Waisentunnel: Millionen-Bauprojekt der BVG unter der Spree beginnt

Den offiziellen Startschuss des Waisentunnel-Ersatzneubaus verlegte die BVG in den Untergrund. Dort war ein Graffiti zu sehen, auf dem am Montag die Verkehrssenatorin Ute Bonde und die BVG-Vorstandsvorsitzende Franziska Giffey unterschrieben.

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Waisentunnel: Millionen-Bauprojekt der BVG unter der Spree beginnt

Es ist ein Montag, der bei der BVG und ihrer Tochtergesellschaft, der BVG Projekt GmbH, zweifellos in die Geschichtsbücher eingehen wird. Am historischen Waisentunnel, tief unter dem Bett der Berliner Spree, fällt der Startschuss für eines der komplexesten Bauvorhaben der Hauptstadt: den Ersatzeubau des Waisentunnels unter der Spree. Er ist die einzige Gleisverbindung zwischen der U5 und dem restlichen Berliner U-Bahn-Netz. Die Fertigstellung ist nach einer vierjährigen Bauzeit für circa 2030 geplant.

Aufgrund seines maroden Zustands war der alte Tunnel seit 2016 gesperrt und seit 2018 stillgelegt. Folgen hat das für die Wartung. Denn Züge der U5 können seither nicht mehr aus eigener Kraft oder per Schleppfahrt in die Hauptwerkstatt Seestraße oder andere Betriebswerkstätten gelangen, sondern müssen über Tieflader dorthin transportiert werden. Das verursacht nicht nur hohe Kosten, sondern dauert auch viel länger. „Statt einem Tag etwa 14 Tage pro Reparatur“, wie Dennis Backwinkel, Geschäftsführer der BVG Projekt GmbH, zum Baubeginn verriet.

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Waisentunnel

Der offizielle Startschuss der Sanierungsarbeiten fiel im Untergrund, inmitten von massiven Wehrtoren und einer ehemaligen Bunkeranlage. Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) kritisierte dabei die jahrelange „Weigerungshaltung aus der Politik heraus“, den Tunnel wieder aufzubauen. Für die amtierende Senatorin „ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man eine solche Möglichkeit wie diesen Tunnel hat“.

BVG startet Erneuerung des Waisentunnels

Für normale Fahrgäste unsichtbar – ein alter Betriebstunnel der BVG im Herzen Berlins, bekannt als „Waisentunnel“, wird wieder belebt.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

BVG-Projekt-Chef: „Nichts Alltägliches“

BVG-Projekt-Chef Backwinkel betonte, dass hinter dem Team kein einfacher Weg liege. „Wir setzen uns schon sehr lange mit diesem Projekt auseinander – nicht nur in betrieblichen, sondern auch in intensiven politischen Diskussionen.“ Die vorangegangenen Strapazen des Bauvorhabens schilderte Backwinkel als „Triathlon“: „Wir haben einen Planungsmarathon hinter uns, wir haben einen Genehmigungsmarathon hinter uns – und jetzt kommt der dritte Teil, der eigentliche Bau.“

Im Zuge der Arbeiten werden die Wehrtore erneuert, der marode alte Tunnel komplett abgebrochen, um Platz für einen modernen Neubau zu machen. Auch der bestehende U-Bahn-Tunnel zwischen Klosterstraße und Alexanderplatz soll saniert werden. „Ein Tunnel direkt unter einer viel befahrenen Wasserstraße ist nichts Alltägliches, was man ständig macht“, so der Geschäftsführer. Die besondere Schwierigkeit: Der Schiffsverkehr auf der Spree darf während der gesamten Bauzeit nicht zum Erliegen kommen. Das erfordert hochkomplexe logistische und ingenieurtechnische Bauabläufe.

Sanierung keine Option: Alter Tunnel löst sich auf

Die Verantwortlichen machten deutlich, dass es zum radikalen Schritt des Abrisses keine Alternative gab. Der historische Waisentunnel, zwischen 1912 und 1918 von der AEG erbaut, sei schlichtweg am Ende seiner Lebensdauer angekommen. Das Bauwerk sei so alt, dass es sich direkt unter der Spree sprichwörtlich auflöse.

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Zunächst wird eine Baugrube mitten in der Spree errichtet. Hierfür kommen sogenannte Spundwände zum Einsatz – jene charakteristischen, verrosteten Stahllamellen, die tief in den Flussboden gerammt werden, um das Wasser abzuhalten. Der Abbruch des alten Bestandstunnels erfolgt dann vom Wasser aus: Ein riesiger Bagger wird auf einem schwimmenden Lastfloß, einem sogenannten Ponton, auf der Spree positioniert, um das alte Betonkonstrukt Stück für Stück zu zertrümmern und das Material abzutransportieren.

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Bei Abriss des historischen Tunnels kommt eine weitere Herausforderung auf die Bauarbeiter zu: „Da wurden Stoffe verbaut, die man heute aus gutem Grund nicht mehr nutzt. Wir haben hier also auch ein massives Entsorgungsthema zu lösen“, so Backwinkel. Bezogen auf die Investitionskosten relativiere sich die Summe schnell, rechnet der Projektchef vor: „Wir bauen so einen Tunnel für die nächsten 100 Jahre. Bei einer Million Euro Kosten pro Nutzungsjahr sieht die Relation zur Gesamtinvestition gleich ganz anders aus.“

Teil einer milliardenschweren Gesamtstrategie

Auch für die BVG-Aufsichtsratsvorsitzende Franziska Giffey ist der Baustart ein Meilenstein. Sie ordnete das rund 100 Millionen Euro schwere Vorhaben in die Gesamtkonzeption des Berliner Nahverkehrs ein. „Das ist ein Vorhaben, das zu den großen Investitionsprojekten gehört, die der Aufsichtsrat positiv beschieden hat. Es ist gleichzeitig Teil einer riesigen Gesamtstrategie“, so Giffey. Allein im aktuellen Jahr bewege die BVG ein historisches Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro, um Netze, U-Bahnhöfe und die gesamte Infrastruktur fit für die Zukunft zu machen. „Wenn man sich das ausrechnet: 1000 Millionen Euro in einem Jahr, verteilt auf 365 Tage – das zeigt, welche enormen Volumina wir täglich verbauen, nur um unser Netz stabil zu halten.“