Wasserkraft – ein Eurogame, das Leiden schafft
Brettspiel-Tipp Wasserkraft – ein Eurogame, das Leiden schafft Es gibt Spiele mit wenig Interaktion, solche mit mehr davon und es gibt Wasserkraft: Die Brutalität der Verdrängung illustriert anhand von...
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Brettspiel-Tipp
Wasserkraft – ein Eurogame, das Leiden schafft
Es gibt Spiele mit wenig Interaktion, solche mit mehr davon und es gibt Wasserkraft: Die Brutalität der Verdrängung illustriert anhand von Staudämmen
Test
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Alexander Putzendopler
Und diese Dämme werden brechen – insbesondere in den Hirnen der Spieler. Der hier berichtende Tintifax kann wohl in aller Bescheidenheit festhalten, eine gewisse Erfahrung auch mit komplexen Brettspielen mitzubringen. Spiele von Mind Clash Games? Geschenkt. Vital Lacerda? Kurze Verwirrung aber kein Problem. Und dann kam Wasserkraft (im Original Barrage). Dieses in einer an Steampunk angelehnten, industrialisierten Welt angesiedelte Monstrum hat es tatsächlich geschafft, den Autor kurzfristig (na gut, so kurz war es gar nicht) spielerisch in den gedanklichen Orkus zu befördern.
Nicht ob einer allenfalls zu erwartenden Komplexität der Regeln, im Kern handelt es sich um ein "schlichtes" (haha) Arbeitereinsetzspiel, nein, der absolute Hirnkrampf ergibt sich aus dem Spielablauf an sich. Bis man als geneigter Kraftwerksbetreiber einmal verstanden hat, wie jetzt welches Gebäude welchen Fluss des kühlen Nasses beeinflusst – selbstredend unter Berücksichtigung wieder anderer Gebäude – läuft viel Wasser die Donau hinab.
Ressourcen sammeln
Das Thema ist nicht aufgesetzt, sondern integraler Bestandteil einer jeglichen hier vorliegenden Spielmechanik, weshalb es lohnt, dieses etwas näher zu beaugapfeln. Als Geschäftsführer einer der (im Grundspiel vier) Energiebetreibergesellschaften versuchen wir, über insgesamt fünf Runden möglichst viel – erneuerbare – Energie zu erzeugen. Diese benötigen wir wiederum um Aufträge zu erfüllen, Siegpunkte zu generieren und weitere Ressourcen für den Ausbau zu erwirtschaften.
Das klänge jetzt alles altbekannt, läge hier nicht die bereits aufnotierte unendliche Interaktion zwischen den Spielern vor. Abgesehen von den grauslichen und bestrafenden Mängeln an eh allem, wird einem regelmäßig von den Mitritternden um den hohen Thron des Energieversorgungsunternehmens Nummer 1 das sprichwörtliche Wasser abgegraben – und eine jede einzelne Aktion würde ohne das Thema keinen Sinn ergeben und vice versa.
Origineller Kniff
Es reicht nicht aus, ein nettes Konglomerat an Pumpkraftwerken, Staudämmen und Turbinen aufs Brett zu werfen, das Wasser selbst geht seine physikalisch vorgegebenen Wege – nämlich bergab. So wird in schöner Regelmäßigkeit nach dem eigenen durchgeführten (natürlich sorgsam behirnten) Zug von einem Mitbewerber ein völlig störender Staudamm ins Gebirge gepflanzt. Dies führt dann zu einer Umleitung des Lebensquells in die Kraftwerksanlagen des unliebsamen Konkurrenten, anstatt dieses energiebringend über die eigenen Mühlen fließen zu lassen. Zack, wieder ein Zug ohne eigene Energieproduktion vorbei.
Ein weiterer durchwegs origineller Kniff im Spielablauf ist das Einsetzen von Ressourcen (namhabend hauptsächlich Baumaschinen allerlei Art und vor allem der Aktionsmöglichkeit an sich). Möchte man beispielsweise zum Aufbau eines funktionierenden Netzes aus Rohrleitungen und Kraftwerken eine Pumpstation errichten, sind Ressourcen und Aktionsplättchen auf einem Drehrade zu platzieren. Die Vorräte sind damit zwar nicht aus dem Spiel, jedoch für eine gewisse Anzahl von Umdrehungen der Scheibe blockiert. Es ist daher – zumindest ganz grundlegend – durchaus recht antizipativ mit den eigenen (natürlich viel zu knappen) Mitteln umzugehen.
Das wäre ja alles noch im Rahmen des sattsam Bekannten, drohte nicht die allgegenwärtige Gefahr der Totalvernichtung der eigenen ausgefuchsten Ausbaupläne durch, manchmal erwartbare, meistens jedoch nicht vorhersehbare, Züge der Mitspieler.
Nicht gemütlich
Neben dem durchaus anspruchsvollen Aufbau eines komplexen Wirtschaftskreislaufes sind es vor allem der teilweise unwägbare Weg des Dihydrogeniumoxids, vor allem aber das andauernde Hineinpfuschen der subalternen Möchtegernwasserbarone, die dieses Spiel so unendlich komplex machen. Keine Empfehlung kann für daher für jene ausgesprochen werden, die am liebsten gemütlich vor sich hin optimieren, ihr eigenes Süppchen kochen und möglichst vom Mitspieler in Ruhe gelassen werden möchten. Hier der klare Hinweis: Finger weg.
Für alle anderen jedoch, die ein hoch immersives, extrem thematisches und wunderbar interaktives Wirtschaftsspiel wünschen, heißt es: Wasser marsch! (Alexander Putzendopler, 24.8.2026)
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