Wachstum, Dividenden oder vorsorgen wie Warren Buffett: Was bringen die Spezialvarianten des MSCI World?
Ob dynamisch, werthaltig oder hohe Dividenden: Es gibt den Weltaktienindex auch für bestimmte Anlagestrategien. Was sie unterscheidet, wie ertragreich sie sind und für wen sie sich eignen
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Wachstum, Dividenden oder vorsorgen wie Warren Buffett: Was bringen die Spezialvarianten des MSCI World?
Ob dynamisch, werthaltig oder hohe Dividenden: Es gibt den Weltaktienindex auch für bestimmte Anlagestrategien. Was sie unterscheidet, wie ertragreich sie sind und für wen sie sich eignen
Alexander Hahn
Die finanzielle Vorsorge mit ETFs (Exchange Traded Funds) auf Weltaktienindizes findet immer mehr Anhänger, wobei die meisten Menschen auf das Standardprodukt MSCI World setzen. Dieses globale Börsenbarometer umfasst derzeit knapp 1300 Unternehmen aus 23 westlichen Industriestaaten. Dabei werden im Grunde die weltweit größten Konzerne zusammen in einen Index verpackt, um mit dem MSCI World etwa 85 Prozent des Börsenwerts des globalen Aktienuniversums abzudecken. Zudem gibt es den Index auch in speziellen Varianten, etwa in nachhaltigen Versionen für Leute, die auf klimafreundliche Ausgestaltung achten oder vor Investments in Branchen wie Rüstung und Tabak zurückschrecken.
Damit nicht genug, es stehen auch weitere Ableger zur Verfügung, die versuchen, einen gewissen Investmentstil innerhalb der im Index enthaltenen Unternehmen abzubilden. Also etwa eine dynamische Variante, in der nur auf die Aktien mit dem derzeit größten Momentum zurückgegriffen wird – also salopp gesagt jene, die zuletzt am stärksten gestiegen sind. Man kann es aber auch wie die Investmentlegende Warren Buffett halten, der einen sogenannten Value-Ansatz verfolgt, bei dem es gilt, unterbewertete Unternehmen mit starker Marktstellung ausfindig zu machen. Ebenfalls beliebt bei manchen Investierenden sind jene Unternehmen, die ihre Eigentümer regelmäßig mit üppigen Dividenden belohnen – auch darauf kann man mit einem Ableger des MSCI World setzen.
Aber was bringen diese drei an bestimmte Investmentstile angelehnte Varianten? Wie ertragreich sind sie im Vergleich zum Original und für wen oder in welchen Situationen eignen sie sich zur finanziellen Vorsorge?
Den Fuß am Gas
Zunächst zur dynamischen Variante, dem MSCI World Momentum Index: Dabei werden aus dem Basisindex jene Unternehmen herausgepickt, deren Aktienkurse zuletzt einen dynamischen Auswärtstrend verzeichnet haben. Ebenfalls ein Kriterium für die Ausnahme ist eine hohe Liquidität der Aktie, also hohe Umsätze im Börsenhandel. Auf diese Weise schrumpft die Anzahl an vertretenen Unternehmen auf 351 zusammen, also nur ein gutes Viertel aller im MSCI World vertretenen Konzerne erfüllt diese Voraussetzungen. Dadurch unterscheidet sich der Momentum-Index, dessen Zusammensetzung vierteljährlich überprüft und neu gewichtet wird, auch sehr stark vom Original. Denn nicht Nvidia ist dabei die am stärksten gewichtete, also einflussreichste Aktie, sondern der US-Chiperzeuger Micron Technology mit einem Gewicht von 7,4 Prozent im dynamischen Ableger.
Hinsichtlich des Ertrags macht der Momentum-Index seinem Namen alle Ehre. In den vergangenen zehn Jahren hat dieser nämlich eine jährliche Rendite von 16,6 Prozent eingespielt und damit deutlich mehr als der MSCI World mit 13,7 Prozent. Wobei diese Berechnung in US-Dollar erfolgt, Daten für Anleger aus dem Euroraum stellt der Indexanbieter für die dynamische Variante nicht zur Verfügung. Auch auf längere Sicht hat der Ableger die Nase vorn, wenngleich beide Indizes dabei merklich geringere Erträge eingespielt haben: Beim Momentum-Index sind es im Mittel 12,3 Prozent, beim Original neun Prozent pro Jahr.
