INES warnt vor kaltem Winter: Leere Gasspeicher und niedriger Rhein setzen Energieversorgung unter Druck
StartseiteWirtschaftWarum der niedrige Rheinpegel die Energiepreise beeinflussen könnte – INES warnt vor kaltem WinterStand: 07.08.2026, 20:46 UhrKommentareUns auf Google folgenDie Energiebranche blickt mit Sor...
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Warum der niedrige Rheinpegel die Energiepreise beeinflussen könnte – INES warnt vor kaltem Winter
Stand: 07.08.2026, 20:46 Uhr
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Die Energiebranche blickt mit Sorge auf den Winter: INES warnt vor Risiken durch niedrige Gasspeicher. Auch das Niedrigwasser im Rhein wirkt sich aus – mit möglichen Folgen für Verbraucher.
Berlin – Jahrzehntelang konnte sich Deutschland auf günstige und verfügbare Energie verlassen. Öl und Gas bildeten das Rückgrat der Versorgung – bis politische Krisen und neue Rahmenbedingungen diese Sicherheit ins Wanken brachten. Die Initiative Energien Speichern e.V. (INES) warnt nun vor Herausforderungen für die Versorgungssicherheit im kommenden Winter.

Sollte es in den kommenden Wintermonaten besonders kalt werden, könnte sich die Lage verschärfen: „Bei einem außergewöhnlich kalten Winter steigen die Risiken erheblich“, warnt INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann.
Niedrige Pegel, höhere Kosten? Welche Folgen das Rhein-Niedrigwasser hat
Neben den Folgen des Ukraine-Kriegs und den Spannungen im Nahen Osten beeinträchtigen aktuell auch die niedrigen Wasserstände im Rhein die Transportwege für Energieträger. So erreichte der Rhein Anfang August einen historischen Tiefstand: Am Pegel Kaub im Rhein-Lahn-Kreis wurden lediglich 20 Zentimeter Wasser gemessen. Die niedrigen Pegelstände erschweren den Transport von Mineralölprodukten wie Benzin und Diesel, da Frachtschiffe ihre Ladekapazitäten nicht vollständig ausschöpfen können.
„Wenn ein Frachtschiff nur noch zu einem Viertel beladen ist und viermal fahren muss, ist das teurer“, sagt ein Sprecher des Mineralöl-Branchenverbands Fuels und Energie e. V. (en2x) zur FAZ. Als Ausweichlösung kämen teilweise Transporte über Straße und Schiene infrage, doch Bauarbeiten und Modernisierungen im Bahnnetz schränken die verfügbaren Kapazitäten ein. Die Mengen, die normalerweise über den Rhein transportiert werden, lassen sich damit nicht komplett auffangen. Unterm Strich könnten die Folgen des Niedrigwassers weit über die Schifffahrt hinausreichen. Die höheren Logistikkosten dürften sich an den Tankstellen und besonders in energieintensiven Industrieunternehmen entlang des Rheins bemerkbar machen, so der Sprecher.
Noch stärker wirkt sich jedoch der Krieg im Nahen Osten auf die Energiemärkte aus. Zwar bezieht Deutschland nur rund sechs Prozent seines Rohöls aus der Region, trotzdem ist die Versorgung angespannt. Der Grund ist vor allem das geringere Angebot auf dem weltweiten Ölmarkt, erklärt der Mineralölverband en2x.
Gähnende Leere beim Gas: Gasspeicher weit von den Winterzielen entfernt
Besonders kritisch ist die Lage bei den Gasspeichern. Der aktuelle Füllstand liegt dort deutlich unter 50 Prozent. Die Speicher werden derzeit täglich um 0,1 Prozentpunkte aufgefüllt – zu wenig, um die angestrebten Mindestmengen rechtzeitig zu erreichen. Denn laut Gasspeicherfüllstandsverordnung müssen die deutschen Speicher bis zum 1. November zu 80 Prozent gefüllt sein. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag der Füllstand zu diesem Zeitpunkt bereits bei 62,1 Prozent, berichtet t-online. Die Lage war bereits im vergangenen Winter kritisch: Eine Gasmangellage konnte nur knapp verhindert werden.
Modellrechnungen der Initiative Energien Speichern (INES) zeigen: Rein technisch könnten die deutschen Gasspeicher bis zum 1. November 2026 noch auf den vertraglich gebuchten Füllstand von 76 Prozent gebracht werden. Ob dieses Ziel erreicht wird, hängt jedoch stark von der Entwicklung an den Energiemärkten ab. Die aktuellen Gaspreise bieten nur geringe Anreize, zusätzliche Mengen einzuspeichern, und könnten dadurch die Versorgungssicherheit im kommenden Winter ins Wanken bringen.
„Unsere Modellrechnungen zeigen, dass die Infrastruktur grundsätzlich in der Lage ist, die Gasspeicher bis zum Winter weiter zu befüllen. Entscheidend ist jedoch, dass hierfür auch ausreichende Buchungen vorliegen und die gebuchten Kapazitäten tatsächlich genutzt werden. Andernfalls steigt das Risiko für die Versorgungssicherheit im kommenden Winter erheblich“, so Heinermann,
„Bei einem außergewöhnlich kalten Winter steigen die Risiken jedoch erheblich“
Anders könnte die Lage bei einem besonders strengen Winter aussehen. Sollte sich ein Wetterverlauf wie im Referenzjahr 2010 wiederholen, könnte ein Speicherfüllstand von 76 Prozent möglicherweise nicht ausreichen, um die Gasversorgung vollständig abzusichern. „Die Modellierungen zeigen deutlich: Für durchschnittliche Winter ist die Versorgung abgesichert. Bei einem außergewöhnlich kalten Winter steigen die Risiken jedoch erheblich“.
Nach Einschätzung von INES braucht es deshalb bessere Anreize, damit vor dem Winter mehr Gas in die Speicher gelangt. Die derzeitige Preisentwicklung macht es für Unternehmen unattraktiv, Gas in die Speicher einzulagern. Dadurch werden gebuchte Speicherkapazitäten oft nicht vollständig genutzt. „Deshalb müssen bereits heute die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Speicher stärker zu befüllen und die Versorgung auch gegen sehr kalte Temperaturen abzusichern“, so Heinermann. Nur so lasse sich die Versorgung auch bei einer lang anhaltenden Kälteperiode zuverlässig sichern. (Quellen: Initiative Energien Speichern, Frankfurter Allgemeine Zeitung, t-online)