Waldbrandforscher: "Wir steuern auf ein außergewöhnliches Waldbrandjahr zu"

Trockenheit Trotz der niedrigeren Temperaturen am Wochenende bleibt die Waldbrandgefahr sehr hoch. Entwarnung kann es laut Waldbrandforscher Harald Vacek erst nach ergiebigem Regen geben 6. Augu...

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Waldbrandforscher: "Wir steuern auf ein außergewöhnliches Waldbrandjahr zu"

Trockenheit

Trotz der niedrigeren Temperaturen am Wochenende bleibt die Waldbrandgefahr sehr hoch. Entwarnung kann es laut Waldbrandforscher Harald Vacek erst nach ergiebigem Regen geben

6. August 2026, 13:35

Ein Waldbrand im Lesachtal, Österreich: Im Vordergrund stehen Feuerwehrleute neben einem Feuerwehrfahrzeug, während Löscharbeiten durchgeführt werden. Im Hintergrund brennt der Wald, Flammen sind sichtbar. Am Himmel fliegt ein Helikopter und lässt Wasser aus einem Löschbehälter ab. Der Himmel ist rauchverhangen.
2026 gab es bereits über 300 Waldbrände – 2025 waren es im gleichen Zeitraum nur 165. (Im Bild: Ein Waldbrand im Lesachtal im April)

Und schon wieder ging im Osten Österreichs ein Wald in Flammen auf: Diesmal war der Föhrenwald in St. Egyden am Steinfeld (Bezirk Neunkirchen) am Mittwoch betroffen. Über 500 Feuerwehrleute mussten bei glühender Hitze – im Raum Neunkirchen hatte es am Mittwoch zum Teil 39 Grad – das Feuer bekämpfen. Die Rauchsäule war kilometerweit zu sehen, rund 100 Hektar Wald waren betroffen. Dieser kräftezerrende Einsatz ging an der Feuerwehr nicht spurlos vorüber: Sechs Mitglieder wurden beim Einsatz verletzt. Im Laufe des Donnerstags waren noch Nachlöscharbeiten in Gange.

Auch wenn am Wochenende in puncto Temperatur etwas Entspannung in Sicht ist, könne von einer Entwarnung noch keine Rede sein, erklärt Waldbrandforscher Harald Vacek von der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) im STANDARD-Gespräch: "Wir bräuchten eine nennenswerte Durchfeuchtung des Oberbodens und da sprechen wir von mindestens 20 bis 40 Millimeter Niederschlag".

Für die kommenden Tage sind Gewitter vorhergesagt, "solche Starkregenereignisse helfen aber kaum. Das Wasser fließt in kurzer Zeit auf der Oberfläche ab und kann nicht versickern. Wir bräuchten Niederschläge über einen längeren Zeitraum", sagt Vacek.

Gefahr von Blitzeinschlägen

Ein kurzer Blick auf den Wetterbericht reicht, um festzustellen: In den nächsten Tagen wird es einen solchen Regen insbesondere im Osten nicht geben. Die hohe Waldbrandgefahr wird uns also erhalten bleiben. Zudem könnten die Gewitter die Waldbrandgefahr sogar etwas verschärfen, denn Blitzeinschläge zählen laut Vacek neben menschlichen Fehlern zu den häufigsten Auslösern.

Dennoch: "Ein kurzer Regenschauer oder ein Gewitter kann zumindest die Entzündungswahrscheinlichkeit im Wald etwas mindern. Wenn beispielsweise eine Zigarette auf einen zum Teil nassen Boden fällt, wird sich dieser weniger schnell entzünden, als ein staubtrockener Boden. Diese Wirkung ist aber nur sehr kurzfristig und sehr regionalspezifisch", sagt Vacek. Sowieso sollten Zigaretten oder andere entzündliche Gegenstände niemals im Wald entsorgt werden.

Ganz verloren ist ein Wald nach einem Brand übrigens nicht. In welchem Ausmaß sich der Wald erholen kann, hänge sowohl von der Intensität des Brandes als auch von der Baumart ab. "Bei der Kiefer zeigt sich beispielsweise, dass sie überleben kann, wenn mindestens ein Fünftel ihrer Nadelmasse vom Feuer verschont geblieben ist. Beim Verlust der gesamten Nadelmasse ist der Baum aber in den allermeisten Fällen tot", sagt Vacek.

Einige Studien würden zeigen, dass Bäume auch noch lange nach dem Brandereignis absterben können. Als Beispiel nennt Vacek den Großbrand am Mittagstein bei der Rax (Bezirk Neunkirchen) im Jahr 2021. "Erst einige Jahre nach dem Brand sind viele Bäume dort abgestorben. Das Feuer kann unter anderem die Wasserzufuhr des Baumes erheblich schädigen. So stirbt der Baum langsam über die Jahre", erklärt der Waldbrandforscher.

2026 bereits über 300 Waldbrände

Das Gefühl, dass uns nahezu jeden Tag eine neue Meldung eines Waldbrands erreicht, täuscht nicht. Laut der Waldbranddatenbank Österreich gab es nämlich im Jahr 2026 bereits 318 Waldbrände, wovon 202 laut Statistik der Boku vom Menschen verursacht wurden. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 gab es im selben Zeitraum insgesamt nur 165 Waldbrände. "Wir steuern auf ein außergewöhnliches Waldbrandjahr zu", zieht Vacek eine Zwischenbilanz.

Am Mittwoch warnte deshalb der Österreichische Bundesfeuerwehrverband, dass die Feuerwehren zwar auf die Waldbrände gut vorbereitet seien, jedoch jedes Jahr herausfordernder werden würde. "Es muss jetzt gehandelt werden: Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung, Maßnahmen zum Klimaschutz und Investitionen in die Katastrophenhilfe", warnte Robert Mayer, Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes.

Die meisten Waldbrände 2026 gab es bisher in der Steiermark (84), gefolgt von Niederösterreich (54) und Kärnten (50). In Wien und in Vorarlberg gab es in diesem Jahr mit jeweils zehn die wenigsten Waldbrände zu verzeichnen. (Max Stepan, 6.8.2026)