Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern: Grüner Aufbau Ost

Ob die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern wieder in den Landtag einziehen, ist unsicher. Zwei westdeutsche Unternehmer wollen mit ihrem Geld helfen. Die Landesvorsitzende Katharina Horn (Bündnis 90/Di...

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Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern: Grüner Aufbau Ost

Ob die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern wieder in den Landtag einziehen, ist unsicher. Zwei westdeutsche Unternehmer wollen mit ihrem Geld helfen.

Eine junge Frau mit verschrenkten Armen lächelt in die Kamera
Die Landesvorsitzende Katharina Horn (Bündnis 90/Die Grünen)

Foto: Danny Gohlke/picture alliance

Rainer Rutz

Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern haben ihr Ziel eindeutig formuliert: Bei der Landtagswahl in zwei Monaten wollen sie die Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Nicht mehr, vor allem aber: nicht weniger. In der jüngsten Umfrage stehen die Grünen zwar bei genau 5 Prozent und kämen damit wieder in den Landtag. Aber: „Umfragen sind auch nur Momentaufnahmen, das ist uns klar“, sagt Grünen-Landeschefin Katharina Horn.

Umso wichtiger sei es jetzt, alle Kräfte für den Wahlkampf zu mobilisieren, sagt auch Martin Bauer, ein Grünen-Mitglied und Unternehmer aus dem fernen Schwäbisch-Hall. Der Biofleisch-Händler schloss sich Mitte Juli einer Spendenkampagne an, die der Hamburger Start-up-Unternehmer Gunnar Froh kurz zuvor für die Grünen im Nordosten gestartet hatte. Der Name der Initiative: „einpunktmehr“.

In weniger als drei Wochen sind so fast 230.000 Euro zusammengekommen. Die Spenden gehen direkt an den Landesverband, jeder Euro wurde zunächst von Froh und Bauer verdoppelt, Froh schoss 50.000 Euro dazu, Bauer die nächsten 25.000. Längst sei das Projekt ein Selbstläufer. „Die Resonanz ist der Wahnsinn“, sagt Bauer zur taz. Es reiche schon, wenn jemand wenige Euro spendet. Die Masse macht's.

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Der 60-jährige Baden-Württemberger hatte nach eigenen Angaben bislang kaum bis keine Berührungspunkte zu Mecklenburg-Vorpommern und eher durch Zufall von der Hamburger Initiative gehört. „Da dachte ich mir: Hier kannst du wirklich wirksam werden, für die Grünen, klar, aber auch gegen die AfD und damit für unsere Demokratie insgesamt.“

Schwache Strukturen

Die Eigenmittel des Grünen-Landesverbands für den Wahlkampf sind für ein Bundesland mit dieser Fläche überschaubar. 350.000 Euro sind zwar nicht nichts. SPD und CDU hatten aber von Beginn an je gut dreimal so viel in der Kasse, AfD und Linke rund das Doppelte. Ein Grund für das knappe Grünen-Budget sind die schwachen Strukturen. Die Partei kommt in ganz Mecklenburg-Vorpommern auf gerade mal 1.700 Mitglieder – weniger, als der Kreisverband von Berlin-Pankow oder Bonn zählt.

Immerhin: Mittlerweile sind 800.000 Euro im grünen Wahlkampf-Topf. Zum einen, weil der Bundesverband noch ordentlich draufgelegt hat, zum anderen aber auch aufgrund der Spenden. Natürlich schauten viele aus ganz Deutschland nun auf Mecklenburg-Vorpommern, sagt Landeschefin Katharina Horn zur taz. „Die daraus resultierende Spendenbereitschaft ist trotzdem sehr viel größer, als wir je zu hoffen gewagt hatten.“

Das Geld von „einpunktmehr“ soll in Anzeigen, Plakate, den Straßenwahlkampf und die Mobilisierung in den letzten Wochen vor der Wahl am 20. September fließen. Der Landesverband selbst will die Mittel strategisch einsetzen. „Auch wenn wir jetzt viele Spenden bekommen, machen wir keinen Wahlkampf mit der Gießkanne“, so die Landesvorsitzende.

Martin Bauer ist es recht. „Es geht um Sichtbarkeit.“ Wo das angebracht ist, wüssten die Grünen vor Ort am besten. „Wir wollen da auch gar keinen Einfluss drauf nehmen.“ Worauf er Einfluss nehmen will – und sei es nur mit seinem Geld und Engagement –, ist das Wahlergebnis. Er ist überzeugt: „Letztlich werden bei der Wahl vielleicht ein paar Tausend Stimmen darüber entscheiden, ob die Grünen den Wiedereinzug in den Schweriner Landtag schaffen und es eine stabile demokratische Mehrheit gegen die AfD gibt.“

Und Sachsen-Anhalt? Auch hier wird im September gewählt, wobei die AfD vermutlich weitaus näher an einer eigenen Mehrheit ist als in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir haben darüber diskutiert“, sagt Bauer. Eine weitere Kampagne in Sachsen-Anhalt sei angedacht.

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