Waldbrand-Gefahr in Österreich: Wo die Flammen leichtes Spiel haben
Meterhohe Flammen lodern zwischen den Stämmen, arbeiten sich in Richtung der Wipfel empor. Rauchsäulen steigen auf. Der Boden ist schwarz verbrannt. Bilder verheerender Brände in den Wäldern Südeuropas sind ber...
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Meterhohe Flammen lodern zwischen den Stämmen, arbeiten sich in Richtung der Wipfel empor. Rauchsäulen steigen auf. Der Boden ist schwarz verbrannt. Bilder verheerender Brände in den Wäldern Südeuropas sind bereits zu einem wiederkehrenden Bestandteil der Berichterstattung geworden. Doch nicht nur der Mittelmeerraum hat mit Feuer zu kämpfen.
Auch in Österreich steigt das Risiko. Zwischen Jänner und Juli 2026 wurden laut der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) landesweit 269 Waldbrände registriert – im gesamten Vorjahr lag die Zahl bei 196, ordnet das Kuratorium für Verkehrssicherheit ein. Am häufigsten hat es heuer bisher in der Steiermark gebrannt (73), gefolgt von Kärnten (45). Niederösterreich liegt mit 44 registrierten Waldbränden auf Platz drei im Bundesländervergleich und damit vor Tirol (43).
Karten zeigen Gefahrenpotenzial
Analysen des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLUK) in Zusammenarbeit mit der BOKU zeigen, wo die Gefahr besonders hoch ist. Die Waldbrand-Risikokarte gibt nicht nur Auskunft darüber, wo Brände wahrscheinlich sind, sondern berücksichtigt ebenfalls, wo sie besonders schwere Schäden verursachen könnten.
Für die Bewertung wurden unterschiedliche Daten herangezogen, heißt es aus der zuständigen Abteilung. Unter anderem fließen die Anzahl vergangener Waldbrände und der Umfang betroffener Brandflächen in die Klassifizierung ein. Handelt es sich um einen Schutzwald – der etwa Lawinen, Hochwasser und Muren abhält oder den Boden stabilisiert –, steigt die Risikobewertung ebenfalls.
Die höchste Gefahrenstufe ist etwa für die Tiroler Bezirke Imst, Innsbruck-Land, Schwaz und Lienz ausgewiesen. Auch in Teilen von Kärnten und Niederösterreich gilt ein sehr hohes Waldbrandrisiko. Betroffen sind Spittal sowie Wiener Neustadt und Neunkirchen.
Ein hohes Waldbrandrisiko findet sich unter anderem in den Bezirken Bludenz (Vorarlberg), Landeck und Kufstein (Tirol), Zell am See und Tamsweg (Salzburg) und in weiten Teilen Kärntens und der Steiermark. In Niederösterreich reihen sich Lilienfeld und Baden als hohe Waldbrandrisikogebiete ein, gefolgt von den mittleren Waldbrandrisikogebieten Scheibbs, St. Pölten, Mödling, Krems, Zwettl und Gmünd.
Nadelwälder als Gefahr
Wenn es um die Entstehungsgefahr von Waldbränden geht, spielt neben der Trockenheit – die etwa das Weinviertel, Teile des Wald- und Industrieviertels sowie das Burgenland in sehr hohem Maß betrifft – unter anderem die Vegetation eine tragende Rolle. Um herauszufinden, welche Gegenden hier besonders vulnerabel sind, wurde der häufigste Waldtyp auf Gemeindeebene analysiert und in einer weiteren Karte aufgeschlüsselt.
Für einen Großteil von Salzburg, Kärnten, Tirol, Vorarlberg und der Steiermark gilt die Gefahrenstufe drei von insgesamt fünf. Der niederösterreichische Süden, das Waldviertel und der Westen Tirols weisen die höchste Gefahrenstufe auf. Grund dafür ist die hohe Dichte an Nadelbäumen, wie Fichten, Lärchen und Kiefern. Die Arten kommen etwa in Niederösterreich teils natürlich vor, wurden jedoch zusätzlich vom Menschen für die Holz- oder Pechgewinnung gezielt gepflanzt.
Mischwälder als Schutz
Großflächige Kiefernwälder sind besonders anfällig für Waldbrände, sagt Stefan Schörghuber, Leiter des Bereichs Wald-Naturraum-Nachhaltigkeit bei den Österreichischen Bundesforsten. Grund dafür sei unter anderem der hohe Harzanteil. Laubbäume würden das Risiko hingegen senken, da sie unter anderem mehr Feuchtigkeit speichern.
Zwar kann auch ein Laubbaum brennen, die Ausbreitung von Bodenfeuern werde jedoch gebremst. Das bringt Zeit, um zu verhindern, dass die Flammen auf die Baumkronen übergreifen und kann bei der Bekämpfung einen großen Unterschied bedeuten.
Für die Zukunft braucht es laut Schörghuber einen vielfältigen und strukturreichen Mischwald - mit mehr Tannen, Buchen und Eichen. Daran arbeiten die Bundesforste bereits „mit Hochdruck“. Hierfür brauche es ein Zusammenspiel zwischen Naturverjüngung, also dem natürlichen Nachwachsen des Waldes aus den Samen bestehender Bäume, und der gezielten Pflege klimawandelresistenter Baumarten.
„Jahrhundertprojekt“
Solche Ökosysteme zu schaffen passiert jedoch nicht von heute auf morgen. „Wir sprechen von einem Jahrhundertprojekt bei den Bundesforsten“, so Schörghuber.
Gleichzeitig sieht er auch Schritte, die kurzfristig gesetzt werden können. Und das von jedem und jeder einzelnen, denn für über 80 Prozent der Waldbrände ist der Mensch verantwortlich. „Das ist erschreckend, aber gleichzeitig auch eine Chance. Dass man hier ansetzen und etwas tun kann, durch Informationsarbeit, durch achtsames Verhalten im Wald“, so Schörghuber.
kurier.at | 01.08.2026, 5:30