Für risikoscheue Personen, die Angst vor starken Schwankungen haben, ist die dynamische Variante wohl nicht gut geeignet. Denn im Fall eines Abschwungs oder gar Börsencrashs kommen oft jene Aktien besonders unter die Räder, die zuvor die stärksten Anstiege erzielt haben. Für junge Leute, die erst zu investieren begonnen haben und damit über einen langen Anlagehorizont von mehreren Jahrzehnten verfügen, kann er jedoch eine Alternative darstellen. Denn schon allein aufgrund der geringeren Streuung auf nur ein Viertel der Aktien ist die Momentum-Variante als risikoreicher einzustufen – was eben nur mit einer entsprechend langen Behaltedauer auszugleichen ist.
Investieren wie Warren Buffett
Beim MSCI World Value Index wird versucht, den Investmentansatz von Warren Buffett zu imitieren. Dieser zielt darauf ab, an der Börse günstig bewertete Unternehmen mit guter Marktstellung und langfristigen Wachstumsaussichten herauszupicken. Dem versucht sich der Index auf folgende Weise anzunähern: Nur jene Unternehmen mit den höchsten Buchwerten im Vergleich zum Aktienkurs, den höchsten erwarteten Jahresgewinnen relativ zum Preis der Aktie sowie den ansprechendsten Dividendenrenditen kommen ins Körbchen. Allerdings ist dieses Netz eher grobmaschig, sodass derzeit 842 Unternehmen im Value-Index vertreten sind, also fast zwei Drittel des gesamten MSCI World.
Der Performance hat die Auswahl in den vergangenen zehn Jahren nicht gutgetan: Mit elf Prozent an jährlicher Rendite bleibt der Value-Ansatz doch merklich hinter dem Original mit 13,7 Prozent zurück (ebenfalls in Dollar). Doch die Vergleichsdaten reichen bis in die 1970er-Jahre zurück – und geben ein anderes Bild wieder: Mit 11,6 Prozent hat dann der Value-Index seit 1974 doch knapp die Nase vorn, denn der gesamte MSCI World kommt in diesem Zeitraum bloß auf eine 11,3-prozentige jährliche Durchschnittsrendite.
Eignen kann sich der Value-Index für jene Investierenden, die bei dem hohen Gewicht von US-Technologieaktien im MSCI World etwas Bauchweh bekommen – denn viele der Techgrößen wie Nvidia sind gar nicht vertreten, stattdessen ist mit sechs Prozent Microsoft die einflussreichste Aktie. Buffets Investmentvehikel Berkshire Hathaway ist übrigens im Index auch ziemlich prominent vertreten mit einem Gewicht von 1,3 Prozent. Unter dem Strich ist der Value-Index ein Investment abseits des derzeitigen Booms von Technologie und KI, der auf lange Sicht durchaus mit dem Original-Weltaktienindex mithalten kann.
Dividende muss passen
Viele Menschen fühlen sich wohl, wenn Unternehmen hohe Gewinnbeteiligungen an ihre Eigentümerschaft ausschütten – zumal viele Marken dieser Konzerne auch aus dem Alltag bekannt sind. Dieses Bedürfnis erfüllt der MSCI World High Dividend Yield Index, bei dem jene Titel ausgewählt werden, die nachhaltig und andauernd die höchsten Dividendenrenditen aufweisen. Aber auch die Entwicklung der Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten wird dahingehend untersucht, dass jene aussortiert werden, bei denen Dividendenkürzungen anstehen könnten. Auf diese Weise durchgesiebt kommen nur noch 379 Unternehmen in den Dividenden-Index, der somit etwa 30 Prozent aller Unternehmen des MSCI World umfasst.
Die üblichen US-Technologieriesen sucht man in dieser Auswahl vergebens. Stattdessen ist der Konsumgütererzeuger Johnson & Johnson mit 3,1 Prozent der am stärksten gewichtete Titel im Index. In den vergangenen zehn Jahren hat der Dividendenindex für Investoren aus der Eurozone allerdings nicht vollends überzeugt: Mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 8,4 Prozent ist er doch merklich hinterhergehinkt, der MSCI World kam im selben Zeitraum nämlich auf stattliche 12,8 Prozent. Auch auf lange Sicht wendet sich das Blatt nicht, seit Ende 1998 fuhr die Dividendenauswahl 6,6 Prozent an Jahresertrag ein, der Originalindex im Mittel jedoch 7,3 Prozent.
Die schwächere Entwicklung von dividendenstarken Konzernen hat einen durchaus nachvollziehbaren Grund: Unternehmen mit hohen Ausschüttungen legen meist nur ein unterdurchschnittliches Wachstum an den Tag. Wenn ein Konzern seine Eigentümerschaft mit Ausschüttungen überhäuft, gibt es offenbar keine vielversprechenden innerbetrieblichen Investitionsmöglichkeiten mehr. Das führt letztlich auch zu einer schwächeren Performance am Aktienmarkt. (Alexander Hahn, 14.7.2026)
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