die politische Haltung von Marian Gold oder Alphaville und auch nicht darum, jemandem seine persönliche Meinung abzusprechen. Es geht ausschließlich darum, welchen Rahmen wir als Veranstalter für unsere Veranstaltungen und unsere Bühnen setzen.“

Festivalgäste sollen Sorgen vergessen können

Worum es den Veranstaltern bei den Äußerungen konkret geht, blieb unklar. Alphaville-Sänger Marian Gold hatte sich zuletzt bei Konzerten in der Ansage des Songs „Carry Your Flag“ deutlich gegen rechtsradikale Tendenzen und für Freiheit, Toleranz und Demokratie eingesetzt. Das habe zu Diskussionen mit den Veranstaltern der „Glücksgefühle“ geführt, sagte Bandmanager Christian Mielke der dpa.

In der Erklärung des Festivals heißt es: „Wir möchten den Menschen ein Wochenende ermöglichen, an dem sie den Alltag hinter sich lassen, abschalten und einfach eine gute Zeit haben können.“ Und weiter: „Genau deshalb haben wir darum gebeten, politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen. Darauf konnten wir uns mit Alphaville letztlich nicht einigen, weshalb es nicht zu einem Auftritt gekommen ist.“

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