Games aus dem Ruhrgebiet: Kleine, flexible Studios punkten in einer schnelllebigen Branche
Es war ein Schock für die Fans des Kult-Studios vor zwei Jahren: Piranha Bytes wurde der Geldhahn zugedreht - das Studio musste schließen und rund 30 Menschen haben ihren Job verloren. Gleichzeitig hat damit da...
- 4 min read
Es war ein Schock für die Fans des Kult-Studios vor zwei Jahren: Piranha Bytes wurde der Geldhahn zugedreht - das Studio musste schließen und rund 30 Menschen haben ihren Job verloren. Gleichzeitig hat damit das Ruhrgebiet ein Games-Entwickerstudio verloren, das durch seine Spiele (allen voran Gothic) weltberühmt war.
Zwei Jahre später treffen sich immer noch Ex-Piranha-Bytes zu einem Stammtisch in einer Essener Kneipe. Und manchen ist es auch gelungen, alleine weiterzumachen. Pithead Studio aus Bochum hat sein erstes Spiel bereits veröffentlicht. Brainlag Games aus Essen arbeiten aktuell daran.
Entwicklungserfahrung trifft auf junge Teams
Das ist auch das Fazit der Film- und Medienstiftung NRW: Die Schließung von Piranha Bytes heißt nicht, dass das Ruhrgebiet jetzt weniger relevant wäre in der Games-Branche. Die langjährige Entwicklungserfahrung ist noch vor Ort - sie wird jetzt nur woanders eingesetzt.
Und für manche scheint das auch Glück im Unglück zu sein. Nachdem Amadeus Weidmann durch das Aus für Piranha Bytes seinen Job verloren hatte und vergeblich versuchte, ein Brettspiel zu entwickeln, hat er mit drei weiteren ehemaligen Kollegen Brainlag Games gegründet - und wirkt in dieser Konstellation absolut angekommen.
"Wenn jemand von uns 'ne coole Idee hat, dann baut man die halt eben ein. Und das ist so geil, das macht so viel Spaß - da merke ich wieder, wie ich anfange, für das zu brennen, was ich tue." Amadeus Weidmann, Creative Director Brainlag Games
Kleine Studios haben weniger Schwierigkeiten
Es hat nämlich auch Vorteile, in einem kleinen Studio zu arbeiten, sagen die Entwickler. Vor allem: Mehr kreative Freiheit. Neue Ideen sind viel schneller umgesetzt, weil alles ein bisschen unkomplizierter ist als in einem 30-Mann-Studio. Und das macht auch den Erfolg kleiner Studios aktuell aus - nicht nur im Ruhrgebiet.
Die Games-Branche ist schnelllebig - und ein kleines Studio kann darauf agil reagieren. Dann wird auch mal ein Spiel im Entwicklungsprozess stark verändert oder eine Idee ganz verworfen, wenn sie beim potentiellen Publikum nicht ankommt. Für größere Studios kann das bereits eine Katastrophe sein, weil sie einen viel teureren Apparat finanzieren müssen.
Im Ruhrgebiet hilft man sich - auch unter Konkurrenten
Bevor das Team von Brainlag mit der Spiele-Entwicklung loslegen konnte, musste es natürlich erstmal den ganzen Papierkram erledigen, der mit einer Unternehmensgründung zu tun hat. Dabei haben ausgerechnet andere Entwicklerstudios aus Essen geholfen. "Ein paar 100 Meter weiter runter sitzt Sluggerfly, die gibt es auch schon seit sieben Jahren. Dann sitzen da drüben irgendwo noch Backwoods Entertainment. Und die haben wir dann einfach angeschrieben", erzählt Amadeus Weidmann.
Die Antwort kam prompt, die Teams haben sich auf ein Bier in einem Irish Pub getroffen und sich über Gründungsfragen und Förderanträge ausgetauscht. Das hat Brainlag sehr beim Start geholfen - und sie waren auch überrascht, dass es gar keinen Konkurrenzgedanken bei den anderen Entwicklern gab.
"Hier ist eine Community, die ist nicht groß, aber die ist da. Und die hilft auch einander!" Amadeus Weidmann, Creative Director Brainlag Games
Jahrelange Entwicklungszeit kostet viel Geld
Außer guten Ratschlägen brauchen neu gegründete Games-Unternehmen allerdings vor allem eins: Geld. Die Einnahmen gibt es nämlich erst am Schluss, nachdem man - teilweise jahrelang - das Spiel fertig entwickelt hat.
Brainlag haben 150.000 Euro über das Gründungsstipendium "Press Start" bekommen und 300.000 Euro Förderung für ihr Spiel von der Film- und Medienstiftung. Damit können sie jetzt noch anderthalb Jahre arbeiten - dann muss ihr Spiel "Rootbound" fertig sein und Geld einbringen. Dieses Geld könnte daraufhin direkt in die Entwicklung für das nächste Spiel fließen.
Erfolgreiche Spiele müssen nicht aufwendig sein
Das ist ein Problem, dass der Duisburger Mateo Covic alias Zoro Arts nicht hat. Der junge Soloentwickler hat kaum Kosten: Er muss keine Gehälter bezahlen und wohnt noch bei seinem Vater. Dort hat er sich neben seinem Studium selbst das Programmieren beigebracht.
In nur vier Wochen hat Mateo ein simples Spiel mit einer genialen Idee entwickelt: Zwei Spieler steuern gemeinsam ein Boot durch einen Parcours - jeder bedient dabei ein Paddel. Mittlerweile wurde "Paddle Paddle Paddle" mehr als 280.000 Mal verkauft.
Eigentlich könnte Mateo jetzt auch aus dem Elternhaus ausziehen - aber da sieht er gar keinen Anlass. Er ist gerne bei seiner Familie. Am Rhein in Duisburg oder im Schlosspark Moers holt er sich seine Inspiration und zeichnet Skizzen für seine Spiele.
"Homberg ist mein Zuhause, das ist für mich Heimat. Hier habe ich meine Ideen." Mateo Covic, Zoro Arts
Unsere Quellen:
- Film- und Medienstiftung NRW
- Brainlag Games
- Zoro Arts
- Gamesmap
Sendung: WDR Lokalzeit Duisburg, Wandel in der Games-Branche im Ruhrgebiet, 18.08.2026, 19:30 Uhr