Waldbrände in Griechenland: Jetzt droht eine stille Gefahr aus der Erde

Den großen Waldbrand im Süden der Urlaubsinsel Kreta hat die Feuerwehr mittlerweile im Griff. Allerdings sind weiterhin rund 220 Feuerwehrleute im Einsatz, um wieder aufflammende Glutnester zu bekämpfen.

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Waldbrände in Griechenland: Jetzt droht eine stille Gefahr aus der Erde

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Fünf Tage lang kämpften mehr als 600 Feuerwehrleute und Hunderte Freiwillige gegen die Waldbrände im Nordwesten der griechischen Hauptstadt Athen. Jetzt sind die Feuer weitgehend unter Kontrolle. Einsatzkräfte patrouillieren im Brandgebiet, um letzte Glutnester abzulöschen. Die Gefahr bleibt groß, dass der Wind das Feuer erneut anfacht.

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Efthymis Lekkas, Professor für Naturkatastrophenmanagement an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen, warnt, dass unterirdische Brandherde noch Wochen oder sogar Monate aktiv bleiben. Im Wurzelwerk der Bäume könne der Brandprozess weitergehen, auch wenn der Oberflächenbrand längst gelöscht scheint. Dieses Phänomen wurde bereits nach den großen Waldbränden von 2007 in der Provinz Elis sowie am Parnitha-Gebirge und auf Chios beobachtet. Deshalb werden Einsatzkräfte das Gebiet auch in den kommenden Wochen überwachen.

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Wo das Feuer gewütet hat, bedeckt ein grauer Ascheteppich den Boden, noch immer liegt Brandgeruch in der Luft. Von dichten Kiefernwäldern sind nur schwarze Baumgerippe geblieben. Mehr als 100 Wohnhäuser, Gehöfte und Gewerbegebäude wurden zerstört. Die Regierung beschloss unbürokratische Soforthilfen für die Betroffenen.

Ausgelöst wurde der Brand vermutlich durch einen Kurzschluss und Funkenflug in einem Windpark. Die ökologischen Schäden sind enorm. Die Feuer im Nordwesten der griechischen Hauptstadt haben innerhalb weniger Tage 14.400 Hektar Wald, Buschland und landwirtschaftliche Flächen vernichtet. Nach Daten des Nationalen Observatoriums Athen sind seit 2017 in der Provinz Attika insgesamt mehr als 80.000 Hektar abgebrannt, darunter 51.200 Hektar Wald. Das entspricht 42 Prozent des gesamten Waldbestandes.

Die Waldbrände in Griechenland sorgen regelmäßig für schwere Schäden.

Die Waldbrände in Griechenland sorgen regelmäßig für schwere Schäden. © AFP | Aris Oikonomou

Die Wälder Attikas waren einst die grüne Lunge Athens. Nach Dutzenden Bränden in den vergangenen Jahrzehnten besteht der früher dicht bewaldete Hymettos im Osten der Hauptstadt heute fast nur noch aus Buschland. Zwar können sich Kiefernwälder nach einem Feuer innerhalb von zehn bis 15 Jahren weitgehend erholen. Brennen sie jedoch innerhalb von fünf Jahren erneut, ist eine natürliche Regeneration fast unmöglich.

Der Forstwissenschaftler Nikos Georgopoulos warnt vor tiefgreifenden Veränderungen der Ökosysteme. Über den verbrannten Böden steigen die Temperaturen wegen der ungehinderten Sonneneinstrahlung um bis zu zehn Grad Celsius. Zugleich wächst im Herbst und Winter die Überschwemmungsgefahr, weil Regenwasser nicht mehr vom Wald zurückgehalten wird und der geschädigte Boden es kaum aufnehmen kann. Jeder große Waldbrand beschleunigt zudem die Erosion, weil fruchtbarer Boden weggespült wird. Das erschwert die Wiederbewaldung zusätzlich.

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Technisch war Griechenland noch nie so gut gegen Waldbrände gerüstet wie in diesem Jahr. Die Regierung investiert zwei Milliarden Euro in den Katastrophenschutz – unter anderem in Drohnen und ein satellitengestütztes Frühwarnsystem. Vier speziell entwickelte Satelliten, die im Mai in den Orbit gebracht wurden, sollen mit ihren Kameras selbst Brandherde von der Größe eines Autos erkennen. Denn bei der Brandbekämpfung entscheiden die ersten Minuten, vor allem bei orkanartigen Winden, wie sie in den vergangenen Tagen über Attika hinwegfegten.

Ob sich die milliardenschweren Investitionen auszahlen, könne man noch nicht abschließend bewerten, sagen Experten. Sie verweisen jedoch darauf, dass in den vergangenen Wochen zahlreiche Brände bereits im Entstehungsstadium erkannt und gelöscht werden konnten. Nach Angaben der griechischen Feuerwehr wurden allein zwischen dem 2. und 4. August 58 Wald- und Buschbrände gemeldet. 52 davon konnten bereits im Anfangsstadium gelöscht werden – auch dank der Früherkennungssysteme.